Nach manchen Buechern kann man so schnell kein Neues beginnen. "Die Erfahrung der Welt" von Nicolas Bouvier ist solch eins. Die Reise war damals so aussergewoehnlich wie heute: Zwei junge Kuenstler, ein Schriftsteller und ein Maler, fahren Anfang der 50er-Jahre in einem alten Fiat von der Schweiz nach Afghanistan. Fast zwei Jahre sind sie unterwegs. "Ich mag Sachen, die Zeit brauchen", schreibt der Schriftsteller. Geld ham sie nur fuer vier Monate. Reisen heisst daher auch arbeiten. Nicolas schreibt Artikel, haelt Vortraege oder unterrichtet, Thierry malt Bilder. Irgendwie klappt es immer.
Langsam geht es schon allein wegen ihres Gefaehrtes voran, das sie - exotisch fuer uns - Bergpaesse hochschieben muessen (und zuvor voellig entladen). Bei Wuestendurchquerungen lassen sie die Luft aus den Reifen (faehrt sich so besser im Sand). Immer wieder nehmen das Auto auseinander oder warten wochenlang auf Ersatzteile aus der naechst groesseren Stadt. Doch Zeit lassen sie sich vor allem, weil sie es fuer sie als natuerlich erscheint.
Auf diese Weise lernt man ein Land ganz anders kennen und von der Langsamkeit profitiert das Buch. Sicher, man lernt viel als Leser darueber, wie es in Laendern wie Iran und Afghanistan, die jetzt in den Schlagzeilen sind, vor 50 Jahren zuging. Sehr wohltuend: Bouvier ueberhaeuft einen nicht mit Fakten wie es einige Reiseautoren tun. Der Text ist in tagebuchaehnlich aufgebaut. Beobachtungen und Gedanken, Gespraeche mit den Einheimischen und eigene Erfahrungen nehmen mehr Platz ein als Nachgelesenes. Wenn es nun zu einem meiner Lieblingsbuecher geworden ist, dann wegen des reflektierenden und vor allem so poetischen Schreibstils. Immer wieder dachte ich: So will ich auch schreiben koennen. Hier war ein Kuenstler am Werk!