1. TEIL: KORSAR UND KAVALIER
Nachdem Prudence Mann nach einem finanziellen Unterfangen an dem auch mehrere hochrangige Adlige beteiligt sind, das desaströs für alle endet, als Alleinschuldiger vom ton" erklärt wird, nimmt er sich das Ganze so zu Herzen, dass er kurz darauf stirbt und sie ganz allein auf einem Schuldenberg und mit einem zweifelhaften Ruf zurücklässt.
Doch die starke Prudence lässt sich nicht so schnell unterkriegen.
Sie zieht mit ihrer Mutter an die Küste und plant zusammen mir ihr, dort eine Art Schule für gutbetuchte Töchter zu gründen.
Doch sämtliche Damen von Adel und Rang die Prudence Mutter anschreibt, lehnen dankend ab.
Was sollen sie bloß machen? Denn langsam aber sicher schwinden ihre restlichen finanziellen Rücklagen.
Zu allem Überfluss steht jeden Morgen ein Schaf in ihrem Garten und frisst denselbigen fast kahl. ;-)
Aber der Besitzer des unverschämten Tieres ist schnell gefunden - Tristan Llevanth, nach der Schlacht bei Trafalgar hoch dekorierter Captain zur See, nach dem letzten Kampf jedoch zum Invaliden geworden, lebt auf dem angrenzenden Land zusammen mit seinen ehemaligen Seeleuten, in einem Cottage.
Doch statt sich für sein Schaf zu entschuldigen, amüsiert sich Tristan eher über die entrüstete Prudence und lässt sie mehr oder weniger mit ihrem Anliegen allein.
Als eines Morgens wieder mal das Schaf im Vorgarten steht, reißt Prudence der Geduldsfaden:
Sie schnappt sich ihren Schal, bindet ihn dem Schaf um und bringt das Tier persönlich zu Tristan.
Doch da er momentan nicht abkömmlich ist, wird sie von seinem ehemaligen ersten Offizier gebeten in Tristans Zimmer zu warten.
Während die neugierige Prudence auf einen Schemel steigt, um eine Kriegsauszeichnung zu bewundern, steht Tristan plötzlich in der Tür und kann die erschreckte Prudence, die daraufhin vom Stuhl stürzt, gerade im letzten Moment noch auffangen. Dabei raubt er ihr einen leidenschaftlichen Kuss, der sie zutiefst beunruhigt.
Schnell begibt sie sich nach Hause und will diesem Mann für immer aus dem Wege gehen.
Ein Vorhaben, das sich jedoch leider nicht in die Tat umsetzen lässt, denn einen Tag später wird sie vom Butler des kürzlich verstorbenen Earls of Rochester gebeten, dem eher ungeschliffenen und schroffen Tristan gute Manieren und Umgangsformen beizubringen.
Grund dafür ist die Erbschaft, die mit dem Titel des Earls verbunden ist und die Tristan nur antreten kann, wenn er die Treuhänder des Vermögens davon überzeugen kann, dass er ein würdiger Nachfolger seines Vaters ist.
Obwohl Prudence eigentlich nie wieder mit Tristan in Kontakt treten wollte, lässt sie sich darauf ein, denn verbunden mit der Bitte ist eine großzügige Entlohnung für ihren Unterricht.
Doch der Unterricht gestaltet sich sehr schwierig. Zum einen ist Tristan äußerst unumgänglich, wenn Reeves der Butler und Prudence versuchen ihn in einen Gentleman zu verwandeln- er hasst es regelrecht wie ein Geck" zu sprechen und gekleidet zu sein, und zum anderen knistert die Luft vor erotischer Spannung , wenn Prudence und Tristan zusammen in einem Raum sind...
Nachdem vor ein paar Jahren schon einmal ein Buch der Autorin im Cora Verlag erschienen ist, das mir sehr gut gefallen hat, habe ich mich auch auf diesen aktuellen Roman schon im Vorfeld sehr gefreut. Und meine Vorfreude wurde auch nicht getrübt.
Karen Hawkins versteht es wirklich sehr gut, amüsante Geschichten zu schreiben- Die Story über einen ehemaligen, einsamen Kriegshelden und eine ebenfalls einsame aber energische Witwe, die ihm bei jeder passenden Gelegenheit Paroli bietet, ist äußerst humorvoll und mit viel Herz geschrieben.
Das liegt nicht nur an der sympathischen Umschreibung der Hauptfiguren- zudem gibt es in diesem Buch einige skurrile Nebencharaktere, (nicht nur das arme Schaf ;-) ) wie zum Beispiel die Haushälterin von Prudence, die für alle Situationen einen passenden Spruch auf Lager hat oder auch den geistreichen und mit dem typisch englischen Humor gesegneten Butler Reeves der geschickt versucht, seinen jeweiligen Dienstherren zu leiten, ohne dass dieser es bemerkt und nicht zu vergessen die vielen ehemaligen Seeleute, die auf dem Anwesen von Tristan leben und die so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist", ;-) die diesen Liebesroman zu etwas Besonderem machen.
Ich hatte beim Lesen des Buches sehr viel Spaß und habe den Roman in einem Rutsch" durchgelesen.
Allerdings gab es in der zweiten Hälfte ein paar Dinge, die mir etwas zu schnell abgehandelt und eher schlecht als recht gelöst wurden.
Zum einen erfährt man als Leser ja praktisch von Anfang an, dass Tristan auf die Erbschaft angewiesen ist, weil er sie benötigt, um seinen ehemaligen Kriegskameraden ein Heim zu bieten. Doch zum Ende des Buches (ich kann Euch leider nicht alles verraten ;-) ) hin, ergibt es sich so, dass Tristan sich statt für das Geld, für die Liebe entscheidet.
Natürlich ist das sehr schön, doch da die ganze Story ja eigentlich darauf aufgebaut ist, dass Tristan alles Menschenmögliche versucht, um sich verändern zu lassen, nur damit er in den Genuss des Geldes kommt, fand ich die Auflösung ein wenig schwach gemacht.
Auch sein zweiter Heiratsantrag (ohne zuviel verraten zu wollen) war mir persönlich etwas zu knapp formuliert- meiner Meinung nach hätte Prudence ihn schon ein wenig mehr zappeln lassen müssen. ;-)
Fazit: Wer leichte, humorvolle Liebesromankost a la Teresa Medeiros oder auch Lauren Royal schätzt, wird auch mit diesem Roman von Karen Hawkins seine helle Freunde haben. 4 von 5 Punkten
2. TEIL: VISCOUNT UND VERFÜHRER
Eines Tages wird Elizabeth, genannt Beth zu ihrem Großvater gerufen. Der Duke of Messingale ist nicht wirklich in bester Laune, zudem scheint es, dass der Duke erste Anzeichen von Schwäche zeigt, was auf sein fortschreitendes Alter zurückzuführen ist.
Das allein sind die Gründe die Beth davon abhalten vehement zu protestieren als er ihr mitteilt sie solle langsam daran denken sich zu verheiraten und sie kurzerhand für eine Saison nach London schickt.
Doch Beth ist äußerst gewitzt, wenn es darum geht, sich potentielle Verehrer vom Hals zu halten- eine mehr als lebensnotwendige Fähigkeit, denn ihre Mitgift lockt viele Männer an.
Nach einigen Wochen hat sich die Aufregung um ihre Person jedoch langsam gelegt und die ersten Verehrer um ihre Hand wurden mittlerweile durch ihren schweren Sprachfehler" abgeschreckt. ;-)
Doch dann tritt Christian Llevanth, Viscount Westerville in ihr Leben. Seine dunkle Attraktivität fasziniert sie sehr, zudem scheint Christian sich auch von ihrem angeblichen Stottern nicht abschrecken zu lassen.
Beth ahnt jedoch schnell, dass Christian nicht nur wegen ihre Schönheit Interesse an ihr zeigt. Als sie ihn auf ihre Vermutung anspricht versucht er zwar noch ihr auszuweichen in dem er ihr einen leidenschaftlichen Kuss raubt, doch auf Dauer kann er seine wahren Beweggründe nicht vor ihr verbergen.
Christians Geschichte erschüttert sie und sie bietet ihm sogleich ihre Hilfe an, denn sein düsteres Geheimnis hat eindeutig mit ihrer Familie zu tun.
Bevor beide sich jedoch an die Aufklärung des Falles begeben können, werden sie während einer Gesellschaft bei einem leidenschaftlichen Techtelmechtel erwischt und damit Beth nicht als restlos kompromittiert gilt, muss Christian ihr die Ehe anbieten. Wird der eingefleischte Junggeselle und ehemaliger Straßenräuber sein Versprechen wahrlich einlösen?
Nachdem der erste Teil über Christians Bruder handelte, geht es nun in Viscount und Verführer" praktisch zeitlich nahtlos weiter. Kaum dass der Titel seines verachteten Vaters mitsamt seines naseweisen Butlers Reeves an ihn übergegangen ist, macht sich Christian sogleich daran, den Verräter dingfest zu machen, der einst seine Mutter ins Gefängnis brachte wo sie starb und ihn und seinen Bruder somit ins Unglück und in Armut stürzte.
Auch wenn dem Leser sehr schnell klar sein dürfte, wer der wahre Übeltäter ist, hat Karen Hawkins mit dem zweiten Teil über die Llevant - Brüder einen wieder einmal leichten, humorvollen historischen Liebesroman geschaffen, der mit einem interessanten Helden und einer intelligenten, wortgewandten Heldin aufwartet.
Die ironischen Bemerkungen des Butlers Reeves haben mir schon im ersten Teil einige Schmunzler beschert, in diesem Band jedoch hat Reeves noch eine etwas größere Rolle und brachte mich durch seine hintersinnigen Dialoge, natürlich very british", immer wieder zum Lachen. Da ich schon immer eine Schwäche für gutaussehende Straßenräuber mit einer gehörigen Portion Gewitztheit und Humor hatte (natürlich nur in Romanen ;-) ) lag der Held des Romans auch genau auf meiner Wellenlänge.
Was mir ebenfalls gut gefallen hat, war, dass er trotz aller Impulsität trotzdem nicht die Fähigkeit verloren hat, logisch zu denken und Gewissensbisse zu empfinden, wenn er einen Fehler macht. Obwohl er wegen des tragischen Schicksals seiner Mutter verbittert war, ließ er seine Wut zu keinem Zeitpunkt an der Heldin aus.
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