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3.0 von 5 Sternen
Undank ist der Welt Lohn, 25. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Erben: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dem "Roman aus der deutschen Wirtschaft" liegt das Strickmuster von Shakespeare's König Lear zugrunde: Der schnöde Undank der Kinder und ihre Intrigen kosten den Vater die Macht und treiben ihn ins Unglück.
Martin Lehr hat nach dem Krieg ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Jetzt ist er über 65. Von seinen 3 Kindern ist nur die ältere Tochter Irmgard wirtschaftlich interessiert, ihr nicht übermäßig fähiger Mann Dr. Graber sitzt im Vorstand. Auf Betreiben von Irmgard schenkt Lehr seinen Kindern seine Anteile, behält aber den von Graber angestrebten Vorsitz des Vorstands. Graber und Irmgard lancieren eine anonyme Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Der unschuldige Lehr versteht die Welt nicht mehr, fühlt sich "von den Hunden gehetzt" und stirbt nach einem Herzinfarkt. Ein BWL-Professor wird neuer Liebhaber von Irmgard. Gemeinsam werfen sie Graber mit dessen Methode aus der Firma. Nun darf der Professor das Unternehmen leiten und Irmgard den Aufsichtsrat führen. Unter dem Motto "Shareholder Value" verordnet der neue Chef der Lehr AG eine "Kulturrevolution", die nach einer kurzen Börsenblüte in der Krise endet. Ein amerikanisches Konkurrenz-Unternehmen übernimmt die Firma billig.
Der Roman entbehrt nicht der Spannung und liest sich gut. Dramaturgie und Dialoge sind gut gelungen und alle Phänomene der modernen Wirtschaft (Dynamisierung, Globalisierung, Volatilität der Börsen, unfreundliche Übernahmen etc.) souverän dargestellt. Aber der Roman des erfahrenen früheren Managers Graf von der Goltz leidet nach meiner Ansicht unter gravierenden Schwächen. Die Figuren sind zu einseitig gezeichnet: hier die wenigen Guten, dort die vielen Schlechten. Der Autor ist nicht mehr der Jüngste. Er sympathisiert mit dem Patriarchen Lehr und trauert mit diesem zu offenkundig den "guten alten Zeiten" nach. Völlig unglaubwürdig erscheint mir auch die Person des amerikanischen Aufkäufers. Seine Beschreibung ("ein Gentleman mit der Lässigkeit angeborener guter Manieren, wie sie bei uns selten sind")könnte einer Heiratsanzeige entstammen.
Albern finde ich auch die nach dem Motto "Nomen est Omen" gewählten Namen der handelnden Personen: Der an König Lear erinnernde Vater heißt Lehr, der intrigierende Schwiegersohn Graber, der forsche junge Staatsanwalt Salzer, und der Professor, dessen Lack bald abblättert, Lackmann. Der seriös-konservative Bankier heißt -welch' Ironie- Wagedorf.
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