Nach solchen gut gemachten und breit angelegten Sachbüchern muß man sonst lange suchen: Ein intelligenter Mensch schreibt über ein Thema und zwar aus der Sicht verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, aber auch Kunst und Philosophie werden berücksichtigt, und es gibt dazu noch interessante Geschichten zu lesen. So entlarvten zum Beispiel die viel zu kurzen Schatten eine Polarexpedition, die es gar nicht zum Nordpol geschafft hat.
Obwohl uns der Schatten unablässig folgt, müssen wir erst im Laufe der Kindheit erlernen, wie er entsteht, und daß er auf einer Zeichnung oder einem Gemälde korrekt konstruiert wurde, ist erst fünf Jahrhunderte her. Natürlich werden im Buch die größten uns bekannten Schatten in dem Buch ausführlich behandelt: die Mond- und Sonnenfinsternisse. Und auch die Funktionsweise von Sonnenuhren, die ja eigentlich Schattenuhren sind, wird genau beschrieben und erklärt. Die 25 Schwarz-Weiß-Abbildungen machen das Buch anschaulich und verdeutlichen komplizierte Zusammenhänge.
Ich habe es richtig genossen, wie Roberto Casati mit Humor und viel Fachwissen über den Schatten schreibt. Nehmen Sie sein Buch in ihre Hausbibliothek auf und nutzen Sie es auch als Nachschlagewerk. Das Buch kann nämlich nicht veralten, da der Schatten seine Eigenschaften nicht ändern wird. Am Ende gibt es übrigens eine wunderbare zeitlich geordnete Übersicht der wichtigsten Entdeckungen zum Schatten oder mit dem Schatten als Hilfsmittel und dazu noch ein erstklassig komprimiertes und anschauliches Kapitel, das die Namen der Schatten benennt. Eine Zusammenfassung, die jedem Architektur-, Astronomie und Kunstprofessor Ehre machen würde. Und zu den einzelnen Kapiteln gibt es eine Menge Literaturhinweise, die zeigen, daß hier viel hochwertiges Hintergrundwissen zusammengetragen und so aufbereitet wurde, damit der Leser es in verdaulicher Form genießen kann.