Beruflich gefestigt, mit eigener Arztpraxis, aber immer noch unverheiratet und ohne Kinder. Endlich, mit 43 Jahren, hat Anton die Frau gefunden, mit der er sein Leben teilen will. Eine Kollegin, Allgemeinärztin wie er, mit einer kleinen Tochter, auch in Kreuzberg zu Hause. Und so träumt er vom eigenen Haus und überlegt wann er sie seinen Eltern vorstellen soll. All seine Gedanken drehen sich um Lydia.
Für Lydia ist Anton hingegen keineswegs die große Liebe. Der Mann, den sie nicht vergessen kann, ist der Vater ihrer Tochter, Rüdiger, der Fremdenlegionär. Weil er aber ihrer Meinung nach heruntergekommen war, versagt sie ihm das Familienglück, trennt sich. Die Entscheidung für Anton ist eine pragmatische Lösung.
Das Buch beginnt mit einem Besuch Antons bei seinen Eltern in Calberlah. Antons Mutter hat die Erdbeerpflanzen vergessen und so kümmert sich Anton mit Hilfe des Gärtners Helmer darum, dass die Erdbeersträucher noch gepflanzt werden. Seine Mutter soll glauben, dass es nicht zu spät ist. Ist es richtig jemanden mit einer Lüge zu trösten, um ihn glücklich zu machen? In seiner Praxis entscheidet sich Anton meist dafür die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie unangenehm ist, wenn es etwas ist, das man nicht wahrhaben will. Schwieriger ist es, die Veränderungen bei seinen Eltern zu akzeptieren.
An Antons 43. Geburtstag wurde die Krankheit seiner Eltern offenkundig, so dass er sie zum Besuch bei einem Kollegen in Wolfsburg überredete. "... eine rasch progedierende Form frühseniler Demenz sei mehr als wahrscheinlich, ..." (S. 46) so lautete die Diagnose. Zeit also, sich mit den Veränderungen zu beschäftigen, aber Anton bleibt seltsam lethargisch. Es scheint fast, als meine er, dass Ignorieren und Verdrängen den weiteren Lauf der Dinge aufhalten würde.
Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Raum erhalten die Nebenfiguren. Rüdiger, der Fremdenlegionär, der Vater von Rachel, aber auch Martin, sein Gefährte, der als Pilot in der Fremdenlegion diente. Vor allem Martin. Ein stiller, leiser Held, der sich immer um die anderen kümmert. Klein und unscheinbar, häufig übersehen. Dieser kleine Mann riskiert sein Leben und gibt einen Finger für den Freund. Er passt auf Lydia auf und kümmert sich um Hilde, als sie bekümmert und orientierungslos ist. Ob die Namensgebung Zufall ist? Sankt Martin? Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Genauso erscheint mir dieser kleine Mann, diese Nebenfigur in der von Katharina Hacker entworfenen Geschichte.
Während die Nebenfiguren an Kontur gewinnen, bleibt die Charakterisierung von Anton und Lydia zumindest meiner Meinung nach flach. Sie führen ein durchschnittliches, pragmatisches Leben, Höhen und Tiefen sucht man vergebens. Große Gefühle sowieso. Die Geschichte plätschert so vor sich hin. Ruhig. Spannung wollte bei mir nicht aufkommen.
Und warum um alles in der Welt, mussten es unbedingt Fremdenlegionäre sein? Zumal ich es unrealistisch finde, dass es einem Piloten nach seiner Militärzeit nicht gelingt, in seinem Metier weiterzuarbeiten. Deserteure, Al Quaida, die Taliban, die Hisbollah ... sie werden am Rande erwähnt, die Autorin hat sogar eine Verfolgung im Auto in die Geschichte eingebaut, spannender wird die Handlung dadurch für mich nicht. Durchgehalten habe ich nur deswegen, weil ich wissen wollte ob Antons Mutter nun am Ende die Erdbeeren ernten und zu Marmelade verarbeiten kann.
Kurz und gut: eine ruhige Geschichte, die über weite Teile durchaus realitätsnah geschildert ist. Sprachlich auf hohem Niveau. Dennoch kein Buch, das bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt lesen.