Ich habe nur das letzte Kapitel gelesen, das Nordpol-Kapitel, und war darüber richtiggehend konsterniert.
Ich kenne die handelnden Personen und vor allem die Orte in diesem Kapitel. Willemsen verwechselt auf diesen wenigen Seiten: Roald Amundsen mit Frederick Cook, die Bering- mit der Barentssee, verlegt Svalbard etwa 2000 Kilometer weit nach Osten (auf dieser Reise kommt man niemals nach Svalbard) und das Polarmeer bis nach Murmansk, er zitiert das russische Dobraye utra (guten morgen) als Dobre uta, verwechselt das patagonische Inlandeis mit Packeis (!), verlegt eine der größten Expeditionen, die jemals in der Antarktis stattgefunden haben, die Transantarctica, in die Arktis, und verwechselt am Ende sogar die ganze Arktis mit der Antarktis.
Dies ist keine künstlerische Freiheit, es sind entschieden zu viele und allesamt überaus peinliche Fehler. Peinlich insbesondere deshalb, weil er gerade in der Nordpol-Geschichte die Reisenden kritisiert, die so sinnentleert dahinreisen und nicht kapieren, wo sie eigentlich sind. Aber das hat er, wie es scheint, auch nicht.
Die Gegend, eine so wertvolle, respekteinflößende Gegend, die er da bereist, dient ihm zu nichts anderem, als schöne, eitle Worte auf ihr abzustellen. Das Eis, irgendein Eis, ist nur die Kulisse. Und damit benimmt er sich exakt genau so, wie die Reisenden, über die er sich so hoch stellt. Willemsens Eitelkeit ist gepaart mit einem geradezu schockierenden Bildungsmangel - oder wie sonst kann man das Verwechseln eines Roald Amundsen mit Frederick Cook nennen? Wenn man über den Nordpol schreibt?
Warum soll man dieses Buch lesen: Um eitle Satzgebilde eines Herrn Willemsen zu hören, der sich beim Schmieden schöner Sätze besser gefällt als bei der handwerklichen Kontrolle seiner Fakten? Der dem Leser nur zeigen will, was er für schöne Gebilde bauen kann, und ihm dabei einen totalen, entschuldigung, Schmarrn erzählt? Es tut mir leid, aber wer sich als so eloquenter, alleswissender Weltmann darstellt wie Willemsen in diesem Buch, der sollte schon auch den Unterschied zwischen der Arktis und der Antarktis kennen, zumal er in einer davon rumgondelt. Oder worauf gründet sich seine Expertise?
Ebenso wie der Region würde Willemsen auch dem Leser etwas mehr Respekt schulden, der es durchaus verdient hätte, dass man beim Schreiben kurz mal nachschaut, ob das Meer, durch das man fährt, nun Bering- oder Barentssee heißt, abgesehen davon dass ich es wie gesagt schockierend finde, dass er das nicht sowieso mitbekommen hat, wenn er schon dort war. Da muss man seine Ohren schon sehr verschließen auf dem Schiff.
Ein so schlampig recherchiertes und auch lektoriertes Buch ist mir selten untergekommen. Eine einzige Luftblase. Ich ärgere mich richtig.