Ein bisschen brav beschreibt der Autor die zum Teil wirklich verrückten "Einfälle" der Evolution schon, doch ab und an blitzt kräftiger, um nicht zu sagen: deftiger Humor durch, etwa, wenn schwächere männliche Tintenfische sich als Weibchen tarnen, sich auf diese Weise von Macho-Männchen unbeachtet an echte Weibchen heranmachen und dann als "Tuntenfische" bezeichnet werden. Es sind natürlich die Parallelen zum menschlichen Erfahrungshorizont, die eigenwillige Blüten tierischer Sexualität interessant machen, und der Autor wird auf diesem Feld bestens fündig! So ein Tintenfisch ist eben auch nur ein Mensch, würde Loriot sagen.
Die Begeisterung des Autors für sein Sujet überträgt sich während der Lektüre auf den Leser. Rein wissenschaftlich geht es nicht zu, sonst würde man nicht mit den Breitfuß-Beutelmäusen fühlen, die einmal in ihrem Leben einige Tage lang eine bemerkenswerte Sex-Orgie feiern, sich währenddessen vermutlich fortpflanzen und kurz darauf erschöpft sterben. Mit Befremden nimmt man auch die extrem matriarchalische Struktur von Hyänenclans zur Kenntnis; die Weibchen haben tatsächlich eine Art Penis, dessen Vor- und Nachteile für Menschenfrauen zu diskutieren wären.
Doch es geht noch wesentlich verrückter zu, etwa, wenn bestimmte männliche Käfer mit anderen Männchen derselben Art kopulieren und über einen solchen Umweg ihre Gene an Weibchen und somit an die nächste Generation weitergeben.
In der Mitte des Bandes veranschaulicht ein farbiger Bilderblock etliche der genannten verblüffenden Maßnahmen der Evolution. Kraken, Blattläuse, Anglerfische, Kolibris, Hyänen und andere ganz von ihnen verschiedene Tiere geben sich hier ein verblüffendes Stelldichein.
Kurz, es macht Spaß, dieses Buch zu lesen, das sich in der Mitte zwischen fachgerechter Information und Unterhaltung geschickt angesiedelt hat. Der oben bereits erwähnte Loriot wusste es: "So ein Pferd ist auch nur ein Mensch."