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frederic moreau ist ein französischer jedermann. henry james hat beklagt, der protagonist sei zu "mittelmässig" und unsensibel, als dass er geeignet sei, die romanhandlung zu tragen. aber eben diese durchschnittliche empfindsamkeit und intelligenz darzustellen, war flauberts absicht. moreau ist nicht "the captain of his soul", sondern ein blatt im wind der zeit. er ist revolutionär, wenn es alle sind, und konservativ, wenn alle es geworden sind; mal liebt er romantisch, dann wie ein bohemien, und dann wie ein social climber - wie es gerade kommt. und am ende ist ihm nichts gelungen, er hat sein leben verfehlt, weil ... ja, warum eigentlich?
die enorme kunstfertigkeit, mit der flaubert dreissig jahre französische geschichte in allen ihren facetten am leser vorüberziehen lässt, sucht ihresgleichen. im deutschen roman des 19. jahrhunderts sucht man ähnliches vergebens.
dies gesagt, mache ich nun doch eine einschränkung.
flaubert lässt eine frage unbeantwortet, und ich bin nicht sicher, ob ich seiner antwort zustimmen würde, wenn er sie uns mitgeteilt hätte. wenn denn moreau sein leben verfehlt, was macht dann ein "richtiges" leben aus?
Es gibt in dem roman - und das unterscheidet ihn von den anderen oben genannten - sehr hässliche andeutungen der wahren meinung des autors. sollte flaubert, der von nietzsche so gehasste flaubert, anhänger einer quasi-nietzscheanischen übermenschen-ideologie sein?
man möchte es nicht glauben. und dennoch. in einer sehr hässlichen passsage des romans - man könnte sie auch widerwärtig nennen - schildert flaubert den tod des illegtimen sohnes von frederic moreau, den dieser mit einer kurtisane hatte. die junge frau äussert nun - enige stunden nach dem tod des säuglings - den wunsch, den leichnam ausstopfen zu lassen. frederic rät ab, und man einigt sich darauf, das tote kind malen zu lassen. die ganze szene ist abstossend. wie seltsam, dass sie so selten kommentiert wird! oder liegt dies daran, dass sie ein hässliches licht auf den autoren wirft, der seine gestalten so sehr verachtet, dass er sie selbst im moment der trauer mit einem hämischen lachen der verachtung bedenkt?
die "erziehung des gefühls" ist ein grosses werk, trotz seiner hässlichen flecken, grösser jedenfalls als jeder deutsche roman des 19. jahrhunderts. und doch mangelt es diesem werk an, sagen wir mit aller vorsicht: humanität.
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