Ein Buch, das viel verspricht, aber wenig hält.
Peter Jürgen Boock, auskunftsfreudiges ehemaliges RAF-Mitglied der sogenannten "zweiten Generation" und maßgeblich an der Schleyer-Entführung beteiligt, hat seine Sicht des Herbstes 1977 in einer romanhaften, sogenannten "dokumentarischen Fiktion" beschrieben. Boocks Ausführungen beinhalten nicht nur die Entführung des Hanns-Martin Schleyer sondern auch die Flucht einiger RAF-Mitglieder nach Bagdad, die Kontakte mit den Palästinensern und am Ende die Geschehnisse um die "Landshut" und die Reaktion auf die Stammheimer Selbstmorde. Der Autor verwendet dabei ' typisch für die RAF ' nicht die wahren Namen der Beteiligten sondern vergibt Synonyme. Boock ist dabei stellenweise kritisch, erzählt z.B. wie die "Verhöre" von Schleyer ins Leere liefen.
Die Diskussion, ob man Bücher von Tätern lesen soll, stellt sich hier nicht denn das Buch bietet dafür zu wenig neues und ist zudem stilistisch fragwürdig. Wie hier schon angemerkt wurde bewegt sich dieser teils auf Kolportageniveau. Und wirkliche Erkenntnisgewinne finden nicht statt, weil sich Boock größtenteils in Nebensächlichkeiten verliert, auch wenn die memorierten Verhöre Schleyers teils interessant sind. Hin und wieder erfährt man noch, wie die RAF sich während der Entführung organisierte, wie "aufwändig" die Kommunikation und Koordination der Terroristen untereinander lief. Doch das sind marginale Gewinne für den interessierten Leser, die den Kauf des Buches nicht rechtfertigen.
Mit Sicherheit kein Beitrag zur Zeitgeschichte.