Wie so oft, wenn ein Buch in der Schule gelesen werden soll, war ich auch bei "Die Ermittlung" von Peter Weiss skeptisch. Bereits der Titel klingt nicht sehr spannend, ist aber Programm:
Das gesammte Drama, dass "11 Gesängen" besteht, ist von äußerster Sachlichkeit geprägt. "Die Ermittlung" thematisiert die organisierte Vernichtung von Menschen in den KZs der Nazis und deren Aufarbeitung.
Handlungsort ist eine Gerichtsverhandlung, bei der nur die Kommentare der Beteiligten (Angeklagte, Zeugen, Richter, Staatsanwaltschaft, Verteidigung) wiedergegeben werden. So kommt eine unglaubliche Objektivität zustande, die dennoch durch die unvorstellbaren Fakten und Eindrücke der Überlebenden sehr bewegen. Teilweise so sehr, dass ich mich zwingen musste, weiterzulesen.
Neben der menschlichen Komponente (beispielsweise leugnen alle Angeklagten schuldig zu sein, obwohl die Beweise gegen sie schier erdrückend sind) werden auch eine Menge Informationen transportiert.
Meine anfänglichen Zweifel haben sich alle nicht bestätigt. Im Gegenteil: Ich denke, dass das Buch gelesen werden sollte (auch in Schulen), um die damalige Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ich fand es wesentlich eindringlicher als so manche Fernsehreportage.