Natürlich kenne und schätze ich das Spätwerk (naja, mittlerweile kann man das wohl so auch nicht mehr nennen :-P) der Zitronen und "Lenin" (, das Vorgängeralbum) ist einer meiner absoluten Lieblingsplatten und hier liegt das Problem.
"Lenin" ist einfach zu groß, zu gut, um nochmals eins Drauf setzen zu können.
Nicht, dass es Die Goldenen Zitronen nicht versuchen würden, oh nein, musikalisch gesehen kann ein Fortschritt nicht geleugnet werden, aber wer kauft sich schon Alben der Goldenen Zitronen wegen der Instrumentalisierung?
Eben, auf die Texte kommt es an und hier erwartet den Hörer nichts neues, wenn auch nichts besonders Schlimmes (, im Vergleich mit den sonstigen Texten, die man heutzutage serviert bekommt, kann man das hier Dargebotene auch gut nennen).
Dazu kommt eine ziemlich sinnfreie Anordnung der Lieder. Das "Lied der Medienpartner", eine Quasifortsetzung vom "Lied der Stimmungshochhalter", welches der Opener des letzten Albums war, und welches demgemäß am Beginn des Albums zu stehen hätte rangiert hier als zehntes Lied, völlig sinnfrei zwischen "Über den Pass" und "Wir verlassen die Erde" platziert (während der Openener "Zeitschleifen" jegliche Anforderungen eines Openers im Unerfüllten lässt). Und "Wir verlassen die Erde" welches sich nur allzu offensichtlich als letztes, nicht rein instrumentales, Lied geeignet hätte, wird vom (toll gelungenen) Gastbeitrag "Beautiful People" abgelöst, blablabla ... um abzukürzen: eine harmonische Songabfolge sieht wirklich anders aus.
Aber was hab ich mich nicht gefreut, zu sehen, dass Die Goldenen Zitronen "Bloß weil ich friere" interpretieren, ein Lied, das ich von der Compilation "Operation Pudel 2006 ZD 50" kannte und welches sich zu einem meiner Lieblingslieder mauserte.
Zu meinem Erschrecken, wird es auf "Die Entstehung der Nacht" textlich jedoch wirklich zu Tote geprügelt, so drastisch fallen hier textliche Verschlimmerungen auf, wo im Original eine seltsame Mischung aus Humor und Tragik entsteht, wird hier die zweite Hälfte des Lieds, in dem die Dramatik eigentlich rasant steigt, einfach durch eine Version ersetzt, in der Kamerun seine ätzende Kritik überschäumen lässt - Empathie war zwar noch nie eine Stärke der Zitronen, aber hier wird auf Grund fehlender Menschlichkeit letztendlich nur noch auf ein Klischee eingeprügelt, was die Unternehmung und, ihre Unternehmer erst recht, degradiert.
Man kann es Ironie oder auch Geschmachlosigkeit der Geschichte nennen, dasss gerade eben jenes Lied von der Spex zum drittbesten des Jahres gewählt wurde (;ein Hoch auf den deutschen Musikjournalismus).
Ich würde gerne dieser, von mir sehr geschätzten, Gruppe mehr als 3 Sterne geben, unter anderem auch wegen der schönen, reich bebilderten, beiliegenden Textesammlung, aber im vorliegenden Falle erscheint mir das einfach als unmöglich.