Auf dem Titelbild von „Die Entdeckung der Arktis" heißt es „Ein Wissenschaftsbuch, das sich wie ein Krimi liest." Bücher, die so angepriesen werden, lesen sich selten wie Krimis und wenn doch, dann wie schlechte. Hier ist es anders.
Der Plot ist von Officer und Page gut gesetzt. Sie beginnen mit Fakten zur Arktis und verstehen es so, Erwartungen und Spannung zu steigern. Einer vollständigen Chronik verpflichtet, haben sie die ersten Fahrten in den hohen Norden zusammengetragen, wobei sie die Leser nicht nur auf Wikinger stoßen lassen. Die eigentliche Entdeckung der Arktis beginnt für die beiden Autoren am 10. Mai 1553 mit drei englischen Schiffen, die sich auf die Suche nach der Nordostpassage begeben.
Von da an geht es Schlag auf Schlag. Die Reisen von Barents, Hudson, Baffin, Bering, Ross, Parry, Franklin und etlichen anderen werden nachgezeichnet. Wer mit diesen Namen nichts verbindet, sollte im Registerteil seines Atlas nachschlagen. „Die Entdeckung der Arktis" wäre kein Krimi, kämen nicht auch Leichen vor: Hudson und Franklin sind die bekanntesten Opfer, die in der Kälte geblieben sind.
Das Buch fällt durch seine wohl dosierte Sprache und seinen zurückgenommenen Stil auf. Vor Pauschalisierungen und Detailüberfrachtung braucht sich niemand zu fürchten. Im Gegenteil: Anekdoten und Zitate sind so geschickt platziert, dass der Leser jedem Umblättern entgegenfiebert. Wenn die Autoren das späte 19. Jahrhundert erreichen, sind sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage noch immer nicht zufriedenstellend bewältigt. Dafür lockt die zweite große Herausforderung der Arktis - den Pol zu erreichen.
Gegen Ende des Buchs werden diejenigen überrascht, die in der Schule noch brav gelernt haben, dass Robert Peary am 6. April 1909 als erster Mensch am Nordpol stand. Der Schurke der Geschichte ist entlarvt, alle Indizien sprechen gegen ihn. Wer tatsächlich als Erster am Nordpol stand und wie die Entdeckung der Arktis weiterverlaufen ist, sei hier nicht gesagt - wer verrät schon gerne die Auflösung eines Krimis?