Gerald Hüther ist für mich ein Pionier. Er erklärt mir mein Gehirn auf neue Weise. Und bestätigt mir damit meine Lebenserfahrungen. In diesem Buch wittmet er sich dem Gefühl der Bindungsliebe. Ich stimme nicht mit allen seinen Schlußfolgerungen und Überlegungen überein. Was Gesellschaften zum Erblühen bringt oder zum Sterben, erklärt mir Jared Diamond in seinen Büchern "Arm und reich" und "Kollaps". Ich denke, dass die Mechanismen, die zum Entstehen von Kulturen führt, außerhalb von Sozialverhalten und Bindung passieren. Die verschiedenen Lebensformen, ob als Normade oder seßhaft im Dorf, in der Stadt, beeinflussen das Ausleben von Liebe, passen sich den Möglichkeiten der Lebensformen an, nicht umgekehrt. Das ist jedenfalls meine Vermutung. Nach meinem Kenntnisstand wurde das noch nie untersucht. So bliebt auch meine Vermutung genau das, eine Annahme.
Gerald Hüther geht den neuen Weg, ein Gefühl, DAS Gefühl der Zugehörigkeit, die Bindungsliebe, in sein wissenschaftliches Weltbild einzubetten. Er zeigt, das wir diese Liebe brauchen, dass wir unsere Gefühle im Zusammenhang mit anderen Menschen, ob den eigenen Verwandten, zu größeren Gruppen, Freundeskreis, Arbeitskollegen oder Freizeitpartner, brauchen, dass diese Gefühle eine wichtige Funktion haben. Ohne liebevolle Zuwendung stirbt ein Kind. Versuche mit Menschen Kindern in den 20. Jahren des letzten Jahrhunderts zeigten, dass Kinder seelischen Beistand, die Verbindung und das seelische Umsorgtsein von Menschen brauchen, sonst sterben sie. Satt und sauber reicht nicht.
Ich denke, dass wir uns aktuell in einem der größten Menschenversuchen befinden, derer die Menschheit je ausgesetzt war. Fernsehn und Internet Unterhaltung greift viel tiefer in unsere Gefühlswelten ein, als es uns klar ist. Und bewirkt nach meiner Beobachtung nach ein kleiner werden oder deckeln z.B. dieser Bindungsgefühle. Denn den archarischen Bindungen zur Familie ist jeder Mensch angehaftet, nur scheint es heute oft so, als wären sie schwächer als früher. Das täuscht meiner Beobachtung nach.
Was heute ganz oft fehlt, ist das offene Ausleben und damit öftere Konzentrieren und durch stetige Wiederholen Stärken dieser Bindungsgefühle oder ihres Ersatzes in Form von Verbundenheitsgefühlen zu Freunden. In diese Lücke springen grade neue Konzepte für ein erfüllteres Leben. Immer mehr Menschen entdecken für sich, ohne Gefühle wird und bleibt ein Leben leer.
Gerald Hüther macht mit seinen Büchern Mut, sich wieder mehr genau diesen Gefühlen zu wittmen.