Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Die Erzählungen der Chassidim
OA 1946 DE 1949Form Legendensammlung Epoche Moderne
Die Sammlung chassidischer Legenden gewährt einen Einblick in Leben und Denken des osteuropäischen Judentums.
Entstehung: Ab 1904 beschäftigte sich Martin Buber intensiv mit chassidischen Quellenschriften. Als erster Ertrag erschienen 1906 die Nacherzählungen der Geschichten des Rabbi Nachman und 1908 Die Legende des Baalschem. Beide Sammlungen bildeten die Basis für Bubers fortdauernde Auseinandersetzung mit dem Chassidismus. Sie wurden allerdings aufgrund der zu freien Bearbeitung des Quellenmaterials nicht in die späteren Erzählungen aufgenommen. Nach Änderung der Bearbeitungsmethode und weiteren Studien veröffentlichte Buber 1921 Der große Maggid und seine Nachfolge sowie 1924 Das verborgene Licht. Beide Sammlungen sind neben weiteren erst in Jerusalem entstandenen Legenden in Die Erzählungen der Chassidim eingegangen.
Inhalt: Die Legenden erzählen vom Leben und Wirken der großen Zaddikim (Gerechten), den geistigen Führern der osteuropäischen chassidischen Gemeinden. Eröffnet wird die Sammlung mit Berichten über den Begründer des Chassidismus Israel Ben Elieser, dem Baal Schem Tow. Der Zyklus umfasst Berichte über das Elternhaus, die ersten Anhänger, über Israel ben Elesiers göttliche Berufung sowie Weisheit und Wirken des großen Zaddiks. Dem Zyklus schließen sich weitere Erzählungen über seine bedeutendsten Nachfolger und deren Schulen an. Im Mittelpunkt der Legenden steht die lebensbejahende Religiosität der Chassidim, die durch einfaches, aber fröhliches Leben, durch Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn Gott ihre Demut und Verehrung darbringen.
Aufbau: Die Sammlung überliefert Leben und Wirken der ersten sechs Generationen der chassidischen Bewegung. In kleinen Episoden werden Wundergeschichten, Lebensweisheiten und Begebenheiten wiedergegeben, die einen Einblick in die chassidische Glaubens- und Lebensweise gewähren. Geschichten über den Baal Schem Tow nehmen den größten Raum ein.
Wirkung: Auch wenn Buber kontinuierlich die allzu freie und zu persönliche Auslegung der chassidischen Legenden vorgeworfen wurde, ist ihre Wirkung ungebrochen geblieben. Die Erzählungen der Chassidim gehören bis heute zu den Standardwerken über das osteuropäische Judentum. K. R. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Die Erzählungen der Chassidim
OA 1946 DE 1949Form Legendensammlung Epoche Moderne
Die Sammlung chassidischer Legenden gewährt einen Einblick in Leben und Denken des osteuropäischen Judentums.
Entstehung: Ab 1904 beschäftigte sich Martin Buber intensiv mit chassidischen Quellenschriften. Als erster Ertrag erschienen 1906 die Nacherzählungen der Geschichten des Rabbi Nachman und 1908 Die Legende des Baalschem. Beide Sammlungen bildeten die Basis für Bubers fortdauernde Auseinandersetzung mit dem Chassidismus. Sie wurden allerdings aufgrund der zu freien Bearbeitung des Quellenmaterials nicht in die späteren Erzählungen aufgenommen. Nach Änderung der Bearbeitungsmethode und weiteren Studien veröffentlichte Buber 1921 Der große Maggid und seine Nachfolge sowie 1924 Das verborgene Licht. Beide Sammlungen sind neben weiteren erst in Jerusalem entstandenen Legenden in Die Erzählungen der Chassidim eingegangen.
Inhalt: Die Legenden erzählen vom Leben und Wirken der großen Zaddikim (Gerechten), den geistigen Führern der osteuropäischen chassidischen Gemeinden. Eröffnet wird die Sammlung mit Berichten über den Begründer des Chassidismus Israel Ben Elieser, dem Baal Schem Tow. Der Zyklus umfasst Berichte über das Elternhaus, die ersten Anhänger, über Israel ben Elesiers göttliche Berufung sowie Weisheit und Wirken des großen Zaddiks. Dem Zyklus schließen sich weitere Erzählungen über seine bedeutendsten Nachfolger und deren Schulen an. Im Mittelpunkt der Legenden steht die lebensbejahende Religiosität der Chassidim, die durch einfaches, aber fröhliches Leben, durch Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn Gott ihre Demut und Verehrung darbringen.
Aufbau: Die Sammlung überliefert Leben und Wirken der ersten sechs Generationen der chassidischen Bewegung. In kleinen Episoden werden Wundergeschichten, Lebensweisheiten und Begebenheiten wiedergegeben, die einen Einblick in die chassidische Glaubens- und Lebensweise gewähren. Geschichten über den Baal Schem Tow nehmen den größten Raum ein.
Wirkung: Auch wenn Buber kontinuierlich die allzu freie und zu persönliche Auslegung der chassidischen Legenden vorgeworfen wurde, ist ihre Wirkung ungebrochen geblieben. Die Erzählungen der Chassidim gehören bis heute zu den Standardwerken über das osteuropäische Judentum. K. R. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
«Scheinbar war es ja ein weiter Weg von den zerstreuten anekdotischen Legenden jener Epoche des Ostjudentums bis zu diesem Buch der Weltliteratur, aber wo ein Licht brennt, gehen seine Strahlen nicht verloren, und wenn die Geschichten der alten Chinesen vom Leben und den Gesprächen ihrer Weisen zweitausend Jahre auf ihren Eintritt ins Pantheon der Völker warten konnten, ohne dass von ihrer Kraft etwas verlorenging, so waren die zwei Jahrhunderte vom Aufblühen des Chassidismus bis zu dieser klassischen Sammlung eine kleine Zeit.» (Hermann Hesse )
Kurzbeschreibung
In Martin Bubers «Erzählungen der Chassidim» tritt uns in verschwenderischer Fülle eine Welt gelebter Weisheit und existentieller Religiosität entgegen. Ihrer Eigenart und Intensität wird sich kein Leser entziehen können.
Die machtvolle religiöse Bewegung im osteuropäischen Judentum, die im 18. Jahrhundert ihren Ausgang nahm und unter dem Namen Chassidismus bekannt geworden ist, hat in einer fast unübersehbaren Fülle von legendären Erzählungen ihren Niederschlag gefunden. Diese teils mündlich, teils schriftlich niedergelegte Überlieferung blieb lange Zeit eine ungefüge Masse sozusagen ungeformten Materials, ohne Anspruch auf literarische Gültigkeit. Es ist das Verdienst Martin Bubers, die chassidischen Legenden nicht nur gesammelt, sondern auch sprachlich geformt und philosophisch durchleuchtet zu haben.
Die Arbeit an diesem seinem eigentlichen Lebenswerk begann, als «Die Geschichten des Rabbi Nachman» (1906) und «Die Legende des Baalschem» (1907) erschienen. Ihnen reihten sich an «Der große Maggid und seine Nachfolge» (1921), «Das verborgene Licht» (1924) und der Sammelband «Die chassidischen Bücher» (1928). Die letzteren Bände sind fast gänzlich in die vorliegende Sammlung übernommen worden, deren größerer Teil jedoch erst seit 1938, dem Jahr der Übersiedlung des Verfassers nach Jerusalem, entstanden ist. In diesem Buch ist die Ernte einer Lebensarbeit eingebracht.
Die machtvolle religiöse Bewegung im osteuropäischen Judentum, die im 18. Jahrhundert ihren Ausgang nahm und unter dem Namen Chassidismus bekannt geworden ist, hat in einer fast unübersehbaren Fülle von legendären Erzählungen ihren Niederschlag gefunden. Diese teils mündlich, teils schriftlich niedergelegte Überlieferung blieb lange Zeit eine ungefüge Masse sozusagen ungeformten Materials, ohne Anspruch auf literarische Gültigkeit. Es ist das Verdienst Martin Bubers, die chassidischen Legenden nicht nur gesammelt, sondern auch sprachlich geformt und philosophisch durchleuchtet zu haben.
Die Arbeit an diesem seinem eigentlichen Lebenswerk begann, als «Die Geschichten des Rabbi Nachman» (1906) und «Die Legende des Baalschem» (1907) erschienen. Ihnen reihten sich an «Der große Maggid und seine Nachfolge» (1921), «Das verborgene Licht» (1924) und der Sammelband «Die chassidischen Bücher» (1928). Die letzteren Bände sind fast gänzlich in die vorliegende Sammlung übernommen worden, deren größerer Teil jedoch erst seit 1938, dem Jahr der Übersiedlung des Verfassers nach Jerusalem, entstanden ist. In diesem Buch ist die Ernte einer Lebensarbeit eingebracht.
Über den Autor
Martin Buber (1878-1965), Religionsforscher, Religionsphilosoph und Schriftsteller, gehört zu den führenden Persönlichkeiten des Judentums im 20. Jahrhundert und des jüdisch-christlichen Dialogs.
Geboren in Wien, aufgewachsen in Lemberg, studierte er Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie in Wien, Berlin, Leipzig und Zürich. 1924-1933 war er Professor für Allgemeine Religionswissenschaft in Frankfurt a.M. Buber, der sich früh dem Zionismus angeschlossen hatte, wanderte 1938 nach Palästina aus und lehrte an der Hebräischen Universität von Jerusalem Sozialphilosophie. Nach dem 2. Weltkrieg war er einer der wenigen ehemals deutschen Juden, die in der Öffentlichkeit wieder eine Brücke zu Deutschland zu schlagen versuchten.
Geboren in Wien, aufgewachsen in Lemberg, studierte er Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie in Wien, Berlin, Leipzig und Zürich. 1924-1933 war er Professor für Allgemeine Religionswissenschaft in Frankfurt a.M. Buber, der sich früh dem Zionismus angeschlossen hatte, wanderte 1938 nach Palästina aus und lehrte an der Hebräischen Universität von Jerusalem Sozialphilosophie. Nach dem 2. Weltkrieg war er einer der wenigen ehemals deutschen Juden, die in der Öffentlichkeit wieder eine Brücke zu Deutschland zu schlagen versuchten.
Auszug
Am Baum der Erkenntnis
Es heißt, die Seele des Baalschemtow sei einst, als alle Seelen in der Adams versammelt waren, in der Stunde, da er am Baum der Erkenntnis stand, geflohen und habe nicht von der Frucht des Baums gegessen. Die sechzig Helden
Es heißt, die Seele des Israel ben Elieser habe sich geweigert, in diese niedre Welt hinabzufahren; denn sie scheute sich vor den Brandschlangen, die in jedem Geschlecht einherzüngeln, und fürchtete, sie könnten ihr den Mut schwächen und sie zunichte machen. Da gab man ihr sechzig Helden mit, den sechzig gleich, die das Lager des Königs Salomo umstanden gegen den Schrecken in den Nächten - sechzig Seelen von Zaddikim, sie zu hüten. Das sind die Schüler des Baalschem.