Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kleine große Meisterwerke..., 21. März 2008
... sind diese Erzählungen des großen Altösterreichers Joseph Roth ("der katholischste Jude und der jüdischste Katholik", so ein Freund über ihn), die der Kiepenheuer&Witsch-Verlag nun in einer wohlfeilen (und schönen) Ausgabe vorlegt.
Die Palette reicht von der frühen Erzählung "Der Vorzugsschüler" (1916) über diverse undatierte Texte bis zu den großen Erzählungen aus den 30er Jahren ("Stationschef Fallmerayer" - 1933; "Die Büste des Kaisers" - 1935; "Die Legende vom heiligen Trinker" -1939 und "Der Leviathan" - 1940).
Die Themenbreite ist einerseits riesig; andererseits ist - gerade in den umfangreicheren Werken - die Welt der untergegangenen k.u.k.-Monarchie (und hier in erster Linie der Osten) besonders präsent.
Es sind Meisterwerke (sprachlich wie inhaltlich), die dem Leser eine Welt zeigen, die es in dieser Form nicht mehr gibt, da sie - die jüdische Welt des Ostens - von den Nazis brutal zerstört wurde.
Ein Tipp: Sollten Sie, verehrter Leser, einmal in die Westukraine kommen, besuchen Sie das Städtchen Brody (ist der Geburtsort von Joseph Roth und gehörte bis 1918 zur k.u.k.-Monarchie; knapp hinter der Stadt war damals die Grenze zu Russland). Am Gymnasium von Brody legte der Autor seine Matura (= Abitur) "Sub auspiciis majestatis" mit Auszeichnung ab. In eben dieser Schule gibt es einen kleinen Joseph-Roth-Gedenkraum. Erste lebende Fremdsprache an der Schule ist Deutsch!
Heftigste Leseempfehlung!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichten voller Sehnsucht und Melancholie, 26. Mai 2009
Kurgeschichten gehören zu den schwierigsten Literaturgattungen. Alles muss passen, der Plot, die Sprache, die Psychologie der Personen - fast immer geht es schief. Manchmal aber ist eine Kurzgeschichte aber auch wie eine Erleuchtung, die kompakt und klar ein Thema unvergesslich konturiert. Wie selten.
Vielleicht gehören nicht alle Kurzgeschichten des vorliegenden Bandes in die zweite Kategorie - aber doch die Mehrzahl, und das ist schon eine ganze Menge. Immer sind es Geschichten, die um zwei Themen kreisen; dem Untergang der altkakanischen Welt vor und während des ersten Weltkrieges und innerhalb dieses Rahmens: die Liebe. Sehnsucht und Melancholie treiben die Menschen ihrem Schicksal entgegen, und am Ende sind sie fast alle tot- die kleine Fini, der Lehrer Anton Wanzl, der heilige Trinker, Oberst Morstin oder der jüdische Korallenhändler Nissen Pizcenik. Der einzige, der nicht stirbt, Stationschef Fallmerayer, verschwindet immerhin auf Nimmerwiedersehen, was auf das gleiche herauskommt.
Aber bevor sie sterben oder verschwinden breiten sie vor den Augen des Lesers ihr ganzes Leben auf und führen ihn durch eine untergegangene dörfliche Welt, in der Jude und Pole, ein Ukrainer und ein Deutscher einen Wimpernschlag der Weltgeschichte lang im Reiche des gütigen Kaisers Franz Joseph friedlich zusammenlebten- bis der Wahn des Nationalismus von den Menschen Besitz ergriff und sie einander für immer entfremdete. So jedenfalls erzählt es die Geschichte "Die Büste des Kaisers", in der der polnische Adlige Franz Xaver Morstin noch lange nach dem Ende des Großen Krieges die Büste Franz Josephs I unter reger Anteilnahme der dörflichen Gemeinschaft für immer vergräbt. Anton Wanzl, der spießige Schullehrer, ist der Typ der neuen Zeit, ein unsympathischer Gernegroß, für den sich Roth so wenig erwärmen kann, dass darunter sogar die Geschichte leidet. Denn das Herz des Autors gehört den Geschlagenen und den Verzweifelten, der kleinen Fini, die in "Der blinde Spiegel" ihr Leben lang darbt und leidet, bis sie für einen kurzen Augenblick Erfüllung in einer sinnlosen Liebe findet. Triumph der Schönheit" ist eine Philippika gegen die schöne aber dumme Frau", der es mit allen Tricks gelingt, ihren Mann zugrunde zu richten. Manchmal sind es auch nur Obsessionen, die die Protagonisten ergreifen. Stationschef Fallmerayer folgt in Gestalt der schönen ukrainischen Gräfin seinem Geschick, und der Korallenhändler Nissen Pizcenik gibt keine Ruhe, bis er auf dem Grund des Meeres, der Heimat seiner Korallen, zugrunde geht.
Den Zauber dieser Erzählungen können diese Hinweise natürlich nicht beschwören, er entsteht durch die poetische und zugleich ungemein gehaltvolle Sprache, mit der Joseph Roth seine Geschichten mit einer Magie umgibt, in der das Bitterste, das erzählt wird, noch etwas Tröstliches besitzt. Denn eine Welt, in der so wunderbar über das Vergängliche erzählt wird - muss die nicht doch ewig sein? Das war mein Gefühl am Ende der Lektüre.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Herausragende österreichisch-ungarische Erzählkunst, 12. Juli 2009
In diesem Band sind sämtliche Erzählungen Joseph Roths zusammengestellt und ermöglichen dem Leser einen breit gefächerten Überblick durch das Erzählwerk eines der "größten Schriftsteller, den Österreich je hervorgebracht hat." (Andre Heller). Minutiös, teils liebevoll, teils mit realistischer Härte schildert Roth v.a. Lebensgeschichten und -schicksale von einfachen Menschen. Solchen die an der Geschichte scheitern und solche die daran wachsen. Ein historischer Abriss ohne Kitsch, aber mit viel Liebe zum Detail und ziselierender Sprachkunst.
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