Inhalt:
Zwei, eine Jägerin, die in einer Enklave unter New York City ihr Dasein fristet, setzt ihren ganzen Glauben in ihre Enklave. Ihr einziger Schutz, für den sie auch die strengen Regeln befolgt und ihre Aufgaben so gut es geht bewältigt. Doch als sie endlich zur richtigen Jägerin aufsteigt merkt sie schnell, was es heißt in stockdunklen Tunneln unter der Oberfläche nach Nahrung zu suchen, denn das ist eine der Aufgaben der Jäger in der Enklave. Allerdings ist das jagen Zweis gerinstes Problem, denn die Freaks, verwesende Halbtote, die nach Menschenfleisch gieren, scheinen klüger zu werden, wodurch es schwieriger wird sie zu töten. Als wäre ihr Leben nicht schwer genug wir sie dem Außenseiter Bleich zugeteilt, der zwar der beste Jäger ist, aber nicht aus der Enklave stammt, sondern von Oben. Zwei vertraut ihm mehr und mehr und als sie plötzlich grundlos aus der Enklave verbannt wird, folgt er ihr freiwillig. Eigentlich wäre die Verbannung ihr sicheres Todesurteil, aber Zwei und Bleich sind grandiose Kämpfer, die sich bis an die Oberfläche durch kämpfen, um endlich in den Norden zu gelangen, der Bleich nach der einzige Ort ist wo die Menschen noch gut leben.
Gemeinsam begeben sie sich auf die Reise und durchqueren das verlassene New York, Freakgebiete und Kämpfen mehr als einmal um ihr Leben. Haben beide eine Chance auf richtigen Frieden? Und was ist mit Zweis Gefühlen gegenüber ihrem Partner Bleich?
Meinung:
Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Jägerin Zwei, die unter der Erde im dunklen geboren wurde. Sie wächst zwischen Dreck, Dunkelheit und Zombies auf, ganz in in der Unwissenheit, dass man Oben nicht mehr leben könne. Dazu kommt der männliche Hauptprotagonist Bleich, der mir sehr sympathisch war. Zusammen jagen sie Beute für die Enklave oder töten hungrige Zombies, die die Enklave angreifen wollen.
Bei der Enklave handelt es sich um eine Art abgesicherte Stadt unter der Erde. Die Menschen sind vor langer Zeit dorthin geflohen, als die Welt oben nicht mehr bewohnbar war. Es gibt wenig Nahrung und Wasser, viel Dreck und nur Licht dank Fackeln und Feuer. Interessant finde ich die Idee der Unterteilung der Menschen, denn selbst in so einem schlechten Zustand versuchen Menschen Ordnung zu halten, irgendwie ein System zu errichten. Bei 'Die Enklave' gibt es die Zeuger, die Schaffer und die Jäger. Beim Lesen klingt es natürlich immer wieder rabiat, dass es so etwas wie Zeuger gibt, die den Artbestand sichern, aber wenn die Menschheit verblödet geht es nun einmal zurück zum Steinzeit Verhalten.
Die Geschichte bleibt durchgehend spannend, da Zwei und Bleich (Die Namen erhalten die Charakter übrigens durch verschiedene Relikte, d.h. alltägliche Gegenstände) bald aus der Enklave verbannt werden und sie sich somit an die Oberfläche kämpfen. Die Freaks bzw. Zombies finde ich ziemlich klischeehaft was dystopische Romane betrifft, aber dennoch war die Kampfszenen amüsant und vor allem spannend zu lesen. Diese Kämpfe müssen Zwei und Bleich allerdings auch an der Oberfläche fortführen, wozu sich wenig später auch noch zwei weitere Charaktere gesellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten (Tegan und Pirscher). Als Gruppe machen sie sich auf nach Norden, wo Bleichs Vater nach es noch Frieden geben soll. Dies ist auch das besondere an Bleich, denn er wurde Oben geboren, kennt viel mehr Dinge als Zwei, weshalb der Roman auch erst funktioniert, denn Zwei kann zwar unglaublich gut kämpfen, hat aber tierische Angst vor der Sonne, da ihre Haut sie noch nie zuvor gesehen hat.
Alles in allem ist die Geschichte so zusagen eine Reise durch das zerstörte New York. Die Autorin versetzt sich in verschiedene Szenarios und beschreibt sehr konsequent wie verrottet/zerstört die Umgebung ist. Dazu kommen immer wieder Nahrungsmittelknappheit oder überraschende Angriffe der Freaks, die im weiteren Verlauf auch Fresser oder Stummies genannt werden. Dadurch, dass Zwei sich teilweise wie im Steinzeitalter benimmt sind ihre Gedanken auch relativ einfach gestrickt. Sie macht sich zwar Sorgen um ihre Freunde, aber wirklich etwas von Liebe versteht sie nicht. Zwar merkt man schnell, dass Zwei und Bleich etwas füreinander empfinden, aber zu wirklichen Gefühlen kommt es nicht. Der ganze Roman ist förmlich eine dystopische Geschichte in der gegessen, gekämpft und gegessen wird. Das klingt nun etwas langweilig bzw. primitiv ( Zum Punkt primitiv: Zwei kämpft übrigens mit Dolch und Keule), aber die Geschichte hat ein flottes Tempo, wodurch man beinahe selbst mit Zwei und Bleich kämpft. Man kommt kaum zum Verschnaufen und selbst alltägliche Dinge wie Nahrungsmittel in Dosen erscheinen einem in einem neuen Licht.
Trotzdem bin ich ein wenig angesäuert, denn das Ende ist äußerst unbefriedigend. Auch wenn es anscheinend eine Fortsetzung geben wird ist das Ende recht offen und schließt keineswegs gut in sich ab. Der Roman endet einfach, als es erst richtig spannend wird. Cliffhanger hin oder her hätte ich mir das Ende wenigstens etwas abgerundeter gewünscht. Die Gefühle zwischen Zwei und Bleich bleiben ebenso offen.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Er ist keineswegs schlecht, aber irgendwie sehr einfach. Es passt wiederum sehr gut zu dem steinzeitlichen Verhalten, das Zwei an den Tag legt, denn diese spricht eh nur das nötigste. Vielleicht hat sich hier die Autorin etwas zu sehr in ihre weibliche Hauptprotagonistin hineinversetzt, denn der Schreibstil ist in Ordnung, aber mehr auch wieder nicht.
Im englischen finde ich das Cover übrigens weitaus passender. Bei der deutschen Version habe ich mich außerdem ständig gefragt, ob das Verhältnis von Kopf und Blume so überhaupt stimmen kann.
Fazit:
Eine dystopische Abenteuergeschichte, mit viel Kampf, Blut und am Rande einigen, aber wenigen Gefühlen. Die Geschichte ist spannend, gleichzeitig aber auch recht primitiv, da die Hauptcharaktere auf ihrer Reise töten, essen und nach dem Weg suchen. Trotzdem abwechslungsreich in dem ganzen Mainstream von kitschigen Liebesgeschichten. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung der 'Razorland' Reihe und hoffe dann auf ein befriedigenderes Ende.