Eine kleine Broschüre von 48 Seiten Text und 34 Farbtafeln verändert unser bisheriges Geschichtsbild.
Leider ist es so, dass die wichtigen Ergebnisse von Ausgrabungen kaum in der Öffentlichkeit bekannt werden. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Ausgrabungen in Rostock oder Stralsund, um die sensationelle Entdeckung eines überbauten Tempels in Copan (Mexiko) oder um die Ausgrabungen von Catal Höyük handelt. Dabei haben die Grabungsergebnisse gerade der letzten Stätte die bisherigen Geschichtstheorien ziemlich durcheinandergewirbelt. Glücklicherweise hat Heinrich Klotz in einer sehr anschaulichen und mitreißenden Art und Weise die Bedeutung dieser Ausgrabungen publiziert. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe wurden die Grabungsergebnisse eines englischen Teams am Computer visualisiert, sodass für die Publikation eine ganze Reihe von faszinierenden Abbildungen zur Verfügung stand.
Klotz geht kurz auf die Entwicklung des Menschen ein und macht deutlich, dass die Anfänge von Ackerbau und Viehzucht nicht etwa in den späteren kulturellen Zentren der Frühgeschichte, dem Zweistromland und Ägypten, vonstatten gingen, sondern in Kleinasien und Anatolien! Die neolithische Revolution ging also nicht einher mit der Entwicklung der großen Macht- und Kulturzentren. Die erste nachweisbare Stadt Jericho entstand in Palästina, die "erste ausgeprägte städtische Kultur" lässt sich in Chatal Höyük nachweisen - und das bereits um 6500 v. Chr.! Bisher galt die Theorie, dass die ersten Stadtkulturen um 4000 v.Chr. im Zweistromland entstanden. Da dieses Buch bereits 1997 publiziert wurde, konnte der Autor natürlich noch nichts von den neuen Ausgrabungen in Göbekli Tepe wissen, die wiederum die hier vorgestellten Ergebnisse um einiges relativieren! Aber das ist der Lauf der archäologischen Wissenschaft - eine einzige Ausgrabung kann durchaus zum Einstampfen bisheriger Lehrbücher führen.
Aber bereits durch die Ausgrabungen in Chatal Höyük kamen völlig neue Erkenntnisse ans Tageslicht. Dank der Computertechnik ist es gelungen, die Ausgrabungsergebnisse auch visuell darzustellen. In beeindruckenden Bildern wird der Betrachter scheinbar in die einzelnen Räume hineinversetzt, die von den Archäologen in mühevoller Kleinarbeit rekonstruiert worden sind. Der erläuternde Text von Heinrich Klotz tut sein Übriges zum hervorragenden Verständnis einer untergegangenen Kultur, die allem Anschein nach ganz am Anfang der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft stand.