Dieses Buch entstand auf Leserwunsch, so beginnt Hans-Ulrich Grimm sein Vorwort. Es sei gewissermaßen die Quintessenz aus all seinen bisherigen Büchern.
Er deckt in diesem A-Z Lexikon die unterschiedlichsten Themen ab. Inhaltsstoffe unserer Nahrung werden erklärt, nicht nur Bekanntes wie Zusatzstoffe (E-Nummern) oder Glutamat, auch neue Entwicklungen, wie zum Beispiel die Designerstoffe oder das Erdgasschnitzel, werden thematisiert. Krankheiten (Botulismus, Depressionen, Diabetes & Co.), Fertignahrung, Functional Food, Massentierhaltung, Säuglingsnahrung, Tierfutter und vieles mehr. Das Spektrum ist breit. Natürlich scheut Hans-Ulrich Grimm nicht davor zurück, auch bekannte Produkte und Hersteller beim Namen zu nennen, und so findet man hier beispielsweise Beiträge zu Cola und Nestlé.
Besonders wichtig finde ich es, wenn Themen angesprochen werden, die sonst nur selten kritisch betrachtet werden. Probiotisch angereicherte Milchprodukte wurden sogar von den Herren Béliveau und Gingras in ihrem
Anti-Krebs-Kochbuch empfohlen. Hier erfährt man, dass diese probiotisch angereicherten Produkte durchaus tödliche Folgen haben können (S. 380). Leider sind keine Quellenhinweise angegeben. Persönlich kenne ich nur eine niederländische Studie aus dem Jahre 2008, die eingestellt werden musste wegen der hohen Mortalitätsrate. Die angeblich förderliche Wirkung der Probiotika hatte sich ins Gegenteil gewandelt. Davon hört man natürlich nichts in der Werbung. Umso wichtiger ist es, dass es Autoren gibt, die den angeblichen Nutzen von diesen oder jenen modernen Produkten kritisch unter die Lupe nehmen.
Genüsslich - so mein Eindruck - breitet Hans-Ullrich Grimm an manchen Stellen seine Informationen vor dem Leser aus. Zum Thema Raucharomen die Reaktion der Herstellerfirma: Die Raucharomen 'können nicht gänzlich unbedenklich sein', da sie ja Mikroorganismen abtöten sollen, ganz wie echter Rauch. Echter Rauch sei auch nicht gesund, daher sei der industriell erzeugte Rauchgeschmack eher noch gesünder (S. 391). Ah ja! Der arme, nichtsahnende Verbraucher.
Daneben werden auch positive Dinge benannt, zum Beispiel die Produkte von Demeter, dem ältesten Bio-Label.
Abgerundet wird das Buch durch ein Verzeichnis der E-Nummern.
Der Schreibstil ist einfach verständlich. Fachbegriffe werden erklärt. Die Darstellung ist transparent und übersichtlich, sachlich und themenbezogen.
Sehr gut gefallen hat mir seine Methode Querverweise durch Fettdruck und einen Pfeil hervorzuheben. Dass dabei hin und wieder dieselben Textbausteine wiederkehren, hat mich nicht weiter gestört. Im Gegenteil es ist eine effiziente Methode um Inhalte kurz und präzise an unterschiedlichen Stellen wieder zu geben.
Verbesserungsfähig: Ausführlichere Quellenangaben. Dies schmälert den Gesamteindruck jedoch nicht.
Mein Fazit: Ein wichtiges Nachschlagewerk.
Empfehlenswert!
Auch sehr informativ:
Unsere Nahrung, unser Schicksal von Max Otto Bruker