1.) Ich wollte diesen Roman unbedingt erwerben und lesen. Da ich den hohen(?) Preis der gebundenen Ausgabe nicht bezahlen wollte, wartete ich Jahr auf Jahr; und dann war sie da. Tonnenschwer und unhandlich. Da lag dieses Werk erst einmal, Eindruck erheischend und Abstand schaffend. Aber einmal angefangen, ließ es mich nie mehr los, auch heute nicht. Ich werde diesen Roman wieder lesen und wieder; denn: es gibt noch vieles zu verstehen, was ich im ersten Lesen nur überlesen habe.
2.) Dies ist ein Buch für Denk-Süchtige, für Intellektuelle, für Genießer der Sprache und der Logik, aber auch für Lust-Leser von Randwelt-Romanen. Thema der Geschichte ist die absichtliche, unabsichtliche oder gewollte Verfälschung ,auch wenn sie nicht immer gelingt. Es geht um Lügen, vermeintliche Wahrheiten, aber vor allem um die Menschen, die darin verstrickt sind, seien es Literaten (?!), Drucker, Pfaffen (`Zeihung), Pastoren(!?), Erben, Maler, Künstler, Mütter und Väter; die Aufzählung ließe sich fortsetzen.
Aus dem Erzähl-Faden wird ein Geäst und schließlich ein Geflecht, aus dem man vermeint, nicht mehr entrinnen zu können, bis einen der Faden wieder begegnet und vieles neu erklärt. Auf jeder Seite Überraschungen, Wiederbegegnungen und Widerlegungen, manches Mal auch Wiederholungen, wenn sie nötig sind.
3.) Nur eine Warnung: die direkte Rede ohne Anführungszeichen ist anfänglich gewöhnungsbedürftig. Sie läßt aber auch Platz für überraschende Wendungen und seien es auch nur Selbst-Täuschungen.
GROSSES FAZIT: Und an dieser Stelle sei dann auch gesagt, daß GADDIS mir, als Leser durch diese Täuschungen den Platz läßt, den Roman selbst zu erschaffen, denn der Deutung vieler Passagen ist Tür und Tor geöffnet. Und so, finde ich, MUSS ein Roman sein. "Die Fälschung der Welt" läßt mich als Leser zum Erschaffer einer herrlich vertrackten, lebendigen und vitalen Welt werden.