Zuallererst: Dieses Buch ist sicherlich kein Nachttisch-Buch. Wenn es auch weitestgehend sehr einfach verständlich geschrieben ist, so fordert die Auseinandersetzung mit den Thesen doch einen wachen Verstand.
Wer wegen der direkten Anrede im Buchtitel einen Ratgeber erwartet, wird sich schwer tun, konkrete Handlungsanweisungen und den Weg zum Glück" zu finden.
Weshalb ich dieses trotzdem für gut und wichtig halte?
Das Buch stellt interessante Fragen über uns und vor allen Dingen über unsere Gesellschaft. Jeder kann sich in den Thesen vom Opferlamm, in den Aussagen Man müsste mal..." und in den Träumereien à la Ach, wenn ich damals nur..." wiederfinden. Während des Lesens wird dem Sprenger-Neuling so einiges klar über die Zusammenhänge zwischen Motivation und Fremdbestimmung. Der Autor beschreibt eine Lebensphilosophie, die das Glück im Augenblick sucht und zeigt die Problematik fadenscheiniger Lebensziele wie Reichtum, Schönheit und Berufskarriere auf. Achtung: Er verurteilt solche Ziele nicht, bezweifelt aber, ob die Erreichung dieser Ziele den Menschen glücklicher macht. Vielmehr erklärt er, dass wir in jeder Moment unseres Handelns nach Glück in eben jenem Augenblick suchen sollen. Und er belegt dies mit interessanten Argumenten.
Das Buch hilft, unsere Gesellschaft besser zu verstehen. Die Problematik der kollektiven Fremdbestimmung, die Demotivation durch Fremdbestimmung, ja selbst aktuelle politische Themen, wie die Neiddiskussion um Managergehälter und die Subventionspolitik. Es zeigt auch auf, wie sich unsere Gesellschaft anders orientieren könnte, wie jeder einzelne mehr Lebensglück finden kann.
Die Theorien Sprengers orientieren sich hierbei sehr stark an den klassischen asiatischen Lehren. Nach klaren Handlungsanweisungen für Problemsituationen sucht man dabei vergeblich. Dies ist aber auch nicht nötig, wenn man das Buch als Beschreibung einer Über-Lebensphilosophie für die Menschheit betrachtet.
Deshalb empfehle ich dieses Buch eher nicht für Menschen in Lebenskrisen sondern vielmehr für Politiker, Manager und Führungskräfte.
Ohnehin spricht es eher rationale Denker an: Das emotionale Thema Lebensglück" wird als Folge von bewussten Entscheidungen (also rationaler Handlungsweisen) dargestellt. Wie das funktionieren soll, kann ich mir kaum vorstellen. Auf der Meta-Ebene des Buches indes, ist auch dieser Schwachpunkt zu verschmerzen.
Dennoch lassen sich einige Thesen selbstverständlich in jedermanns Alltag umsetzen, z.B.:
- Ehre deine Vergangenheit. Sie hat dich zu dem gemacht, was du bist, aber weine ihr keine Träne nach.
- Orientiere dich nicht zu stark an der Zukunft. Das Leben ist zu kurz, um darauf abzuzielen eines Tages glücklich sein zu wollen.
- Das Glück liegt im jetzt und hier. Erlebe Selbsterfüllung in diesem Augenblick und das funktioniert nur, wenn Du Dir der großen und kleinen Entscheidungsmöglichkeiten in Deinem Leben bewusst bist.
Für Denker und Lenker: 5 Punkte
Für Leute, die glücklicher Leben wollen: 2 Punkte
Für Mich: 4 Punkte