Wer an Tieren interessiert ist und zudem noch eine Schwäche für Enzyklopädien hat, wird evtl. Probleme haben sich zwischen National Geographics "Tiere", gleichnamigen Buch von Dorling Kindersley und einigen anderen, z. B. vom Müller Verlag, zu entscheiden. Letzteres habe ich jedoch nicht gelesen, deshalb folgt an dieser Stelle kein Vergleich.
Zu Beginn: Erklärungen zum Tierreich (Merkmale der Tiere, Systematik, Evolution, Biologie und Verhalten sowie Lebensräume und Anpassungen) auf den Seiten 14-53, mit anschließenden Erläuterungen zur bedrohten Tierwelt (S. 54-59). Darauf folgen schließlich die einzelnen Arten mit relativ kurzen Steckbriefinfomationen (Verbreitung, Größe und Gewicht, sowie Bestand in freier Natur und Schutzstatus) sowie meist vorhandenem und recht knappen Text, angefangen mit den Säugetieren.
Die Enzyklopädie beinhaltet überwiegend Zeichnungen der verschiedenen Tiere, Photographien existieren zwar auch, besonders zu Beginn, im Laufe des Buches aber eher sporadisch. Das empfand ich als etwas enttäuschend. Sicher, die Zeichnungen sind professionell und präzise, aber eben nicht echt. Wer jedoch mehr Interesse an Zeichnungen als an Photographien hat, dürfte mit Sicherheit gut bedient sein.
Ebenso enttäuscht hat mich, dass zwar viele Arten gezeichnet worden sind, aber nicht alle schriftlich vorgestellt werden. Als gutes Beispiel hier die Seiten 124-129, welche von Canidaen handeln. Auf der Seite 124 ist ein relativ großes Photo von europäischen Wölfen beim Fressen abgebildet, weiterhin eine vergleichsweise längere Erklärung, wodurch sich Hundeartige auszeichnen (Anatomie, Sozialstruktur etc.). Bis hierhin noch annehmbar. Dann allerdings sind auf vier Seiten 32 Arten der Familie Canidae gezeichnet, wovon nur 15 schriftlich (d. h. mit sehr kurzem Text, kleiner Karte zur Verbreitung sowie kurzen Angaben zu Größe und Schutzstatus) portraitiert werden. Nicht einmal der europäische Wolf wird im Text vorgestellt, er ist nur gezeichnet vorzufinden. Es gibt zwar einige, sicherlich lesenswerte Zusatzinformationen (wie z. B. die Körpersprache von Kojoten, bildlich dargestellt von "freundlich" bis hin zu "verteidigungsbereit"), allerdings wiegt das nicht wirklich die fehlenden Informationen auf. Von einer solchen Enzyklopädie erwarte ich doch, dass jede Art, die bildlich dargestellt wird, auch kurz im Text vorgestellt wird. Und so ungefähr läuft das im gesamten Buch. Da sieht man eine interessante Tierart und dann existiert da keine Beschreibung. Wo lebt dieses Tier, wie lebt es? Dann kann man ja direkt googeln und braucht keine Enzyklopädie. Für mich sehr störend.
Weiterhin sind die Einführungstexte für eine entsprechende Familie zwar relativ informativ, die Texte bezüglich der Tierportraits selbst sind allerdings meist immens kurz gehalten, um nicht zu sagen zu kurz. Schade. Dorling Kindersley ist hier sehr viel ausführlicher, sowohl was "Zusatzinformationen" als auch die Texte zu den einzelnen Tierarten, Lebensbereichen, evolutiven Prozessen etc. betrifft. Insgesamt einfach ausführlicher.
Zusammenfassend betrachtet: Wer Zeichnungen toll findet und wen die übrigen Punkte nicht stören, für den ist das Buch mit Sicherheit auch empfehlenswert. Für alle anderen würde ich bei Unentschiedenheit eher Dorling Kindersley empfehlen (s. Rez. ).