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Die Entzauberung Asiens: Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert
 
 
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Die Entzauberung Asiens: Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert [Broschiert]

Jürgen Osterhammel
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 576 Seiten
  • Verlag: C.H. Beck; Auflage: 1 (23. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406598978
  • ISBN-13: 978-3406598975
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,5 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 179.253 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jürgen Osterhammel
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Asien im Spiegel der europäischen Aufklärung

Jürgen Osterhammel schärft den Blick für das Besondere

Das Zeitalter der Aufklärung, von dem wir noch heute zehren, war eine Epoche der geistigen Offenheit, die sich durch die Bereitschaft, von anderen zu lernen, auszeichnete. Nachdem die grossen Seefahrer die Welt für die Neugierigen Europas zugänglich gemacht hatten, war es die Aufgabe der Intellektuellen, die Berichte, die sie mit nach Hause brachten, zu einem neuen Weltbild zu ordnen. Asien, von alters her ebenso unergründlich wie verlockend, spielte dabei eine zentrale Rolle. Anders als die Neue Welt, die es zu entdecken und sich anzueignen galt, hatte es Asien für Europa immer gegeben.

Asiens Platz in dem neuen Weltbild zu bestimmen war ein Thema, das die Aufklärung durchzog, weil es viel mit Europas Selbstverständnis zu tun hatte. In seinem neuen Buch, «Die Entzauberung Asiens», versucht Jürgen Osterhammel eine historische Rekonstruktion dieses Prozesses, wobei er gleichzeitig bestrebt ist, Motive des heutigen Asienbildes ins 18. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Über Asien erfährt man dabei manches, mehr aber noch über den Prozess der Wissensaneignung seitens europäischer Reisender, Missionare und Gelehrter, die in Asien waren oder sich mit Asien beschäftigten.

Text und Welt

Osterhammel interessiert sich für den holprigen Weg, der vom gesponnenen Garn einzelner Abenteurer, die Fakten und Fabeln, Hörensagen und selbst Erlebtes nicht immer deutlich trennen, zur abgewogenen Synthese des narrativen Historikers führt, der nicht verifizierbare Aussagen nach Kräften vermeidet. Sein Gegenstand sind Texte, was er freilich nicht mit der Genugtuung postmoderner Dekonstrukteure feststellt, für die Geschichten und Geschichte dasselbe sind, sondern mit dem Bedauern des Geschichtswissenschafters, der weiss, wie unzuverlässig schriftliche Zeitzeugnisse sind, aber auch, dass er nicht auf sie verzichten kann. Statt so zu tun, als wäre die Welt ein Text, benutzt er die Lektüre diverser im 18. Jahrhundert verfasster Schriften, um nachzuzeichnen, wie seine eigene Zunft als Ausdruck der Aufklärung Methoden der Quellenkritik entwickelte; wie Fakten, Vorurteile und oft genug auch reine Fiktionen von Text zu Text vererbt wurden; wie europäische Gelehrte lernten, Texten zu misstrauen, Plagiate aufzuspüren; welche Rolle Übersetzungen spielten; wie aussereuropäische Texte ins europäische Blickfeld kamen.

Die Kanäle, durch die das Wissen über Asien nach Europa gelangte, waren vielfältiger Natur: Briefe, Reiseberichte, Mitteilungen von Missionaren. Daneben wurden Land und Leute, Natur und Kultur Asiens dem europäischen Publikum mit illustrierten Darstellungen nähergebracht. Seine umfassende Belesenheit erlaubt es dem Autor, das 18. Jahrhundert mit Asien im Zentrum auf faszinierende Weise ideengeschichtlich Revue passieren zu lassen. Dabei stehen ihm das deutschsprachige, das französische und das englische Schrifttum zu Gebote. Das ist viel, und man zögert deshalb, es nicht genug zu nennen. Aber, das sei dennoch angemerkt, dem reichen Schatz der niederländischen Ostindienliteratur räumt er nicht den ihm gebührenden Platz ein. Er findet seine Zeugen der Aufklärung vor allem in Frankreich, in Grossbritannien, dort speziell Schottland, und in Deutschland.

Osterhammel macht kein Hehl daraus, dass er das geistige Klima des 18. Jahrhunderts liebt. Er erfreut sich an der Vielfalt möglicher Weltdeutungen, die nebeneinander standen. Eine Kritik des Ethnozentrismus, stellt er fast wehmütig fest, war damals noch möglich, im 19., im nationalistischen Jahrhundert ging sie verloren. Der Blick auf Asien wurde dadurch getrübt. Nicht die Seefahrer und Entdecker waren es, die Europas Dünkel nährten. Noch für Voltaire, William Jones, Alexander von Humboldt und viele ihrer weniger bekannten Zeitgenossen war Asien eine geistige Welt, die gleichberechtigt und gleich bedeutsam neben dem Abendland stand. Daran zu erinnern und zu zeigen, dass der Prestigeverlust des Orients im europäischen Bewusstsein erst mit der Dampfschiffahrt und der expansionistischen Phase des Kolonialismus begann, ist ein grosses Verdienst dieses Buches.

Im 19. Jahrhundert erst kam es zu dem, was Osterhammel etwas modern die «Ökonomisierung der Wahrnehmung kultureller Unterschiede» nennt. Die materielle Überlegenheit Europas, die sich bemerkbar zu machen begann, färbte auf die Haltung gegenüber dem Andersartigen ab. Das Unbekannte und Rätselhafte wurde oft zum Minderwertigen. Manche Frage des 18. Jahrhunderts verfestigte sich im 19. zu einem Stereotyp. Das Herrschaftswesen zum Beispiel interessierte die Asienforscher. Als die Aufklärer sich mit politischer Theoriebildung beschäftigten und über gerechte Formen der Regierung in Europa nachdachten, blickten sie auch nach Asien. Dessen Herrscher wurden von ihnen, wie unser Autor belegt, keineswegs ausnahmslos als grausame Tyrannen dargestellt und verurteilt, obwohl man sich über Despoten wie Dschingis Khan, Nadir Schah und Muhammad ibn Tughliq, den Sultan von Delhi, keine Illusionen machte. Vielmehr suchten sie nach einer angemessenen Beschreibung der politischen Verhältnisse Asiens. Die geistigen Hauptströmungen des 19. Jahrhunderts verloren diese Differenziertheit, um immer mehr auf den Tops vom uralten Despotismus des Ostens hin zu konvergieren. Hegel und Marx trugen dazu gleichermassen bei.

Allgemeines und Besonderes

Der universalistische Erkenntnisanspruch der Aufklärung wurde dort, wo sich die sozialen Verhältnisse Asiens zu offensichtlich von denen Europas unterschieden, zum Problem, das manchmal dadurch umgangen (mehr als gelöst) wurde, dass scheinbar nicht übertragbare Beschreibungskategorien verwendet wurden. Das barg die Gefahr, Phänomene wie die soziale Schichtung, das Verhältnis der Geschlechter im privaten und im öffentlichen Bereich oder auch die Auswirkungen des Klimas auf die soziale Ordnung so darzustellen, als seien sie mit europäischen Verhältnissen völlig unvergleichbar. Nur wenige Berichterstatter und Gelehrte – Carsten Niebuhr, Constantin François de Volney und Alexander von Humboldt etwa zitiert Osterhammel besonders gern – vermochten es, das Allgemeine zu erkennen, ohne die eigenen Massstäbe absolut zu setzen und den Blick für das Besondere zu verlieren.

Sich von den Asiaten oder ebenso vage abgegrenzten Bevölkerungsgruppen und Ländern wie etwa den sogenannten Tataren und der Tatarei ein Bild zu machen, war unter den im 18. Jahrhundert gegebenen Reise- und Informationsbedingungen sehr viel schwieriger, als es heute noch immer ist. Für die Aufklärer aber war das kein Grund, es nicht zu versuchen. Über «den anderen» alles schon zu wissen und alles, was ihn betrifft, mit den vorgestanzten Kategorien eines gegen jede Einsicht resistenten Begriffssystems zu erfassen, ist bequem. Dagegen anzukämpfen war ihre grosse Leistung. Ihren Bemühungen war es zu danken, dass Europas Asienbild schärfere Konturen gewann. Freilich konnten sie nicht Garanten dafür sein, dass nichts von dem Erreichten zurückgenommen, dass ein einmal entlarvtes Vorurteil nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder wirksam wurde. Das offenbart Osterhammels akribischer Literaturbericht, der dadurch zu einem wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis des komplizierten Verhältnisses von Europa und Asien wird.

Florian Coulmas -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

In der Gegenwart könnte sich wieder ein Gleichgewicht zwischen Europa und Asien herstellen, wie es ähnlich im 18. Jahrhundert bestand. Auf hohem Informationsstand wurde Asien damals zugleich entzaubert und besser verstanden als in den Jahrtausenden davor. Jürgen Osterhammels Buch ist eine Synthese auf der Grundlage breiter Quellenstudien. Es schildert die Aufgeschlossenheit der europäischen Aufklärung gegnüber anderen Hochkulturen, die ab 1800 in eine neue, heute noch nachwirkende Arroganz umkippte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die asiatische Geschichte gilt auch erfahrenen Reisenden gemeinhin als ein Buch mit sieben Siegeln. Die vorliegende Veröffentlichung, hervorgegangen aus dem Fernstudienkurs "Neuzeitliches Asien" der Fernuniversität Hagen, gibt deswegen dankenswerterweise sieben Antworten auf Grundfragen der asiatischen Geschichte, die zugleich als ein vielseitig verwendbares Reisebuch zur Einführung in die asiatischen Gegenwart gelesen werden können. "Asien ist eine Erfindung Europas" heißt es in der Einleitung, in der die Grundkonstanten der asiatischen Geschichte seit dem Beginn der Entdeckungen bis zum Abschluß der Entkolonialisierungsbewegungen umrissen werden. An sieben Fallbeispielen werden sodann die großen geschichtliche Wegmarken nachgezeichnet, anhand derer sowohl die Art der europäischen Herausforderung wie auch die jeweils spezifische und kulturgebundene Form der japanischen, philippinischen, iranischen, indischen oder chinesischen Antwort deutlich wird. Wieso gelang Japan in der Meji-Restaurtion jene staunenswerte "Revolution von oben" und damit der blitzartige Sprung vom Feudalismus in die Industriegesellschaft? Wie entwickelte sich die Sonderstellung der Philippinen als des einzigen katholischen Landes Asiens? Wie wurde der schiitische Islam, einer der bewegenden aktuellen Kräfte im westasiatischen Raum, zur iranischen Staatsreligion? Welche Spuren hinterließ der britische Kolonialismus in den nordindischen Provinzen, die heute zu den dichtbesiedeltesten Regionen der Erde gehören? Wie verlief der Prozeß der intellektuell-weltanschaulichen Neuorientierung in China nach dem Ende des Kaiserreiches? Die aktuellen Bezüge dieser und anderer kurz und verständlich geschriebenen Abhandlungen sind unübersehbar. Sie bieten nicht nur dem kultur- und geschichtsinteressierten Asienreisenden einen ersten und leichtverständlichen Einstieg in die Vergangenheit und Gegenwart der schier unendlichen asiatischen Welt, an dem es bislang - jedenfalls in dieser Prägnanz und leichten Verständlichkeit - mangelte. Der etwas stolze Preis für dieses Taschenbuch, das als Originalausgbe erschienen ist, mag unter diesen Umständen als gerechtfertigt erscheinen
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Wie bei fast allen Werken von Osterhammel lohnt sich die Lektüre auch bei diesem Buch sehr. Allein die Materialfülle, die schiere Faktenflut ist das Geld wert. Sicher wirkt sie oft erschlagend, aber durch den erzählsicheren Schreibstil entsteht aus der Aneinanderreihung von Fakten ein Bild des 18. Jahrhunderts, welches geprägt ist von mannigfachen Beziehungen zwischen Asien und Europa. Geschichtsschreibung sollte eben nicht nur die Wiedergabe der Fakten und deren Interpretation sein, sie sollte die Geschichte lebendig werden lassen und dem Leser eine bildhafte Vorstellung vergangener Zeiten geben. Das vermag Osterhammel meisterhaft.

Ebenso heißt Geschichte auch immer den Gegenwartsbezug herauszuarbeiten. Geschichte ist immer nur interessant in ihrer Wirkung auf das Heute. Osterhammel zeigt mit seinem Werk, wie wechselhaft von Epoche zu Epoche das Bild von fremden Völkern ist. Das Europa des 18. Jahrhundert sah im Großen und Ganzen Asien ohne jegliche Abwertung. Die Länder China, Japan, Indien, das osmanische Reich oder Persien konnten in der europäischen Literatur den Rang beispielhafter Staatswesen erreichen. Mongolische Heerführer konnten als weise Staatsmänner gepriesen werden. Der Eurozentrismus brach erst nach der Aufklärung in Europa aus. Die Arroganz gegenüber dem Rest der Welt als Grundlage eines weltweiten Kolonialismus war gerade erst im Entstehen begriffen. Wenn Geschichte helfen kann zu verstehen, dass Vorurteile, Abwertungen fremder Kulturen und Selbstüberschätzung genauso historischen Konjunkturen unterliegen wie politische Macht oder wirtschaftliche Entwicklungen, dann hilft sie zugleich zu verstehen, dass diese Phänomene reine Konstrukte sind, die mit Offenheit und Verstandestätigkeit dekonstruiert werden können, so wie es die Aufklärer im 18. Jahrhundert taten und sich so die Vielfältigkeit der Welt nutzbar machen konnten.

Das Buch ist allen historisch Interessierten zu empfehlen, die sich nicht nur Faktenreichtum wünschen, sondern eine bildhafte Vorstellung einer Epoche europäisch-asiatischer Beziehungen bekommen möchten.
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