Friedrich Ani schreibt in einer nostalgischen Art, als würde ihn das, was jetzt passiert, ins Schwelgen bringen. Zumindest klingt es in manchen Passagen des Textes so. Wie dort, als der neunjährige Raphael die Beweggrüngde seiner Flucht aus dem Elternhaus schildert. Es zeigt auf das Verständnis, das Ani seinen Figuren gegenüber hegt und seinen Roman zu etwas Mitreißendem macht. Es lässt einem die Sorgfalt des eindringlichen Erzählstils bewusst werden. Für mich war es ein kostbares Stück Literatur, der die Klischees der üblichen Kriminalromane getrost denen überlässt, deren zweite Romane sich anhören, wie die ersten und die wiederrum wie alle folgenden. Ani nimmt seinen Leser ernst, er scheint beinahe eine vertraute Bindung zu ihm einzugehen und schildert mehr als nur die Geschichte eines Jungen, der von zu Hause ausreißt, weil sein Opa gestorben ist. Es ist die Geschichte eines Polizisten, der zum "Waldschrat" wurde, seit er den Tod eines Mädchens verantworten musste und es ist die Geschichte einer Freundschaft zwischen drei Polizisten, die einem die Zukunft und die Tragik der Bindung zwischen diesen Menschen näher bringt, als man es von anderen Krimis gewohnt ist. Hier stirbt niemand, zumindest nicht am Anfang, dafür ist Ani ein zu spezieller Erzähler. Er zieht den Leser in den Bann des Vergessenen. Er erzählt, wie die Menschen früher aussahen und zeigt damit, warum sie so handeln, wie sie es jetzt tun. Dadurch erscheint es nicht einmal fragwürdig, warum ein ehemaliger Polizist, der als einer der Besten galt, nackt durch den Wald hüpft, Kobolde sieht und sich als Einsiedler von Wurzeln ernährt. Ani liefert eine Komik mit, steigert sich aber nie in die Schönheit seiner Erzählungen hinein und klammert damit aus, dass Kapitel oder Erzählteile des Buches andere Abschnitte in den Schatten stellen. Er zieht die Geschichte langsam vorwärts, in gleichmäßigen Zügen und lockt den Leser in die Köpfe der Figuren.
Es ist ein großartiges Werk, eines, das man genießt, wie die Gedanken an etwas, das einen innerlich so stark ergreift, dass man es mit keinem anderen teilen will, weil es einem selbst gehört. In der Welt der schnellen Literatur, der romantischen, liebevoll erzählten und der packenden Romane, ist die Erfindung des Abschieds ein Buch, das alles in sich vereint. Dagegen wirkt Henning Mankell wie ein schemenhafter Karikaturist, auch wenn man ihn nur schwer neben mit einem unvergleichlichen Erzähler wie Friedrich Ani stellen kann.