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Die Erfindung der Nation: Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts (Campus Bibliothek)
 
 
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Die Erfindung der Nation: Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts (Campus Bibliothek) [Broschiert]

Benedict Anderson , Thomas Mergel , Benedikt Burkardt , C. Münz
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 308 Seiten
  • Verlag: Campus Verlag; Auflage: 3 (7. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3593377292
  • ISBN-13: 978-3593377292
  • Originaltitel: Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism
  • Größe und/oder Gewicht: 21,3 x 14 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 153.043 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Benedict R. O'G. Anderson
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Benedict Andersons bekanntes Buch erfreut sich ungebrochener Popularität und erscheint hier in der dritten Auflage. Nach Anderson gibt es keine Nationen, die "Nation" ist eine Erfindung, ein Modell, das nur in bestimmten historischen Konstellationen möglich war. Er löste damit Debatten aus, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Beim ersten Erscheinen der deutschen Ausgabe 1988 wurde Anderson vorgeworfen, dass seine Perspektive außereuropäisch und kulturanthropologisch sei. Heute macht gerade das den Reiz des Buches aus.

Über den Autor

Benedict Anderson ist Professor für International Studies an der Cornell University bei New York.

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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Benedict Anderson geht keinesfalls davon aus, dass die Nation eine reine Erfindung sei. Dies legt zwar die sehr freie und reißerische deutsche Übersetzung des Buchestitels nahe, das ist jedoch falsch. Denn Anderson zeigt, dass auf Grundlage einer Medien- und Kommunikationsrevolution in der Moderne neue gemeinschaftsbildende Beziehungen, die er als Nationen identifiziert, entstanden seien. Die Nation seine somit zwar eine Vorstellung, die allerdings auf einem ganz realen Wandel beruhe.

Wie argumentiert Anderson? Zunächst präsentiert er eine griffige Nations-Definition, die er prägnant erläutert:

"Nation ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft - vorgestellt als begrenzt und souverän." (S. 14)

Vorgestellt, weil ein Mitglied der Gemeinschaft wohl nie viele andere Mitglieder persönlich kennen lernen wird, aber im Kopf eines jeden die Vorstellung ihrer Gemeinschaft existiert. Damit sind alle Gemeinschaften ab der Dorfgemeinschaft vorgestellte Gemeinschaften.
Der Terminus Gemeinschaft unterstreicht das Prinzip, reale Ungleichheiten zu verdecken zugunsten einer Vorstellung eines Verbunds von Gleichen.
Begrenzt, weil sie sich nur in Abgrenzung zu anderen Einheiten definieren kann: "Keine Nation setzt sich mit der Menschheit gleich" (S. 15).
Und schließlich souverän, weil Nationen stets den Anspruch erheben nicht von fremden Mächten, wie etwa von kosmopolitischen Adelsgeschlechtern (Dynastien), sondern von "eigenen Führern" regiert zu werden

In diesem skizzierten Sinn versteht Anderson Nation und Nationalismus als kulturelle Produkte der Moderne, die zugleich "den am universellsten legitimierten politischen Wert unserer Zeit" (S. 12) darstellten.
Dieser konstruktivistische Ansatz geht von der Annahme aus, dass es Nationen nicht schon immer gegeben habe, bzw. sie nicht Teil einer natürlichen Ordnung seien. Bei der Genese der Nationen stellten allerdings kulturelle Entwicklungen ein wesentliches Moment dar. Neue Zeit- und Raumvorstellungen - entstanden durch die Herausbildung von Einheitssprachen, Verbreitung von Massenmedien und steigender Mobilität - seien die Ausgangsbedingungen für das Entstehen eines Nationalbewusstseins gewesen. Insbesondere dem neuen Zeitgefühl der Moderne, welches er mit dem Begriff der "Gleichzeitigkeit" beschreibt, räumt Anderson dabei einen hohen Stellenwert ein. Erst durch die genannten kulturellen und technischen Fortschritte sei es möglich gewesen, sich seine "Landsleute" überhaupt vorzustellen; dass sie genauso leben wie man selbst, dass sie die gleiche Sprache sprechen, dass sie tagtäglich ähnliche Handlungen vollziehen. Nationen seien somit keine bloßen Erfindungen, so das Argument Andersons, sondern Konsequenzen eines fundamentalen strukturellen Wandels in der Moderne.
Auch die universelle Gültigkeit des Konzepts Nation sei erst in der Neuzeit vorstellbar. Wo früher dynastische Herrschaft sich durch Heirat und Eroberung ausweiten konnte, werde in der Moderne nur dann Macht zu Herrschaft, wenn sie sich real - oder auch nur formal - national legitimiere. Heutzutage sei unser ganzes weltpolitisches System in Nationen gedacht, wie sich beispielsweise an einer Organisation wie der UN zeige. Daher plädiert Anderson dafür, den Nationalismus nicht als eine politische Kategorie zu begreifen, sondern vielmehr als ein kulturelles gemeinschaftsbildendes System, wie etwa Verwandtschaft oder Religion. So schließe der Nationalismus nicht die Zugehörigkeit zu einer politischen Ideologie aus, sondern bilde vielmehr den Rahmen für das Ganze.
Typologisch unterscheidet Anderson zwischen "offiziellem Nationalismus" und "Volksnationalismus". Ersterer gehe aus dem Bestreben hervor, alte dynastische Herrschaften durch neue nationalistische Legitimierung zu sichern, während letzterer sich meist in nationalen Befreiungsbewegungen äußere.

Mein Fazit: Der sprachliche Duktus ist klar und verständlich. Die Argumentation erfolgt souverän und oft sehr zugespitzt, wie beispielsweise in der Definition der Nation. Allerdings kommt zuweilen der Eindruck der Beliebigkeit bei der Beispielwahl auf. So wird z.B. die Neuheit des Namens Vietnam oder Indonesiens als Beleg für die Neuheit des Nationalismus angeführt, während dieses beispielsweise für Japan nicht gilt.
Diese Beliebigkeit zeigt sich ebenfalls bei Andersons Auswahl an Fachliteratur. Um mittelalterliches Zeitgefühl und Gemeinschaftsvorstellungen zu beschreiben, greift Anderson lediglich auf zwei Werke von Marc Bloch zurück, die aus den vierziger Jahren stammen, sowie eine Literaturstudie von Erich Auerbach. Dagegen hat die Nachkriegsmediävistik auf diesem Gebiet spätstens seit den siebziger Jahren ein anderes, differenziertes Bild herausgearbeitet. Danach war es den Menschen schon im Frühmittelalter bewusst, dass sie mit vielen anderen ein spezifisches Territorium bewohnten und auch eine Gemeinschaft bildeten. Insbesondere in Kriegszeiten kamen ja die Männer eines ganzen Herrschaftsgebietes zusammen, um zu kämpfen. So wurde diese Gemeinschaft für die Kämpfenden durch direkten Kontakt erfahrbar, während die daheim Gebliebenen mittels einer speziellen Kriegsliturgie in die Gemeinschaft eingebunden waren.
Ein weiteres Manko besteht in der Vernachlässigung der Akteursebene und der konkreten politischen Prozesse. Insbesondere nationale Bewegungen interpretierten die von Anderson beschriebene Kommunikationsrevolution in einer spezifischen nationalen Weise. So war innerhalb des deutschen Nationsbildungsprozesses das Konzept einer württembergischen oder bayerischen Nation dem einer deutschen, das sich dann aber durchsetzte, zeitweise überlegen. Warum sich ein bestimmter Nationalismus etablierte, beantwortet Anderson nicht.
Insgesamt stellt das Buch Andersons allerdings eine Pionierleistung in der Nationalismusforschung dar, die kaum zu überschätzen ist. Anderson zählt mit zu den ersten (vor ihm allerdings schon Max Weber und Ernest Renan), die durch einen konstruktivistischen Ansatz die Natürlichkeit der Nationen als bloße Vorstellung der Nationalisten entlarvt haben: "Der objektiven Neuheit von Nationen aus dem Blickwinkel des Historikers steht das subjektive Alter in den Augen der Nationalisten gegenüber." Dadurch dass er diese Perspektive aber auf strukturelle Faktoren zurückführt, gibt er dem radikalen Konstruktivismus ein empirisches Fundament, welches sein Konzept so attraktiv macht.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wie der Titel des Buches schon deutlich macht, geht es Benedict Anderson um die Frage, wie Nationen „gemacht" werden. Der Originaltitel „Imagined Communities" gibt das Stichwort: Laut Anderson besteht eine Nation grundsätzlich nur als Vorstellung, sie hat keine wie auch immer - religiös, ethnisch etc. - geartete absolute Fundierung. Erst mit dem Erschaffen von Mythen, welche den Zusammenhang als Gemeinschaft begründen, durch ein von allen akzeptiertes Geschichtsbild und die Kreation von Symbolen werden Nationen zum politischen Faktum. Ein Staat kann sich ein Territorium durch Macht sichern, aber seine Bewohner werden sich erst durch die genannten Konstruktionen als Nation, als Gemeinschaft fühlen. Anderson untermauert seine Thesen mit zahlreichen Beispielen, vor allem aus dem nahem und fernen Osten, was seinen Beobachtungen zugleich mehr Anschaulichkeit verleiht. Das Buch ist inzwischen zu Recht zum Klassiker avanciert, es stellt - neben den modernisierungstheoretischen und marxistisch geprägten Ansätzen - die dritte Säule der Nationalismusforschung dar. Besonders jetzt, da einerseits die Aufhebung der Nation durch Globalisierung und europäische Integration diskutiert wird und gleichzeitig - etwa auf dem Balkan - im Namen eines extremen Nationalismus Kriege geführt werden stellt das Buch auch für eine über den Kreis der Universität hinausgehende Leserschaft eine wertvolle Orientierung dar. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bonam Pak
Format:Broschiert
Innerhalb der Nationalismusforschung seit 1945 ein Meilenstein, um den keine jüngeren Arbeiten herumkommen. Im Gegensatz zu vergleichbaren Werken beschränkt sich der Autor nicht auf die politischen Vorstellungskräfte von den verschiedenen Konstruktionen von "Nationen", wie sie die Geschichte produziert hat, sondern deckt vor allem auch auf, welche vermeintlich nicht verwandten gesellschaftlichen Entwicklungen überhaupt erst die Voraussetzung für diese Konstrukte in unseren Gehirnen lieferten (z.B. der Buchdruck und die Struktur der neuen Literaturgattung der Romane). Der Autor beschreibt der Werdegang der Nationen von den Euro-Amerikas über Europa zum entkolonisierten Rest der Welt. Dabei spezialisiert er sich auf Südostasien und erwähnt Deutschland nur beiläufig, Österreich(-Ungarn) dagegen intensiv.

Hervorhebenswert ist die ständige Aktualisierung des Buches. 1983 geschrieben (1988 auf Deutsch erschienen), wurden die letzten beiden Kapitel 1991 hinzugefügt (in Deutschland 1996, hier mit einem 96er Nachwort des Autors) und 2005 das Nachwort eines anderen Autors, das sich auch mit den Kritiken an diesem Buch und zwischenzeitlichen Fortentwicklungen der Nationalismusforschung beschäftigt. Der unbedarfte Leser, für den die Aufdeckung der kompletten Illusion von Nationen völlig neu ist, fragt sich, warum er weder in der Schule noch in den Medien oder durch die Politik seit Erscheinen dieses Buches vor mehr als einer Generation entsprechend aufgeklärt wurde, sondern weiter diesem Konstrukt bewusst ausgeliefert wird.
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