Diese um zwei aktuelle Kapitel (Bundestagswahl 2002 und Kanzlerkandidatur 2005) erweiterte Biographie "Das Mädchen und die Macht" von Evelyn Roll von 2001 schafft es in brillianter Weise ein interessantes, jedoch Distanz wahrendes Porträt von Angela Merkel zu schaffen und aufzuzeigen, wie sie es geschafft hat, von der zu DDR-Zeiten in Berlin-Adlershof vor sich hin forschenden Physikern zur Kanzlerkandidatin des vereinigten Deutschlands zu werden.
Ein besonderer Verdienst dieses Buches ist, dass es nicht nur die Karriere von Angela Merkel beschreibt, sondern gleichzeitig die Nachwendezeit als Teil der Zeitgeschichte sehr lebendig darstellt. Man erfährt auch über andere Politiker einige interessante Anekdoten. Frau Roll schreibt zudem sehr unterhaltsam und sogar spannend, so dass dieses Buch ein echter Lesegenuß ist. Das Buch biedert sich auch nicht Frau Merkel an, sondern wahrt Distanz und zeigt auch Widersprüchlichkeiten sowie mögliche Kritikpunkte auf, daher wirkt es auch sehr glaubwürdig. Man muß also nicht (potenzieller) CDU-Wähler sein, gut finden zu können.
Frau Merkels naturwissenschaftliche Herangehensweise an Probleme sowie das Thema, dass sie schon oft davon profitiert hat, dass sie immer unterschätzt wird, ziehen sich wie ein Leitgedanke durch das Buch.
Bemerkenswert fand ich, dass die Autorin, die in der Version von 2001 die These vertrat, dass Frau Merkel, egal wie sich die K-Frage 2002 entscheidet als Verliererin daraus hervorgehen würde, dieses Kapitel nicht umgeschrieben hat, sondern einfach in einem neuen Kapitel im Nachhinein erläutert hat, wie es Frau Merkel doch noch geschafft hat, ihre scheinbare aussichtslose Position in einen persönlichen Erfolg zu verwandeln. Hier kann jeder für seinen persönlichen Umgang mit Problemen und Krisen noch etwas mitnehmen.