Kurzbeschreibung
Der Doppelband vereint Peter Kelders "Fünf Tibeter", das bewährte Programm für Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude, und Christian Salvesens "Der Sechste Tibeter", das Peter Kelder "die Krönung des ganzen Übungssystems" genannt hat. Dem Leser präsentiert sich somit das Energieprogramm für ein erfülltes Körperbewusstsein erstmalig in seiner Gesamtheit.
Über den Autor
Peter Kelder wuchs bei Adoptiveltern im Mittleren Wesen der USA auf. Schon früh verließ der gebildete und sprachgewandte junge Mann sein Elternhaus, um die Welt bis zu ihren entlegendsten Winkel zu bereisen. In den 1930er Jahren begegnete Kelder in Kalifornien jenem Mann, der ihm das Geheimnis der Fünf »Tibeter« anvertraute, das er mit seinem Buch allen zugänglich machte. Das Geheimnis um sein eigenes Leben hat der Autor jedoch nie gelüftet.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Als er einige Jahre zuvor in Indien stationiert war, war Bradford von Zeit zu Zeit mit herumziehenden Einheimischen aus entlegenen Gegenden des Landesinneren in Verbindung gekommen und hatte viele fesselnde Geschichten über ihr Leben und ihre Bräuche gehört. Eine seltsame Geschichte, die sein besonderes Interesse weckte, hörte er ziemlich häufig, und immer von den Bewohnern eines bestimmten Landstrichs. Die Bewohner anderer Teile des Landes schienen nie davon gehört zu haben. Die Geschichte betraf eine Gruppe von Lamas, tibetischen Mönchen, die der Geschichte zufolge das Geheimnis der ewigen Jugend entdeckt hatten. Über die Jahrtausende war das außerordentliche Geheimnis von den Mitgliedern dieser mystischen Vereinigung übermittelt worden. Zwar gaben sie sich keinerlei Mühe es geheim zu halten, doch war ihr Kloster so abgelegen und isoliert, dass sie praktisch von der Außenwelt abgeschlossen waren. Aus diesem Grund war bisher nichts von ihrem Wissen an die Außenwelt gedrungen. Dieses Kloster und seine »Quelle der Jugend« war für die Einheimischen, die davon erzählten, zu einer Art Legende geworden. Sie erzählten von alten Männern, die auf geheimnisvolle Weise ihre Gesundheit, Kraft und Vitalität zurückgewannen, nachdem sie das Kloster gefunden hatten und eingetreten waren. Aber niemand schien die genaue Lage dieses seltsamen und wunderbaren Ortes zu kennen. Wie so viele andere Männer hatte auch Colonel Bradford im Alter von 40 Jahren begonnen, alt zu werden, und das ließ sich offenbar nicht aufhalten. Je mehr er von dieser wunderbaren »Quelle der Jugend« hörte, desto mehr gelangte er zu der Überzeugung, dass solch ein Ort tatsächlich existierte. Er begann Informationen zu sammeln: Richtungsangaben, die Art der Landschaft, das Klima und andere Daten, die ihm helfen konnten, den Ort ausfindig zu machen. Und sobald Colonel Bradford seine Nachforschungen begonnen hatte, wurde er in zunehmendem Maß von dem Wunsch besessen, diese »Quelle der Jugend« zu finden. Der Wunsch, so erzählte er mir, war so unwiderstehlich geworden, dass er sich entschlossen hatte, nach Indien zurückzukehren und ernsthaft nach diesem Zufluchtsort und seinem Geheimnis ewiger Jugend zu suchen. Und er fragte mich, ob ich mich seiner Suche anschließen wolle. Normalerweise wäre ich der Erste, der auf eine so unwahrscheinliche Geschichte skeptisch reagierte. Aber der Colonel meinte es völlig ernst. Und je mehr er mir von dieser »Quelle der Jugend« erzählte, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass etwas Wahres daran sein könnte. Eine Weile überlegte ich mir ernsthaft, mich der Suche des Colonels anzuschließen. Aber als ich anfing, praktische Gegebenheiten in meine Überlegungen einzubeziehen, gewann die Vernunft die Oberhand, und ich entschied mich dagegen. Schon kurz nachdem der Colonel abgereist war, kamen mir Zweifel, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Um meinen Entschluss zu rechtfertigen, sagte ich mir, dass es vielleicht töricht sei, das Altern besiegen zu wollen. Vielleicht sollten wir uns alle einfach damit abfinden, in Anmut und Würde alt zu werden und vom Leben nicht mehr zu verlangen als andere auch. Aber dennoch spukte irgendwo in meinem Kopf weiterhin die Möglichkeit: eine »Quelle der Jugend«. Welch aufregender Gedanke! Um seinetwillen hoffte ich, dass der Colonel sie finden würde. Jahre vergingen, und in der Hektik des Alltags verschwand Colonel Bradford und sein »Schangri-La« schließlich auch aus meiner Erinnerung. Dann, als ich eines Abends in meine Wohnung zurückkam, fand ich einen Brief in der Handschrift des Colonels. Ich öffnete ihn schnell und las eine Nachricht, die anscheinend in freudiger Erregung geschrieben worden war. Der Colonel teilte mir mit, dass er trotz frustrierender Verzögerungen und Rückschläge glaube, jetzt unmittelbar vor der Entdeckung der »Quelle« zu stehen. Er gab keinen Absender an, doch ich war erleichtert, wenigstens zu wissen, dass er noch am Leben war. Viele Monate sollten vergehen, bevor ich wieder etwas von ihm hörte. Als endlich ein zweiter Brief eintraf, zitterten meine Hände, als ich ihn öffnete. Im ersten Moment konnte ich seinen Inhalt nicht glauben. Die Neuigkeiten waren besser, als ich auch nur hätte hoffen können. Der Colonel hatte die »Quelle der Jugend« nicht nur gefunden, sondern wollte sie sogar von seiner Reise mit zurückbringen und irgendwann im Lauf der nächsten zwei Monate bei mir eintreffen. Vier Jahre war es jetzt her, seit ich meinen alten Freund zuletzt gesehen hatte. Und ich begann mich zu fragen, wie er sich in dieser Zeitspanne wohl verändert haben könnte. Hatte diese »Quelle der Jugend« ihn befähigt, die Uhr des fortschreitenden Alters anzuhalten? Würde er so aussehen wie damals, als ich ihn zum letzten Mal sah, oder würde er nur ein Jahr älter erscheinen anstatt vier? Schließlich kam die Gelegenheit, diese Fragen zu beantworten. Als ich eines Abends allein zu Hause war, klingelte überraschend das Haustelefon. Als ich abnahm, meldete der Portier: »Ein Colonel Bradford ist hier, um Sie zu Besuchen.« Eine Welle der Erregung überkam mich, als ich sagte: »Schicken Sie ihn gleich herauf.« Kurz danach klingelte es, und ich riss die Türe auf. Aber zu meiner Enttäuschung sah ich vor mir nicht Colonel Bradford sondern einen fremden, viel jüngeren Mann. Meine Überraschung bemerkend, sagte der Mann: »Haben Sie mich denn nicht erwartet?« »Ich dachte, es wäre jemand anders«, antwortete ich ein bisschen verwirrt. »Ich dachte, ich würde mit mehr Begeisterung empfangen werden«, sagte der Besucher mit freundlicher Stimme. »Schauen Sie mein Gesicht genau an. MUSS ich mich wirklich vorstellen?« Meine Verwirrung verwandelte sich zunächst in Verblüffung und dann in ungläubiges Staunen, als ich die Gestalt vor mir anstarrte. Langsam stellte ich fest, dass ihre Züge tatsächlich denen von Colonel Bradford ähnelten. Aber dieser Mann sah aus, wie der Colonel Vorjahren ausgesehen haben mochte - in seinem besten Alter. Anstelle eines gebeugten, blässlichen alten Mannes mit einem Stock sah ich eine große, aufrechte Gestalt. Sein Gesicht strahlte Gesundheit aus, und er hatte dichtes, dunkles Haar mit kaum einer Spur von Grau. »Ich bin es wirklich«, sagte der Colonel, »und wenn Sie mich nicht hineinbitten, muss ich annehmen, dass Sie sich schlechte Manieren zugelegt haben.« In freudiger Erleichterung umarmte ich den Colonel, und unfähig, meine Aufregung im Zaum zu halten, führte ich ihn unter einem Schwall von Fragen herein. »Warten Sie, warten Sie«, protestierte er gutmütig. »Kommen Sie erst wieder zu Atem, und dann erzähle ich Ihnen alles, was passiert ist.« Und das tat er.