Ein himmlisches Wiedersehen mit Verstorbenen ist in der Gegenwartsliteratur höchst selten ein Thema. In Alboms Roman aber strukturiert dieses Thema den gesamten Handlungsverlauf. Das Titelwort >Himmel< scheint mir allerdings missverständlich. Der Autor will ja nicht das eigentliche Jenseits beschreiben, sondern eher eine Art >Vorhimmel<, in welchem dem Romanhelden Eddie fünf längst verstorbene Menschen begegnen, die in seiner Vergangenheit eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Bei Begräbnissen hatte Eddie gehört, der Himmel sei ein Treffpunkt mit der Familie, dem Ehepartner, den wichtigsten Freunden. Nun aber stellt sich heraus: Neben vertrauten Personen begegnet Eddie auch Randfiguren aus seiner Lebensgeschichte, die er vergessen oder nie richtig wahrgenommen hatte. Von diesen Himmelsbewohnern wird er durch verschiedene Abschnitte seines irdischen Lebens geführt. Rätselhafte Geschehnisse und verborgene Zusammenhänge werden jetzt aufgeklärt.
In Eddies Leben gab es verhängnisvolle Ereignisse, die sein Gemüt verdunkelten. Geradezu traumatisch war Eddies Vaterbeziehung. Doch Eddie kommt zu der Einsicht: Ohne Vergebung, auch für den Vater, kann sich der Himmel nicht öffnen. Wie ist dieses Buch zu verstehen? Es liegt nahe, die >Jenseits<-Schilderungen in Alboms Roman als - poetisch ausgeschmückte - >Nahtoderlebnisse< zu interpretieren: als Visionen im Sterbeprozess, noch vor Eintritt des eigentlichen Todes. Darüber hinaus liegt dem Roman eine Vorstellung vom Sichwiedersehen im Himmel zugrunde, die ich für interessant und bemerkenswert halte.
Eddie befindet sich in einem Zustand, den die traditionelle katholische Theologie als >Fegefeuer<, als Purgatorium (>Reinigung<) bezeichnen würde. Die Verletzungen, die Eddie zugefügt wurden und die er anderen zugefügt hat, werden im Tode verklärt. Er darf erfahren: Sein Leben war, trotz vieler Brüche, wertvoll und gut. So kommt er schließlich in den Himmel, in die Ewigkeit Gottes. Jede Wunde, jede böse Erinnerung ist jetzt für immer geheilt. Er kommt zu Gott und zu seiner Ehefrau Marguerite: »Er streckte die Hand nach ihr aus und sah sie lächeln, und die Stimmen [vieler Menschen] flossen zusammen zu einem einzigen Wort von Gott: Zuhause.«
Mich erfreut dieses Finale und mich erfreut die ganze Erzählung.