Ich beziehe mich hier vergleichend auf beide Bücher des Autors "Von Wölfen lernen" und: "Die Führungsstrategien des Alphawolfes".
Mein erster Blick ging bei diesen beiden Büchern ins Literaturverzeichnis. Na prima. Da ist ja einer, der hat Bloch und Radinger gelesen, sollte also, was das Verhalten von wilden Wölfen angeht, auf aktuellem Stand sein. Ist er auch größtenteils. Aber dann kommen mir wieder Zweifel, wenn ich Sätze lese wie: "Der Alpha frisst als erster und mehr als die anderen" oder "Die Alphawöfin hat einen Alleinanspruch auf Mutterschaft." Dass dies so nicht stimmt, wissen wir inzwischen und steht auch in den zitierten Büchern. Also doch nicht so gut aufgepasst, Herr Voss!
In Band 1 wird immer wieder Farley Mowat und die Erkenntnisse aus seinem Buch "Ein Sommer mit Wölfen" aus 2005 (so die Literaturangabe) zitiert. Doch gerade dieses Buch sollte man nicht als Nachweis von Wolfsverhalten heranziehen. Unter "Wolfsleuten" weiß man, dass dieses so oft zitierte Buch schon im Jahre 1983 geschrieben wurde und zwar als Roman, nicht als wissenschaftliche Untersuchung. Mowat selber hat in späteren Interviews betont, dass das Buch mehr als Fiktion denn als Fakt geschrieben war. Und der bekannte amerikanische Wolfsbiologe Dave Mech hat in seinem Buch "Der Wolf" selbst dazu Stellung genommen und gesagt, dass "Ein Sommer mit Wölfen / Never Cry Wolf" ein gutes Gegenstück zu "Rotkäppchen" ist. So schildert Mowat zum Beispeil in seinem Buch, wie sich die Wölfe von Mäusen ernähren. Wir wissen jedoch, dass ein Rudel Wölfe in der Arktis nicht von Mäusen überleben kann. Aber trotz aller Kritik ist Mowats Buch ein wunderschönes Buch und hat definitiv geholfen, das Bild vom "bösen Wolf" zu zerstören. Bedauerlich nur, dass der Autor neben vielen aktuellen und korrekten Informationsquellen leider immer wieder ein vermeintlich aktuelles, aber tatsächlich fast 25 Jahre altes, und was Wolfsverhalten angeht veraltetes, Buch zur Untermauerung seiner Thesen heranzieht.
Ein weiterer Fehler scheint ihm bei der Lektüre der englischen Fachliteratur unterlaufen zu sein. In den beiden Voss-Büchern töten die Wölfe überwiegend Moschusochsen und "Elche". Da die Hauptnahrung der Wölfe in nördlichen Gebieten in Wirklichkeit aber überwiegend aus Hirschen besteht, kann ich nur davon ausgehen, dass dem Autor hier bei der Recherche eine leider sehr oft vorkommende Verwechslung unterlaufen ist: Denn der englische "Elk" ist nicht gleich "Elch", sondern "Hirsch" (Ein "Elch" ist ein "Moose").
Dennoch will ich nicht strenger sein als der Papst und ein Management-Buch nicht mit wissenschaftlichen Maßstäben messen. Der Autor weist in seinen Büchern darauf hin, dass seine Wolfskenntnisse ( "jahrelangen Wolfsbeobachtungen") auf Gehegebeobachten und auf der Auswertung von Literatur über frei lebende Wölfe basieren. Er hat keine Verhaltensbeobachtungen an wild lebenden Wölfen gemacht, was von einem Manager der ein Buch für Manager schreibt, auch nicht erwartet wird. Wünschenswert wäre aber gewesen, die Bücher von einem Wolfsexperten gegenlesen zu lassen. So hätten einige Fehler vermieden werden können.
Trotz aller Kritik halte ich die Bücher (besonders das 2. Buch) für interessant und lesenswert, bieten sie doch einmal eine gänzlich andere Sichtweise auf das Verhalten der "zweibeinigen Wölfe" im Management.