Die neuen Gedichte von Lutz Rathenow sind verstörend schön. Einerseits immer wieder satirisch, loten sie andererseits einen Lebensernst aus, der den Leser berührt. "Am Grab" gehört sicher
zu den schönsten deutschen Gedichten. Jenes über den 1. Mai in Kreuzberg und Friedrichshain erreicht eine Mischung aus Komik und Weltbetrachtung, die seinesgleichen sucht. Ein paar der lyrischen versuche wirken noch unfertiger. Rathenow umkreist in schreibenden Bewegungen immer wieder seine Themen, die mit Macht und Machtsucht zu tun haben.Wer mit Gedichten seine Probleme hat, sollte zuerst die pointiert geschriebenen Prosanotizen zur Lyrik am Ende des Bandes lesen. Sei dem Erzählungsband "Sisyphos" (1995) ist das garantiert das reifste Buch Lutz Rathenows. Hermann Ratz