Eigentlich erübrigt sich eine weitere Rezension der "Erlebnisgesellschaft". Als Standardwerk der Soziologie, vieler Werber und des Zielgruppenmarketings wissen viele bereits, was sie erwartet. Zudem, weil den bestehenden älteren Rezensionen nicht viel hinzuzufügen ist.
Lesen sollte man das Buch nur in Phasen gesteigerter Aufnahmefähigkeit. Wer gründlich liest, wird durch herrliche Zynismen, attributive Überhöhungen und erstaunlich realistische Zustandsbeschreibungen belohnt. Zu germanistischer Höchstform gerät Schulze im Rahmen seiner "Milieubeschreibungen". Man müsste sich wahrscheinlich gleich "mit-genieren", falls man Personen kennt, die in Häusern mit schmiedeeisenen Gittern, Plastikbalkonmöbeln und baumelnden Blumenampeln leben - nach Schulze alles schunkelnde und stampfende Tölpel einer manisch auf Gemütlichkeit getrimmten Harmoniemilieu-Szene, die sich sommers auf proletarischen Wohnwagencamps an der Adria einfindet um dort über das hiesige Preisgefüge zu lästern oder die Schmutzfänger einer roten Mercedes C-Klasse zu loben.
Für Leser die einer elaborierten Sprache mächtig sind, wird die "Erlebnisgesellschaft" garantiert zum Mega-Event. Würden alle Soziologen so gut schreiben, gäbe es in Werbung und Marketing wohl kaum mehr Kommunikationswissenschafter.