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Die Eroberung der Natur: Eine Geschichte der deutschen Landschaft
 
 
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Die Eroberung der Natur: Eine Geschichte der deutschen Landschaft [Taschenbuch]

David Blackbourn , Udo Rennert
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Eine fulminante, historisch weit ausholende und gleichzeitig methodisch tief schürfende, eine äusserst unterhaltsame, mit rund 600 Seiten fast kurz wirkende Studie darüber, wie die deutsche Landschaft aus politischen und ökonomischen Szenarien heraus entstanden ist und auf unsere Seelenlandschaft zurückweist.... was Blackbourns Buch so überaus lesenswert macht, so vergnüglich, sind jenseits der Methodenvielfalt die Virtuosität des Stils, die gut platzierten Anekdoten, die ironischen Abfederungen, die lakonischen Gesten.... eine atemlose Lektüre." (Die Zeit )

"Brillant ... Ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung." (Ian Kershaw )

"Das Buch ist glänzend geschrieben und reich an informativen Details." (Ute Frevert, NZZ )

Kurzbeschreibung

David Blackbourn schildert die Geburt des modernen Deutschland aus dem Geist der Natureroberung. In den letzten 250 Jahren wurde gravierend in die Umwelt eingegriffen. Man rodete Wälder, begradigte Flüsse, legte Moore trocken und baute Staudämme, um die Naturgewalten zu zähmen und dem Menschen dienstbar zu machen. Die Umgestaltung der deutschen Landschaft ging einher mit der Mythisierung von Natur und Nation.

Die deutsche Landschaft wurde seit dem 18. Jahrhundert grundlegend und planvoll umgestaltet. David Blackbourn erzählt, wie die Deutschen sich aufmachten zu einem Feldzug gegen ihre Umwelt und wie sie Tier- und Pflanzenwelt, Flüsse und Marschland Schritt für Schritt bezwangen: Von Friedrich dem Großen, der die Trockenlegung von Sumpfland als »Eroberungen von der Barbarei« betrachtete, über den »Bezähmer« des Rheins Johann Gottfried Tulla und den Dammbauer Otto Intze bis zu den Nationalsozialisten, die im Osten »Lebensraum« zu erobern suchten. Landgewinnung und »Rassenpolitik« gingen hier Hand in Hand.

Blackbourn beschreibt das Werden der deutschen Landschaft und erklärt gleichzeitig, wie sich Deutschland zu einem modernen Staat entwickelte. Er eröffnet dem Leser einen einzigartigen Blickwinkel, der hilft, die deutsche Geschichte besser zu begreifen. Dabei rührt er aber auch an Probleme, die heute aktueller sind als je: den Klimawandel und das Aussterben von immer mehr Tier- und Pflanzenarten.

• Deutschland aus natur- und kulturhistorischer Perspektive – ein etwas anderer Blick auf die deutsche Geschichte
• David Blackbourn ist einer der besten Kenner der deutschen Geschichte

Klappentext

"Eine fulminante, tief schürfende, äußerst unterhaltsame Studie darüber, wie die deutsche Landschaft aus politischen und ökonomischen Szenarien heraus entstanden ist und auf unsere Seelenlandschaft zurückweist... eine atemlose Lektüre."
Die Zeit

"Ein lesenswertes Buch für jeden, der sich für Naturschutz oder die deutsche Geschichte interessiert."
Süddeutsche Zeitung

"Eine fulminante, historisch weit ausholende und gleichzeitig methodisch tief schürfende, eine äusserst unterhaltsame, mit rund 600 Seiten fast kurz wirkende Studie darüber, wie die deutsche Landschaft aus politischen und ökonomischen Szenarien heraus entstanden ist und auf unsere Seelenlandschaft zurückweist.... was Blackbourns Buch so überaus lesenswert macht, so vergnüglich, sind jenseits der Methodenvielfalt die Virtuosität des Stils, die gut platzierten Anekdoten, die ironischen Abfederungen, die lakonischen Gesten.... eine atemlose Lektüre."
Die Zeit

Über den Autor

David Blackbourn, geboren 1949, ist Professor und Direktor des Center for European Studies an der Universität Harvard. Er ist einer der führenden Historiker, die sich mit der Entstehung des modernen Deutschland beschäftigen. Sein zusammen mit Geoff Eley veröffentlichtes Buch "Mythen deutscher Geschichtsschreibung" entfachte eine Debatte um den deutschen "Sonderweg".

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Natur und Landschaft in der deutschen Geschichte
Als deutsche Soldaten im August 1914 in den Krieg zogen, versprach ihnen Kaiser Wilhelm II., sie würden noch vor dem Fallen der Herbstblätter siegreich zurückkehren. 1915 mussten die deutschen Soldaten und Zivilisten erkennen, dass Deutschland nicht in der Lage sein würde, dem Feind so leicht seinen Willen aufzuzwingen. In diesem Jahr veröffentlichte der Schriftsteller Wilhelm Bölsche ein Buch mit dem Titel Die deutsche Landschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Bölsche war im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts ein prominenter Sozialreformer, Popularisierer Darwins und Gründungsmitglied der deutschen Gartenstadtbewegung, die für ausgedehnte Grünflächen in den expandierenden Großstädten Deutschlands eintrat. Das Buch war sein Beitrag zu den Kriegsanstrengungen, nur einer von zahlreichen Versuchen, im Namen der nationalen Sache etwas Gutes für die Natur zu tun. Ein Vorwort brachte das Anliegen auf den Punkt. Verfasst wurde es von Franz Goerke, einem Mitstreiter auf dem Gebiet der Sozialreformen, der ein Interesse an allgemeinverständlicher wissenschaftlicher Bildung mit einer Leidenschaft für »grüne« Anliegen wie den Naturschutz verband. »Diese deutsche Landschaft«, schrieb Goerke, sei »in dieser Zeit des Ringens und des Kämpfens das Höchste, was wir zu verteidigen haben«.1 Hier gab es einen Aufruf zu einem Opfer, das Millionen Deutschen vertraut war, die in den Kriegen des 20. Jahrhunderts an der Front kämpften. Die Landschaft, zu deren Verteidigung sie aufgefordert wurden, war der »große grüne Garten Deutschland«, eine Heimat, deren Wiesen, Wälder und sich windende Ströme die Wiege des deutschen Charakters und Geistes waren.2 Welche umstürzenden Ereignisse der Krieg auch bringen würde, die natürliche Landschaft - wie das Volk, das von ihr ernährt wurde - war immer da, beruhigend unveränderlich.
Nur dass sie tatsächlich alles andere als unveränderlich war. Ein Deutscher, der aus dem Jahr 1915 oder 1940 in das Jahr 1750 zurückversetzt worden wäre, hätte zu seiner Verblüffung festgestellt, wie anders die »natürliche« Landschaft aussah - weitaus weniger Flächen waren kultiviert, ein weit größerer Teil war von Sand, Gestrüpp und vor allem von Wasser bedeckt. Der Besucher aus dem 20. Jahrhundert hätte nicht weit zu reisen gehabt, bis er auf Tümpel, Teiche und Seen gestoßen wäre, die seit langem trockengelegt und vergessen waren. Ein völliger Verlust der Orientierung hätte dem modernen Reisenden in dem niedrigen Sumpf- und Marschland gedroht, das im 18. Jahrhundert einen Großteil der Norddeutschen Tiefebene bedeckte. Es hatte schon seinen Grund, warum diese Tiefebene von gebildeten Zeitgenossen mit den Feuchtgebieten der Neuen Welt oder gar Amazonien verglichen wurde. Schwarzbraun und morastig, durchzogen von sich schlängelnden Gräben, halb verborgen von darüber hängenden Kletterpflanzen und nur mit flachen Kähnen befahrbar, hätten diese Lebensräume von Stechmücken, Fröschen, Fischen, Wildschweinen und Wölfen nicht nur ein völlig anderes Bild abgegeben als die offene Landschaft von Windmühlen und sorgfältig bearbeiteten Feldern, wie sie vor allem den Norddeutschen des beginnenden 20. Jahrhunderts vertraut waren, von ihnen wären auch ganz andere Geräusche und Gerüche ausgegangen. Der moderne Reisende in einem deutschen Flusstal hätte zweifellos dasselbe Gefühl, in eine verlorene Welt versetzt worden zu sein. Auch der Fluss selbst sah um 1750 völlig anders aus, und sein Verlauf war ein anderer. Im Gegensatz zu den vertrauten Wasserstraßen von heute, deren Wasser aufgrund von Baumaßnahmen schnell in einer einzigen Fahrrinne zwischen Uferdämmen dahinströmt, mäandrierten die Flüsse des 18. Jahrhunderts in ihrem Überschwemmungsgebiet oder nahmen ihren Weg durch Hunderte von kleinen Kanälen, die durch Sand- und Kiesbänke und Inseln voneinander getrennt waren. Ihre Geschwindigkeit richtete sich nach der Jahreszeit und nicht nach den Erfordernissen einer ganzjährigen Schifffahrt. Und auf beiden Seiten zogen sich kilometerlange Auenwälder hin, die noch keinen Ackerflächen oder Industrieanlagen gewichen waren. So sah der Rhein im 18. Jahrhundert aus, der Fluss, in dem Goethe noch Lachse angelte und Hunderte von Goldgräbern Gold aus dem Flusssand wuschen. Der Rhein wurde in den 150 Jahren danach das höchste Symbol deutscher Identität, doch es war ein neuer und anderer Fluss, in dem Lachse oder das Rheingold keinen Platz mehr hatten.
Es war das deutsche Tiefland um 1750, das den Augen eines Deutschen im 20. Jahrhundert weitgehend unbekannt vorgekommen wäre. Die deutschen Mittelgebirge sollten sich weniger stark verändern, doch immer noch so sehr, dass es unseren Zeitreisenden verstört hätte. Stellen wir uns etwa einen Menschen des 20. Jahrhunderts vor, der in Ostfriesland oder in einer der vielen Regionen Bayerns aufgewachsen ist, die früher einmal reines Sumpfland waren. Große Hochmoorflächen, die sich im Verlauf von Jahrhunderten gebildet hatten, waren um 1750 noch weitgehend unberührt, waren noch nicht von Straßen und Kanälen durchzogen oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Nur an ganz wenigen Orten hatte man begonnen, Torf zu stechen und auf diese Weise das Erscheinungsbild von Regionen zu verändern, die stets furchteinflößend gewirkt hatten. Erst als diese Moore zu verschwinden begannen, lernten die Deutschen - manche Deutsche -, in ihnen etwas »Romantisches« zu sehen. Wenn unser Reisender sich zu den Mittelgebirgen der Eifel oder des Sauerlands, des Harzes oder des Erzgebirges begäbe, er hätte eine Aussicht, die sich so seit langem nicht mehr bietet: Hunderte von Tälern, die später unter Stauseen verschwinden sollten. Damals waren die Felder und Dörfer dieser Täler noch nicht im Wasser untergegangen, so wenig wie die sumpfigen Hochmoore von Feldern und Dörfern bedeckt waren. Die deutsche Landschaft war alles, nur nicht unveränderlich.
Dieses Buch erzählt, wie Deutsche ihre Landschaft in den letzten 250 Jahren umgestaltet haben, indem sie Sümpfe und Moore trockenlegten und urbar machten, Flussläufe begradigten und Staudämme in Hochtälern errichteten. Keine dieser Maßnahmen war etwas völlig Neues. Schon im hohen Mittelalter hatten Zisterziensermönche Sümpfe entwässert, und der erste erfolgreiche Durchstich zur Beseitigung einer Schleife des Rheins erfolgte 1391. Es gab sogar schon mehrere Hundert Jahre früher bestimmte Arten von Staudämmen in den deutschen Mittelgebirgen, um Energie für das Auspumpen von Bergwerksschächten zu gewinnen - die Nutzung von Wasser zum Pumpen von Wasser. Neuartig waren nach 1750 jedoch das Ausmaß und die Auswirkungen von Wasserbauten. Sie veränderten das Bild der Landschaft ebenso tiefgreifend wie die bekannten und offensichtlichen Symbole der Neuzeit: der Fabrikschornstein, die Eisenbahn und die Großstadt. Warum wurden diese Projekte in Angriff genommen, wer entschied darüber und welche Folgen hatten sie? Das sind die Fragen, die mich beschäftigt haben. Ich habe diesem Buch den Titel Die Eroberung der Natur gegeben, weil die Menschen von damals ihre Tätigkeit selbst so bezeichnet haben. Der Ton ver- änderte sich im Lauf der Zeit, vom sonnigen Optimismus der Aufklärung des 18. Jahrhunderts über den unerschütterlichen Glauben an Wissenschaft und Fortschritt des 19. Jahrhunderts bis zu den technokratischen Gewißheiten, die für einen Großteil des 20. Jahrhunderts charakteristisch waren. (Die utopischen Behauptungen bezüglich der Stromerzeugung durch Wasserkraft, die um das Jahr 1900 vernehmbar waren - eine saubere und moderne Quelle der Energie, die von Männern in weißen Kitteln erzeugt wird -, erinnern unweigerlich an die Begeisterung, mit der sechzig Jahre später die Kernenergie begrüßt wurde.) Nicht geändert hat sich dagegen die grundlegende Idee, dass die Natur dem Menschen ein Feind sei, den man fesseln, zähmen, unterwerfen und erobern müsse oder was dergleichen Tätigkeitswörter mehr waren.
»Wir sollten lernen, Kriege gegen die...
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