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4.0 von 5 Sternen
"Das Grundbuch des ganzen Mittelalters",
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla (Gebundene Ausgabe)
In einer Zeit großer Unsicherheit und Verwirrung, als das weströmische Imperium bereits untergegangen, ein neues Reich noch nirgends in Sicht war, einer Zeit voller gewalttätiger Auseinandersetzungen um Glauben, Recht und Macht, ging am Rand der Welt, in Spanien, ein gelehrter und überaus fleißiger Bischof daran, die gesamte Welt zu erklären - und zwar anhand der Begriffe, die wir von ihr haben. Ein ambitioniertes Vorhaben, das der Autor Isidor von Sevilla Zeit seines Lebens nicht zu Ende bringen konnte. Die "Etymologiae" wurden nach seinem Tod von seinem Schüler Braulio herausgegeben und entwickelte sich zu einem der am weitesten verbreiteten Werke des gesamten Mittelalters.Isidor (um 560-636) war ein treuer Anhänger des katholischen und Feind des arianischen Glaubens. Antiker, also heidnischer, Literatur gegenüber war er sehr aufgeschlossen und bestrebt, z. B. die Ansichten antiker Philosophen mit den Lehren des Christentums in Einklang zu bringen. Als Bischof leitete er nicht nur das IV. Konzil von Toledo, sondern schrieb auch zahlreiche kirchenpolitische, geschichts- und naturwissenschaftliche, religiöse sowie viele weitere Themen umfassende Bücher. Außerdem gründete er Schulen, um die Ausbildung des Klerus zu verbessern und den allgemeinen Bildungsstand zu heben. Wenngleich unvollendet und erst nach seinem Tod veröffentlicht, entwickelte sich Isidors "Etymologiae" zu einem der einflussreichsten und wirkmächtigsten Bücher des Mittelalters. Kaum ein bedeutender Autor jener Zeit, der das Werk nicht kannte und zitierte. Einst existierten davon in Europa mehr als 1.000 Kopien, und es zählte zu jenen Schriften, die als erste und am häufigsten gedruckt wurden. Umso erstaunlicher, dass die vorliegende Ausgabe unter dem Titel "Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla" tatsächlich die erste vollständige Übertragung ins Deutsche darstellt. Wie der Originaltitel "Etymologiae" schon andeutet, versucht Isidor die Herkunft der (lateinischen) Wörter zu erklären. Aufgeteilt in 20 Bücher behandelt sein Werk dabei Themen wie die Sprache selbst, die Wissenschaften, Religion, Medizin, den Menschen, die Welt, Krieg und Spiele etc. Doch hätte das Werk niemals solche Bedeutung erlangt, wenn es sich dabei nur um ein etymologisches Wörterbuch handeln würde. In der Auffassung des Mittelalters sind die Dinge eng mit den Begriffen verknüpft, die wir von ihnen haben, und so ist die "Etymologiae" in erster Linie ein Versuch, die Welt in ihrer historischen Entwicklung und ihren Erscheinungen zu erklären. Dazu zitiert Isidor zahlreiche antike Autoren, Kirchenväter und natürlich die Bibel. Aus heutiger Sicht betrachtet bietet das Werk natürlich in erster Linie Einblicke in die Gedankenwelt des Autors und seiner Zeit, aber auch weit darüber hinaus, denn Isidors Schilderungen galten während des gesamten Mittelalters als Grundlage des Wissens über die Welt - der Altphilologe Ernst Robert Curtius bezeichnete die "Etymologiae" als das "Grundbuch des ganzen Mittelalters". Wer sich also heute mit der Geistesgeschichte des Mittelalters befassen möchte, kommt um ein Studium der "Etymologiae" nicht herum. Dass dies nun auch in deutscher Sprache möglich ist, ist der kongenialen Übertragung durch Lenelotte Möller zu verdanken, der es gelungen ist, eine leicht und unterhaltsam zu lesende Übersetzung zu schaffen. Da viele der etymologischen Ableitungen nicht zu verstehen sind, ohne den lateinischen Urbegriff zu kennen, finden sich diese häufig ebenfalls im Text. Fußnoten geben außerdem Erläuterungen zu zitierten Autoren, mythischen oder historischen Begebenheiten und Personen sowie der tatsächlichen Herkunft zahlreicher Begriffe. Die Einleitung geht, wenn auch recht knapp, auf Leben, Werke und Bedeutung Isidors sowie die Entstehung und Verbreitung seines wichtigsten Werkes ein. Ein Index sowie ein Register der zitierten Textstellen bzw. Autoren hätte den Gebrauchswert des Buches noch erhöht, doch davon abgesehen ist die im Marix-Verlag erschienene Ausgabe überaus gelungen. Druck und Ausstattung sind gut, und angesichts des günstigen Preises lässt sich für "Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla" nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die geistigen Grundlagen Europas,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla (Gebundene Ausgabe)
Er war der wohl letzte große lateinische Schriftsteller des Mittelalters: Isidor von Sevilla (um 560-636); ein bedeutender Gelehrter, der unter anmderem den Vorsitz beim Toledo-Konzil (633) führte. Seine Handschriften, von denen es über tausend geben soll, sind überliefert. Dazu gehört die hier angezeigte naturwissenschaftliche Schrift, die er für König Sisibut geschrieben hat: die "Etymologiae", eine Reihe naturwissenschaftlicher Schriften. Isidor versucht darin, die Welt zuz erklären, so wie er sie vorgefunden hat. Und damit eröffnet er dem Leser einen spannenden Blick auf eine Zeit, in der die geistigen Grundlagen Europas gedacht und formuliert worden sind. Antikes Denken, die Schriften der Bibel und die Kirchengeschichte finden hier eine faszinierende Zusammenfassung und Deutung. Für alle, die Interesse an mittelalterlichem Denken und den daraus resultierende Konsequenzen für unsere Zeit haben, ist die "Ezyklopädie" des Isidor von Sevilla - sie liegt jetzt in einer sehr schönen Übersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche vor - von größter Bedeutung.
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