Dem Titel des Buches nach "Die Erwählte des Palastes; Tadsch Mahal - Aus der Glanzzeit des Islam" und nach Betrachten des Covers könnte man erwarten, eine Erzählung vor sich zu haben, die sich wahlweise mit dem Bauwerk selber, der Frau, zu deren Ehren es errichtet wurde, oder mit der politisch-islamischen Situation Indiens zur damaligen Zeit befasst. Aber nichts davon ist tatsächlich konsequent der Fall.
Denn im Wesentlichen ist das chronologisch aufgebaute Buch eine Mischung aus historischen Detailbeschreibungen, manchmal langwierigen Erklärungen der Familienbande der Herrscherfamilie und einer Einordnung der Entscheidungen und Begebenheiten am Hofe in das regionale, politische Geschehen.
So werden beispielsweise ausführlich, teilweise über mehrere Absätze, Geschenke und Ausstattungen bei Festlichkeiten aufgezählt. Dies erleichtert nicht immer den Lesefluss.
In weiten Teilen wurde die Erzählform gewählt, was den Leser gut in die Geschehnisse eintauchen lässt und das Lesen der manchmal etwas ausufernden Beschreibungen erträglicher macht.
Eine sehr gelungene Abrundung des Buches ist der insgesamt 15-seitige Anhang.
Darin findet sich neben einem umfangreichen Zitatnachweis,' der zum Teil auch als Quellennachweis dient, ein Verzeichnis der Sekundärliteratur sowie ein sehr kurzer Verweis auf Belletristik zum Thema.
Anschließend findet man einen Glossar, der im Wesentlichen die Begriffe und Fremdworte aufzählt, die allerdings bereits bei der Erstverwendungen kurz erläutert werden.
Desweiteren schließt sich auf fünf Seiten eine Zeittafel in Tabellenform an, die neben den Geschehnissen des indischen Subkontinents von 2500 v. Chr. bis 1995 n. Chr. auch die Eckpunkte der (überwiegend europäischen) Geschichte sowie die der indischen Nachbarreiche darstellt.
Abgeschlossen wird der Band mit einer Stammtafel der Großmoguln von Babur bis Aurangseb, einer Grundrisszeichnung des Tadsch Mahal sowie einem gut sortierten Register.
Zu empfehlen ist das Buch meiner Meinung nach eher für Leser, die sich auf keinen Aspekt des Titels, also weder die Frau 'Mumtaz Mahal' noch das Bauwerk 'Tadsch Mahal' noch die Bedeutung des Islam in Indien zu dieser Zeit festlegen wollen, sondern die auch mit einer Querbeet-Darstellung, gemischt aus der indischen regionalen Historie und der Romantik des Hoflebens, zufrieden sind.