John Franklin, der Protagonist der Geschichte ist langsam, sehr langsam. Wenn die Kinder mit dem Ball spielen, kann er nur die Schnur halten. Diese hält er aber stundenlang, ohne dass sie sich auch nur ein bisschen regt. John ist langsam aber stetig. Die vermeintliche Behinderung hat aber auch Vorteile, die er langsam auszunützen weiss. John geht zur Marine und nimmt schon als Jugendlicher an Seeschlachten teil. Aber sein grosses Ziel bleibt die legendäre Nord-Westpassage zu entdecken.
Die positiven Aspekte der Langsamkeit scheinen in unserer Gesellschaft keine Existenzberechtigung zu haben, doch John kann uns eines Besseren belehren. Die Sicht auf das Detail und nicht nur die Ergründung der Oberflächlichkeit ist seine grosse Gabe. John verliert nicht an Zeit, er weiss sie einfach anders zu nutzen. Mit der Zeit schafft er es auch Situationen zu bewältigen, die schnelleres Handeln erfordern, dies auf seine eigene Art und Weise. Mit einer anderen, flexibleren Sicht auf die Probleme, die sich ihm stellen, schafft er diese schneller zu lösen, als manch anderer.
Sten Nadolny hat mit seiner subtilen Sprache dazu beigetragen, die Entwicklung der Langsamkeit im Buch mit zu erleben, sie zu verstehen. Der Roman ist zeitlos, obwohl die Handlung in einer geschichtlichen Epoche eingebettet ist. Dass der Roman auch jetzt noch hochaktuell ist, erstaunt mich nicht, denn das Streben nach Schnelligkeit ist ein jahrhundert altes Ziel der Menschheit.
Dass die Geschichte des Seefahrers John Franklin weitgehend auf wahre Begebenheiten beruht, übt eine weitere Faszination auf mich aus.
Ich empfehle dieses Buch zu lesen, denn es ermöglicht einem eine völlig neue Wahrnehmung der Zeit und ihrer Erscheinungen. Sich Zeit zu nehmen, eine Blüte einer Blume zu beobachten, diese im Detail zu studieren, das lehrt einem John. Die Kunst besteht darin, auch das zu lesen, was zwischen den Zeilen steht und dann entpuppt sich dieses Buch als Anreiz zu philosophieren.