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Die Erfindung der Poesie: Gedichte aus den ersten viertausend Jahren
 
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Die Erfindung der Poesie: Gedichte aus den ersten viertausend Jahren [Gebundene Ausgabe]

Raoul Schrott
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
  • Verlag: Ab - die Andere Bibliothek; Auflage: 1 (23. Juni 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821847700
  • ISBN-13: 978-3821847702
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13,2 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 372.757 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Raoul Schrott
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es sind die scheinbar ganz einfachen Fragen nach den Anfängen, die den Autor und Übersetzer Raoul Schrott beschäftigt haben: Wer hat eigentlich das erste Gedicht geschrieben? Wann ist es entstanden? Wer schrieb den ersten Reim? Herausgekommen ist dabei ein dicker Wälzer, Die Erfindung der Poesie, eine Zeitreise ins Reich der Lyrik.

Die Suche nach den Antworten führt 35.000 Jahre vor unsere Zeitrechnung zurück. Damals sind die ältesten bekannten Zeichensysteme entwickelt worden: Kalender. Auf diese Spuren begibt sich Raoul Schrott und verfolgt die Entstehung der Schrift, von Piktogrammen auf Kieselsteinen aus der letzten Eiszeit bis zu den Hieroglyphen der Ägypter im Anfangskapitel seines Buches.

Die überraschendste Entdeckung dabei: Das erste Gedicht, das von einem namentlich bekannten Dichter überliefert ist, stammt von einer Frau. Sie heißt Enheduanna und war Prinzessin und Priesterin in der Stadt Ur. Sie schrieb im 24. Jh. v. Chr. sechs Hymnen an die Götter. Sofort wird der enge Zusammenhang zwischen Religion und Dichtung sichtbar. "Die Dichtung als eigene Gattung entstand, als sie sich von der Religion und den sie begleitenden Ausdrucksformen emanzipiert; erst vom Tanz und dann von der Musik. Dabei nahm sie jedoch deren Charakteristiken in ihre Sprache auf; der Rhythmus und die das Singen betonende Vortragsweise stammen daher." Die Hymne an die Göttin Inanna, die typographisch sehr interessant gestaltet ist, hat Raoul Schrott neu übersetzt. Dabei hat er tüchtig den Staub der Vergangenheit entfernt und sich einer kraftvollen, bildhaften Sprache bedient.

Seine Leistung bei der Übertragung alter Texte wird deutlich, wenn er sich Dichtern wie Archilochos (7. Jh. v. Chr.) oder Sappho zuwendet, die in der Vergangenheit so gesteltzt übersetzt wurden, daß ihre Lektüre von eher zweifelhaftem Genuß war. Diese Mischung aus Schwelgen in neu entdeckter Lyrik und fundierter Einführung in die Texte macht den Reiz des Buches von Raoul Schrott aus. Hinzu kommt, daß er durch seine Biographie und seine Vielsprachigkeit aus dem vollen schöpft. Er wurde 1964 auf einer Schiffsreise zwischen Brasilien und Europa geboren, wuchs in Tunis und Zürich auf, studierte Literatur- und Sprachwissenschaften und übersetzt aus dem Lateinischen, Griechischen, Gälischen, Okzitanischen, Französischen und Italienischen.

Die Erfindung der Poesie gehört zu den Büchern, mit denen der Leser nie zu einem Ende kommt, die ihn begleiten und in denen immer wieder Neues entdeckt werden kann. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Poesie und Pose

Raoul Schrotts wundersame Bücher

Von Paul Jandl

Die Ovationen waren laut genug, um die Buhrufe der Philologen zu übertönen. Raoul Schrotts Buch «Die Erfindung der Poesie» ist ein lyrisches Spektakel, das sich mit anderen Anthologien kaum vergleichen lässt. Viertausend Jahre Dichtung auf fünfhundert Seiten, ein «Elchtext» («Die Zeit»), der wankt, aber nicht kippt. Die Poesie beginnt mit den Frauen des vierundzwanzigsten vorchristlichen Jahrhunderts. Enheduanna und Illummiya ritzen ihre Verse im sumerischen Ur in Tontafeln, Jahrhunderte bevor Archilochos auf einer griechischen Insel die Musen erscheinen. Später stimmt Imru'l-Qays, der Sohn eines zentralarabischen Königs, seine Preisgesänge an, und anderswo fällt den irischen Mönchen der Blick aus dem Fenster, und sie schreiben zarte Naturgedichte an den Rand der theologischen Texte.

Raoul Schrotts Kompendium der zeitlosen Poesie ist ein Wagnis, das gelingt, weil es sich eng an seine eigentümlichen Prämissen hält. In der Poesie will Schrott das «menschlichste Zeugnis der Existenz» erkennen, einen «Augenblick humaner Totalität», der im Buch als Leuchten aus fernen Welten erscheint und letztlich doch nur hausgemacht ist. Es ist, um bei der Wahrheit zu bleiben, die zeitenüberspannende Totalität von Schrotts Welt, in der Sappho in den Döschen ihrer «Creme Royale» rührt, Catull kaum an sich halten kann vor lauter «Wichsern», «Arschfickern», «Pomadenhengsten» und Abu Nuwas (8. Jahrhundert) der Versuchung des Satans etwas Kolloquiales verleiht: «Willst du 'n Mädchen mit jungen Brüsten?»

Die Frühromantiker waren von der Idee ergriffen, es gebe eine verlorene paradiesische Ur- und Weltsprache. Raoul Schrott glaubt diese Sprache in der Poesie wiedergefunden zu haben. Das ist der Reiz seines Unternehmens, die naive Täuschung, die uns mit trickreicher Eleganz darüber beruhigt, dass es dann doch nicht so ist.

PANTHEISMUS DER POESIE

An der Gegenwartslyrik fällt dem Dichter nur noch «postmoderne Sprachklitterung» auf und ein «Verlust der Mitte». Den Pantheismus der Poesie hat seit längerem niemand mehr so nachdrücklich behauptet wie Raoul Schrott. Unter diesen Umständen verhallen auch die Einwände der Philologen in den Weiten der Jahrtausende. Schrotts Verwechslung des Philosophen Platon mit seinem älteren Dichterkollegen wirkt auf einmal ebenso lässlich wie Rafik Schamis Vorwurf banal, Schrott könne im Arabischen ein Pferd nicht von einem Kamel unterscheiden.

Im Uralt-Streit der Übersetzer hat sich Raoul Schrott dafür entschieden, die Gedichte eher zu übertragen als zu übersetzen. Auf Metrum und Reim des Originals lässt er sich kaum jemals ein. Wo er es tut, scheitern die Gedichte: «Hör auf schimpfen – sagt sie zu mir / eine tänzerin bin ich und kein fakir / mein metier ist nur das leichte pläsier». Überall sonst sind sie vielleicht besser als das Original: «Die melismen des regens / und der bass der böen im / kontrapunkt des windes / über dem dach des waldes.» So ungeniert dichten nur die irischen Mönche des 9. Jahrhunderts über den Kontrapunkt.

Raoul Schrotts Buch «Die Erfindung der Poesie» ist kein philologisches Unternehmen, sondern es ist eine stets zur Prahlerei aufgelegte Erzählung über die Philologie. Die Einführungen zu den Autoren nützen die schlechte Quellenlage, um Legenden fortzuweben. Sie zeigen Sappho inmitten einer antiken Jeunesse dorée, Catull als ewigen Stenz und Guihelm IX. als «Schürzenjäger»: so heutig können die fernen Jahrhunderte sein, wenn man nur will. Schrotts nimmermüdes Wissen bringt den Leser dabei noch in die prekäre Lage der Demut. Man erfährt, dass Abu Nuwas etwas affektiert das r gelispelt haben soll, dass die irischen Mönche den katalexischen trochäischen Tetrameter in die Literatur eingebracht haben und dass Dafydd ap Gwylim, der «Pfau von Dyfed», mit Madog Benfras, Gruffudd ab Adda und Gruffudd Gryg befreundet war.

Soviel Bildung war nie. Und Raoul Schrott wäre ein Philosoph geblieben, hätte er sich nicht auch noch auf theoretische Grundlegungen eingelassen: «Die Poesie bündelt das grösste gemeinsame Vielfache der Gedanken und ihre Zweideutigkeiten und bezieht die Sprache zurück auf primäre Wahrnehmungen», schreibt Schrott, dessen laufende Produktion identische Sätze gleich in mehreren Büchern unterbringt. Derselbe schräge Satz findet sich auch in seinen Grazer Poetikvorlesungen, die mit ihrem Titel «Fragmente einer Sprache der Dichtung» auch noch für den Untertitel von Schrotts drittem Buch sorgen. «Die Musen» ist ebenfalls letzten Herbst erschienen.

AUF VERLORENEM POSTEN

Schrott eröffnet seine Poetikvorlesungen mit einem «Pamphlet wider die modische Dichtung» und wirkt dabei wie ein Prediger auf verlorenem Posten. «Entweder leuchtet ein Gedicht schlagartig ein, oder seine Sache ist nichtig. Die Schönheit überrascht, oder sie ist keine», behauptet Raoul Schrott. Wahr oder gelogen? Wer weiss. Seine Gefühlsmetaphysik jedenfalls ist mit der physikalischen Lyrik des grossen Kontrahenten Durs Grünbein kaum vereinbar. Als «Kopffüssler im Brackwasser» dümpelt der nicht namentlich genannte Büchner-Preisträger durch Schrotts Polemik. «Hirn, Hirn und nochmals Hirn», seufzt Schrott, bevor er sich jenen Dingen widmet, die ihn womöglich mit Grünbein verbinden. Es wird über Quantenmechanik extemporiert, über Schrödingers Katze und «Über die primären Prozesse der Poesie und die Musik». Die Physik kennt die metaphorischen Redeweisen aus der Poesie, sie ist für Schrott nur das säkulare Instrument der Dichtung. Von der Prosa ganz zu schweigen: «Mit der Logik der Prosa, ihrer simplen kausalen und metonymischen Syntax, wären wir immer noch vor der Erfindung des Rades.»

Den Poetikvorlesungen fügt Raoul Schrott einen biographischen Abriss bei, der den Leser darüber aufklärt, wie der Österreicher geworden ist, was er ist. Schrotts Initiation heisst Inter-Rail. Mit sechzehn reist der Dichter durch Europa, spricht und denkt in fremden Sprachen und setzt fortan einen Ortsnamen unter jeden seiner Texte. Egal ob Cape Clear oder Innsbruck, Antananarivo oder Pontrhydfendigaid, Raoul Schrott war dort, um an einem seiner Texte zu schreiben. Das adelt den Ort und den Dichter gleich dazu. Dass Raoul Schrott ein wahrhaftiger Dichter ist, hat er mit der «Erfindung der Poesie» einmal mehr bewiesen. Als solcher kennt er sich in der Poesie ebenso aus wie in der Pose. Seit seiner Geburt – 1964, irgendwo zwischen Tunis und Tirol – ist Raoul Schrott auf grosser Fahrt. Er tingelt durch Zeiten und Kontinente, er landet mit dem grossen Roman «Finis Terrae» am Ende der Welt, nur um wieder zurückzukehren zum eigenen Ich: «Das Ich ist ein offenes Feld, wie es vor einem und hinter einem liegt. Nur die Literatur verleiht ihm eine Fassung.» – Gekauft. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Empfehlung 31. Mai 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Eine wunderbare lyrische Entdeckungsreise. Jahrtausende alte Dichter von der Sprachkraft Raoul Schrotts so belebt und in unsere Zeit geholt, dass sie unmittelbar zu uns zu sprechen scheinen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Mit seiner erstaunlichen Auswahl früher Dichtkunst erschließt R. Schrott Gedichte, die dem Leser sonst wohl schwerlich zugänglich wären. Die Übersetzungen in unser heutiges Alltagsdeutsch wirken zwar erfreulich frisch und direkt, lassen aber z.T. gerade die Poesie vermissen. Damit wird zwar der Inhalt (Themen, Bilder usw.) gut vermittelt, aber Ton und Form der Originale fehlen. Das liegt natürlich an den großen Unterschieden zwischen den Sprachen (z.B. den ganz anderen Reim-Möglichkeiten des Arabischen). Dennoch hätte man sich wenigstens den Versuch einer Nachdichtung gewünscht.
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16 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Also,ich kann nicht ganz nachvollziehen, was an Schrott bedeutsam sein soll,; von Poesie und Strahlkraft ist nicht viel zu bemerken; und die vielgerühmte Gelehrsamkeit scheint mir eher ein altes verstaubtes Provinzmodell von Gelehrtem aus dem Typus 19.Jahrhundert. Was legt Schrott vor: man gehe in alte Literaturgeschichten, mittlerweile auch schon online und nehme teilweise ausgefallene und tw bekannte Autorenprodukte zurhand und übersetze sie bzw eher schon übersetze sie, indem man schon vorhandene ÜS abwandelt. Dann braucht es nurmehr einen Verleger, der nicht viel weiß und es auflegt und ein paar geschickte Kontaktierungen bei Zeitungen. Und ein bißchen Glück plus eigenes großes Gehabe gemischt mit understatement zum richtigen Zeitpunkt. Sappho ja Sarah nein,warum ? Pedejuina (China) nein, Plato nein,ist das nicht auch Poesie mindestens? Treibt man die Marken "Lyrik" "Poesie" "Philosophie" "Roman" innerhalb deren eigener Logik an ihr stringentes Ende, dann disseminieren diese, d.h. diese Etiketten verlieren dann den Status der "Begrifflichkeit" und sind nichts als bloße "Namen" (vgl. Derrida); der Autor Schrott verliert dann seine Status als "Autor" und wird zum bloßen "Verfasser" , also so was wie ein "Sammler" ohne "eigenes" "Selbst", ein simpler "Kommentator" (vgl.Derrida, Concic,); das Feuilleton inhaftiert selber genügend Kommentatoren, die fast alle gerne einmal Autor geworden wären und sich einen verdienten "Namen" gemacht hätten. So suchen sie halt immer wieder einmal einen unter den ihren und hofieren ihn eine Weile; aus reiner Eigensucht nach Größe, was immer das ist; eine Art Selbstüberschreitungsversuch vermutlich; Schrott ist in all seinen Texten für mich kein Autor, bloß ein Kompilator und öder Kommentierer plus pubertärer sogenannter Gedichte (Spielerei mit Wüste und einsamer Cowboy sucht Liebe, findet nur Sex und Fernliebe in der Poesie , eine Art Hemingway spielt Klavier-Trip).

Susanna Marlington, Boston, USA;

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