Orchestral ist diese Entführung eine echte Offenbarung, Gardiner lässt die English Baroque Soloists so inspiriert aufspielen, dass es eine wahre Freude ist und der schlanke Klang ermöglicht es dem Hörer jederzeit alle Instrumentengruppen deutlich herauszuhören. Auch sängerisch trifft diese Einspielung fast durchweg ins Schwarze, wobei hier auch zu bemerken ist, dass es sich eher um junge und unverbrauchte Stimmen handelt als um ein großes Starensemble. Luba Orgonasova überzeugt mit geläufigem Sopran als Konstanze, auch wenn sich die Stimme in etwas dramatischere Gefilde wagt. Herrlich auch das schnippisch quirlige Blondchen Cyndia Siedens. Stanford Olson ist rein stimmlich der Partie des Belmonte selbstverständlich gewachsen, wer aber einen vollen runden Mozartklang erwartet, sollte doch zu einer anderen Einspielung greifen, denn sein etwas nackter Stimmklang ist doch gewöhnungsbedürftig. Uwe Peper gibt einen hervorragenden Pedrillo mit ausdrucksstarkem und charakterlich großem Tenor. Interessant auch die jugendliche Stimmfärbung von Cornelius Hauptmanns Osmin, der hier keinen ältlichen Haremswächter abgibt sondern eine wirkliche Konkurrenz zu den beiden Tenören darstellt. Eine interessante Bereicherung zum doch schon relativ großen Entführungs-Katalog.