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Die Erzählungen Gebundene Ausgabe – April 2005


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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 992 Seiten
  • Verlag: Fischer S. Verlag Gmbh; Auflage: Dünndruck-Ausgabe. (April 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100485149
  • ISBN-13: 978-3100485144
  • Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 5,3 x 20,1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 38.620 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Bis heute gilt er vielen als der Inbegriff der deutschen Literatur: Thomas Mann (1875-1955), der Literaturnobelpreisträger von 1929. Diese höchste Auszeichnung erhielt er für seinen ersten Roman "Die Buddenbrooks", ein Jahrhundertwerk, das als Schlüsselroman seiner Zeit gilt. Kurz nach diesem Triumph begann für Thomas Mann die Zeit des Exils, zunächst in der Schweiz, unterbrochen von Reisen in die USA, wo ihm 1938 die Ehrendoktorwürde der Columbia University, New York, verliehen wurde. 1941 siedelte er nach Kalifornien über, drei Jahre später wurde er amerikanischer Staatsbürger. 1952 kehrte Thomas Mann in die Schweiz zurück, wo er 1955 starb. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Der Tod in Venedig", "Der Zauberberg" und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Thomas Mann, geboren am 6. Juni 1875 in Lübeck, entstammte einer Kaufmannsfamilie. Seit 1893 wohnte er in München und war seit 1894 freier Schriftsteller. 1929 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. 1933 verließ er Deutschland und lebte zuerst in der Schweiz am Zürichsee, dann in den Vereinigten Staaten, wo er 1939 eine Professur in Princeton annahm. Später hatte er seinen Wohnsitz in Kalifornien, danach wieder in der Schweiz. Er starb in Kilchberg bei Zürich am 12. August 1955.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Wille zum Glück
Der alte Hofmann hatte sein Geld als Plantagenbesitzer in Südamerika verdient. Er hatte dort eine Eingeborene aus gutem Hause geheiratet und war bald darauf mit ihr nach Norddeutschland, seiner Heimat, gezogen. Sie lebten in meiner Vaterstadt, wo auch seine übrige Familie zu Hause war. Paolo wurde hier geboren.
Die Eltern habe ich übrigens nicht näher gekannt. Jedenfalls war Paolo das Ebenbild seiner Mutter. Als ich ihn zum ersten Male sah, das heißt, als unsere Väter uns zum ersten Male zur Schule brachten, war er ein mageres Bürschchen mit gelblicher Gesichtsfarbe. Ich sehe ihn noch. Er trug sein schwarzes Haar damals in langen Locken, die wirr auf den Kragen seines Matrosenanzuges niederfielen und sein schmales Gesichtchen umrahmten.
Da wir es beide zu Hause sehr gut gehabt hatten, so waren wir mit der neuen Umgebung, der kahlen Schulstube und besonders mit dem rotbärtigen, schäbigen Menschen, der uns durchaus das ABC lehren wollte, nichts weniger als einverstanden. Ich hielt meinen Vater, als er sich entfernen wollte, weinend am Rocke fest, während Paolo sich gänzlich passiv verhielt. Er lehnte regungslos an der Wand, kniff die schmalen Lippen zusammen und blickte aus großen, tränenerfüllten Augen auf die übrige hoffnungsvolle Jugend, die sich gegenseitig in die Seiten stieß und gefühllos grinste.
In dieser Weise von Larven umgeben, fühlten wir uns von vornherein zu einander hingezogen und waren froh, als der rotbärtige Pädagoge uns nebeneinander sitzen ließ. Wir hielten uns fortan zusammen, legten gemeinschaftlich den Grund zu unserer Bildung und trieben täglich Tauschhandel mit unserem Butterbrot.
Er war übrigens schon damals kränklich, wie ich mich erinnere. Er mußte dann und wann längere Zeit die Schule versäumen, und wenn er wiederkam, so zeigten seine Schläfen und Wangen noch deutlicher als gewöhnlich das blaßblaue Geäder, das man gerade bei zarten brünetten Menschen häufig bemerken kann. Er hat das immer behalten. Es war das erste, was mir hier bei unserem Wiedersehen in München auffiel und auch nachher in Rom.
Unsere Kameradschaft dauerte während all der Schuljahre ungefähr aus demselben Grunde fort, aus welchem sie entstanden. Es war das "Pathos der Distanz" dem größten Teile unserer Mitschüler gegenüber, das jeder kennt, der mit fünfzehn Jahren heimlich Heine liest und in Tertia das Urteil über Welt und Menschen entschlossen fällt.
Wir hatten - ich glaube, wir waren sechzehn Jahre alt - auch zusammen Tanzstunde und erlebten infolge dessen gemeinsam unsere erste Liebe.
Das kleine Mädchen, das es ihm angetan, ein blondes, fröhliches Geschöpf, verehrte er mit einer schwermütigen Glut, die für sein Alter bemerkenswert war und mir manchmal direkt unheimlich erschien.
Ich erinnere mich besonders einer Tanzgesellschaft. Das Mädchen brachte einem anderen kurz nacheinander zwei Cotillonorden und ihm keinen. Ich beobachtete ihn mit Angst. Er stand neben mir an die Wand gelehnt, starrte regungslos auf seine Lackschuhe und sank plötzlich ohnmächtig zusammen. Man brachte ihn nach Hause, und er lag acht Tage krank. Es erwies sich damals - ich glaube, bei dieser Gelegenheit - daß sein Herz nicht das gesündeste sei.
Schon vor dieser Zeit hatte er begonnen zu zeichnen, wobei er starkes Talent entwickelte. Ich bewahre ein Blatt, das die mit Kohlenstift hingeworfenen Züge jenes Mädchens recht ähnlich zur Schau trägt, nebst der Unterschrift: "Du bist wie eine Blume! - Paolo Hofmann fecit."
Ich weiß nicht genau, wann es war, aber wir waren schon in den höheren Klassen, als seine Eltern die Stadt verließen, um sich in Karlsruhe niederzulassen, wo der alte Hofmann Verbindungen hatte. Paolo sollte die Schule nicht wechseln und ward zu einem alten Professor in Pension gegeben.
Indessen blieb die Lage auch so nicht lange. Vielleicht war das folgende nicht gerade die Veranlassung dazu, daß Paolo eines Tages den Eltern nach Karlsruhe nachfolgte, aber jedenfalls trug es dazu bei.
In einer Religionsstunde nämlich schritt plötzlich der betreffende Oberlehrer mit einem lähmenden Blick auf ihn zu und zog unter dem Alten Testament, das vor Paolo lag, ein Blatt hervor, auf welchem eine bis auf den linken Fuß vollendete, sehr weibliche Gestalt sich ohne jedes Schamgefühl den Blicken darbot.
Also Paolo ging nach Karlsruhe, und dann und wann wechselten wir Postkarten, ein Verkehr, der nach und nach gänzlich einschlief.
Nach unserer Trennung waren ungefähr fünf Jahre vergangen, als ich ihn in München wieder traf. Ich ging an einem schönen Frühlingsvormittag die Amalienstraße hinunter und sah jemanden die Freitreppe der Akademie herabsteigen, der von weitem beinahe den Eindruck eines italienischen Modells machte. Als ich näher kam, war er es wahrhaftig.
Mittelgroß, schmal, den Hut auf dem dichten schwarzen Haar zurückgesetzt, mit gelblichem, von blauen Äderchen durchzogenem Teint, elegant, aber nachlässig gekleidet, - an der Weste waren zum Beispiel ein paar Knöpfe nicht geschlossen - den kurzen Schnurrbart leicht aufgewirbelt, so kam er mit seinem wiegenden, indolenten Schritt auf mich zu.
Wir erkannten uns ungefähr gleichzeitig, und die Begrüßung war sehr herzlich. Er schien mir, während wir uns vorm Cafe Minerva wechselseitig über den Verlauf der letzten Jahre ausfragten, in gehobener, beinahe exaltierter Stimmung zu sein. Seine Augen leuchteten, und seine Bewegungen waren groß und weit. Dabei sah er schlecht aus, wirklich krank. Ich habe jetzt freilich leicht reden; aber es fiel mir tatsächlich auf, und ich sagte es ihm sogar geradezu.
"So, noch immer?" fragte er. "Ja, ich glaube es wohl. Ich bin viel krank gewesen. Noch im letzten Jahre lange sogar schwer krank. Es sitzt hier."
Er deutete mit der linken Hand auf seine Brust. (...)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 7. Mai 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Zu Thomas Manns Erzählungen -- und in diesem einen Band sind sie alle enthalten! -- muss nichts gesagt werden.
Würden Sie alle diese Werke einzeln kaufen, müstten Sie selbst bei Taschenbuchausgaben ein Vielfaches ausgeben.
Es handelt sich hier um ein stabiles gebundenes Buch mit einem transparenten Kunststoffschutzumschlag.
Gedruckt ist auf sehr hochwertigem Papier. Klares Schriftbild.
Wer Mann lesen will, kann bei dieser schönen (übrigens limitieten) Ausgabe nichts falsch machen.
Also: Zugreifen!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von R.W. am 17. April 2006
Format: Gebundene Ausgabe
Die Erzählungen Manns sind etwas vom Grandiosesten, dessen man in der deutschen Literatur fündig wird (ich sage bewusst "etwas"). Sprachgewalt und tiefste Kenntnis vom menschlichen, bzw. künstlerischen Schicksal, geben sich hier gegenseitig die Hand und zeichnen (vor allem die Jugenderzählungen) ein teilweise bedrückendes Bild des Konflikts von Künstler und Gesellschaft. Dieser Band ist ein Muss für jeden Freund von Thomas Manns Prosa, da man hier des novellistischen Früh- bis Spätwerks auf knapp 1000 Seiten habhaft wird. Der Preis ist auch nicht zu beanstanden, jedoch sollte man sich vor dem Kauf trotzdem darüber im Klaren sein, dass hier keine "Lektüre für Augenblicke", sondern Literatur der höchsten Gattung vorliegt. Als Einführung in Thomas Manns Wirken und Schaffen ist dieser Band allerdings sicherlich geeignet.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von kpoac TOP 1000 REZENSENT am 22. Juni 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Thomas Mann, ein großer Name in der deutschen Literatur. Über ihn und sein Werk ist alles gesagt. Zu diesem Buch: Seine schönsten Erzählungen auf ca. 1000 Seiten, manche sind filmisch gekrönt. Der Nobelpreisträger, 1955 gestorben erfährt seine erneute posthume Ehrung zum 50igsten Todestag mit diesem Buch, mit diesen Erzählungen, die ihn uns neu ins Gedächtnis rufen. Tod in Venedig, Herr und Hund, Tonio Kröger, um nur diese von den 33 Erzählungen zu nennen, sind zu einem einmaligen Preis für jedermann erschwinglich. Alles in einer wunderbaren und aufwendig gebundenen limitierten Ausgabe mit Leseband. Für Thomas Mann Leser und Kenner ein Muss, für die, die ihn gerne kennenlernen wollen, ein lohnender Einstieg.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von kpoac TOP 1000 REZENSENT am 22. August 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Eine Sendung des "Literarischen Quartetts" wurde ihm gewidmet, zum 50igsten Todestag eine besondere Ehre. Besprochen wurden seine Romane, aber auch die Erzählungen. Wunderbare Dialoge, gerade wegen der unterschiedlichen Arten der Erzählungen, geschrieben zu unterschiedlichen Zeiten und letztendlich ein ferner Dialog mit anderen Schriftstellen. Dieser Band der 33 Erzählungen umfasst unter anderem "Tonio Kröger". Eine Novelle, 1903 erschienen im Band Tristan. Mann sagt selbst, dieses Stück "steht meinem Herzen am nächsten". Sein 'literarisches Lieblingskind' ist eine Jugendgeschichte um Tonio Kröger, leicht verletzlich, in sich versponnen und den blondhaarigen, starken Hans Hansen. Unterschiedliche Menschen, die nicht nur des Namens wegen, sondern auch wegen ihrer Ausstrahlung unterschiedlich wirken, erzeugen ein seismographisches Erzählen Thomas Manns mit intendierten autobiographischen Zügen. MRR sagt dazu, dass dieses Stück der Anfang sei, der Anfang einer Erzahl- und Romanliteratur eines grossartigen Künstlers, eben Thomas Mann. Ohne Tonio Kröger keine Buddenbrooks.
Dass dieser Band eine Wonne ist, wurde schon beschrieben. Das Thomas Mann sein Ziel, ein Mann für die Ewigkeit zu werden, analog Shakespeare, Homer, Goethe etc mit seinem Werken erreicht hat, ist unbestritten. Trotz einiger Kritik wegen nicht klar zu interpretierenden Aussagen in höherem Alter bleibt er DER größte deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts.
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Von DerGermanist am 10. Juli 2014
Format: Gebundene Ausgabe
Auch hier kann ich nur mein Kompliment an den S. Fischer-Verlag richten. Eine sehr gute Qualität zum kleinen Preis macht jeden Studenten der Deutschen Philologie und Liebhaber der "hohen Literatur" glücklich. Der Zauberer beweist vor allem in seinen Erzählungen wieso er zu den bedeutendsten Autoren aller Zeiten gehört.
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Auch wenn Thomas Mann für seine Romane bekannt ist, so gehören seine Novellen und Kurzgeschichten doch zu den Besten in der deutschen Sprache. Sie sind sehr viel leichter zu lesen wie die Romane, lassen aber an Anspruch und Finesse nichts vermissen. Sehr empfehlenswert!
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Die klassischen Erzählungen von Thomas Mann kennt man ja und liebt sie auch. Aber man finbdet in diesem Band eben auch die frühen, oft sehr bösen Texte von Mann, die literarische Perlen sind und zugleich im positiven Sinn wie ein spitzer Stein im Schuh irritieren.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Sandra Wiebe am 7. September 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Sollten Sie zu den Personen gehören, die gezwungen waren in der Schule Thomas Mann lesen zu müssen und deswegen bisher kein Buch von ihm mehr angerührt haben, dann ist dieses Buch genau das Richtige um sich wieder an diesen hervorragenden Autor heranzuwagen, denn irgendetwas muss ja dran sein an den Lobgesängen....die Geschichten sind auch nicht zu lang, so dass man ggfs. mit den Kürzeren anfangen kann....
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