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Die Entdeckung des Himmels
 
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Die Entdeckung des Himmels [Taschenbuch]

Harry Mulisch , Martina den Hertog-Vogt
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (99 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Entdeckung des Himmels
OT De ontdekking van de hemel OA 1992 DA 1993Form Roman Epoche Gegenwart
»Ein heiteres Spiel, ein ernster Scherz« nannte Harry Mulisch sein 1992 erschienenes Opus magnum Die Entdeckung des Himmels, einen breit angelegten psychologischen Gesellschaftsroman, der Zeitgeschichte der 1960er und 1970er Jahre, Ethik und Philosophie in einem komplexen Universum vereint.
Inhalt: Gott beauftragt seine himmlischen Heerscharen, die in einem Geheimversteck in Rom lagernden mosaischen Gesetzestafeln von der Erde zu holen und in den Himmel zu bringen. Da kein Mensch von ihrer Existenz weiß, muss ein Wesen erschaffen werden, das den Plan ausführen kann. Deshalb planen die Engel die Zeugung der Hauptfigur, Quinten Quist. Seine zwei biologischen und befreundeten Väter sind der Sternenforscher Max Delius und der Sprachenforscher Onno Quist. Als Mutter wird die Musikerin Ada auserkoren, die erst die Geliebte des einen, später die Frau des anderen wird. Noch während der Schwangerschaft verliert sie durch einen Autounfall ihr Bewusstsein und vegetiert im Krankenhaus dahin.
Im Mittelpunkt des Romans stehen Erziehung und Reifeprozess des von den Göttern erwählten Boten. Ein Kernstück spielt auf dem Schloss Groot Rechteren, von deren Bewohnern Quinten aufgezogen wird, darunter der Bildhauer Kern und der Übersetzer Proctor. Dank der unkonventionellen Ausbildung und der unterschiedlichen Anlagen seiner beiden biologischen Väter ist er befähigt, seine göttliche Mission zu erfüllen: In derselben Nacht, in der seine leibliche Mutter stirbt, stiehlt Quinten die steinernen Gesetzestafeln aus dem Sancta Sanctorum in Rom. Am Tag ihrer Einäscherung fährt Quinten in den Himmel auf, während die Buchstaben der inzwischen nach Israel zurückgekehrten Tafeln in den Himmel aufsteigen.
Aufbau: Die Entdeckung des Himmels verbindet Mulischs pessimistische Weltsicht mit einer sprachgewaltigen Bilderflut. Durchwoben wird der labyrinthisch konstruierte Roman von Wort- und Zahlenspielen sowie zahlreichen literarischen Verweisen (u. a. Franz R Kafkas Brief an den Vater, 1919). Ebenso greift Mulisch bereits behandelte Themen früherer Werke auf (u. a. Auschwitz, das Motiv des Verrats und die Vorliebe für mystische Zahlensymbolik und allumfassende kosmologische Zusammenhänge).
Wirkung: Von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert und allein in den Niederlanden mit einer Erstauflage von 250 000 Exemplaren gestartet, wurde Die Entdeckung des Himmels das bis heute erfolgreichste Werk von Mulisch. Allerdings wurden auch kritische Stimmen am zunehmend patriarchalischen Weltbild des Autors laut, dessen Kosmos keine andere Lesart als die von ihm festgelegte zulässt. W. Co.

Kurzbeschreibung

Eine in dieses umtriebige und abgründige Jahrhundert ausschwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Liebe, die aufmüpfigen sechziger, die pragmatischen siebziger und die windigen achtziger Jahre und den langen Nachhall der Kriegs- und Nachkriegszeit; über ein ungewöhnliches Kind, das einen noch ungewöhnlicheren "Auftrag" hat; einen Astronomen und Don Juan, der nie zur Ruhe kommt, und ein Sprachgenie, das in der Politik Karriere macht.

Der Verlag über das Buch

Ein Totalroman, eine in dieses umtriebige und abgründige Jahrhundert ausschwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Liebe, die aufmüpfigen sechziger, die pragmatischen siebziger und die windigen achtziger Jahre; und den langen Nachhall der Kriegs- und Nachkriegszeit; über ein ungewöhnliches Kind, das einen noch ungewöhnlicheren Auftrag hat; einen Astronomen und Don Juan, der nie zur Ruhe kommt, und ein Sprachgenie, das in der Politik Karriere macht. »Harry Mulisch hat sich selbst zum Romanhelden gemacht und ein Meisterwerk geschaffen. Ihm gelingt ein großer Zeitroman der Nachkriegsgeneration.« DER SPIEGEL -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

Geboren am 29.Juli 1927 in Haarlem, Sohn eines ehemaligen Offiziers aus Österreich-Ungarn, welcher im Zweiten Weltkieg mit den deutschen Besatzern kollaborierte, und einer Jüdin aus Frankfurt; seine später geschiedenen Eltern sprachen Deutsch miteinander. Mulisch verfasste zwischen 1947 und 1959 einige Romane und literarische Artikel und Rezensionen in niederländischen Zeitungen (Berichterstatter u.a. für "Elseviers Weekblad"). Die Teilnahme am Eichmann-Prozeß verarbeitete er in der Reportage "Strafsache 40/61", das 1963 mit dem Vijverberg - Prijs ausgezeichnet wurde. Seither schrieb er Romane, Erzählungen, Gedichte, Dramen, Opernlibretti, Essays, Manifeste und philosophische Werke. Spätestens mit seinem in sechzehn Sprachen übersetzten politischen Roman "Das Attentat" wurde er weltberühmt, die Verfilmung von Fons Rademaker erhielt einen Oskar. Für sein literarisches Schaffen erhielt er 1995 den Niederländischen Literaturpreis. Harry Mulisch lebt heute in Amsterdam.

Auszug

Die Familienfeier

Genau um Mitternacht sorgte Ich für einen kurzschluß. Wer durch die stille Haager Allee ging, gegen den Frost tief in seinen Mantel gehüllt (aber so jemanden gab es in diesem Moment nicht), sah im frei stehenden Patrizierhaus plötzlich alle Lichter ausgehen, als ob dort drinnen eine riesige Kerze ausgeblasen worden wäre. Für die Bewohner des Viertels hatte die Villa eine einigermaßen zweifelhafte Ehre: dort wohnte der legendäre Staatsminister, der streng reformierte Hendrikus Quist. In den Zimmern unten im Erdgeschoß, wo die Feier stattfand, wurde die plötzliche Dunkelheit und das Verklingen der Musik in einer unendlich tiefen Höhle mit Lachen begrüßt.

»Jetzt ist das Jungvolk dran«, rief eine schon nicht mehr so junge Frauenstimme.

»Wer ist hier technisch versiert?«

»Ich mache das schon. Wo sind die Sicherungen, Großmutter?«

»Auf dem Stromzähler, in dem Schränkchen neben der Kellertreppe.«

»Jemand muß mit irgend etwas herumgepfuscht haben, einen Kurzschluß gibt es doch nicht einfach so.«

»Ich sehe kurz nach den Kleinen auf dem Dachboden.«

»Au!«

»Irgend jemand hat natürlich wieder diesen verdammten Toaster benutzt. Coba? «

»Ja, gnädige Frau?«

»Hast du den Toaster benutzt?«

»Nein, gnädige Frau. «

»Schau nach, ob im Wandschrank noch Kerzen sind.«

»Ja, gnädige Frau.«

Nur die Straßenlaterne warf noch etwas Licht herein. Im dunklen Wintergarten auf der Rückseite erhob sich eine große Person aus einem Korbsessel. Mit einem Glas in der Hand überblickte sie die Dutzende Schemen.

»Nein, Mutter! .« rief der Mann laut und betonte jedes Wort:

»Es hat nichts mit Toastern zu tun. Es hat begonnen.«

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