Es war der 27. September 1994, der die letzte Fahrt, der 1980 in Papenburg gebauten Fähre Estonia" und der Todestag von mindestens 852 Menschen sein sollte. Ein 155 Meter langer Koloss einfach von der Ostsee verschluckt - bis heute sind die Ursachen für die schwerste Schiffskatastrophe der europäischen Nachkriegszeit nicht eindeutig bzw. umstritten.
Die Journalistin Jutta Rabe versucht mit diesem Buch, das eine klare kontroverse Linie aufweist, die wahren Hintergründe dieser Tragödie an die Oberfläche zu befördern.
Warum fielen mehreren Menschen auffällige LKW auf, die auf das Unglücksschiff fuhren und dabei vom Militär bewacht wurden? Welche Gründe treiben die Anrainerstaaten an, ein Tauchverbot am Unglücksort zu verhängen, ja das Wrack auf dem Meeresgrund nach dem Unglück mit Geröll einzudecken, später vielleicht sogar der Totenruhe wegen mit Beton einzuhüllen? Wieso wir trotz geringer Wassertiefe keine Leiche geborgen? Bis heute werden wichtige Beweismittel unter Verschluss gehalten.
Raabe legt neue Zeugenaussagen, mitreißende Funk-Protokolle zu Hilfe eilender Schiffe an das Licht. Unterlegt Expeditionen mit Fotos und berichtet über Sabotageaktionen im Zuge ihrer Recherchen, was ohne Zweifel eine recht eindeutige Sichtweise erzeugt.
Am Ende der Lektüre liegt ein unglaublicher Verdacht in der Luft, der Geheimdienste, alte Verbindungen des Kalten Krieges mit Spionage und Waffenhandel inklusive, zu einem Puzzle des hundertfachen Massenmordes zusammensetzten lässt.
Raabes Sicht der Dinge ist bei diesen Erläuterungen klar und eindeutig. Ihre Enthüllungen mögen noch so schlüssig, die Beweislage noch so eindeutig sein - die Autorin lässt nicht den Hauch einer offiziellen Theorie zu, was bei allem guten Willen Skepsis erzeugen lässt.
Neben dieser schwarz/weißen Sichtweise lassen in der Buchmitte platzierte Bilder des bei der Veröffentlichung parallel laufenden und trotz aller Hintergründe, auf Unterhaltung gepolten Filmes "Baltic Strom", dieses Buch in eine merkwürdige Richtung laufen.