Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hänsel und Gretel, 9. Mai 2002
Das wohl größte Problem, dass viele Leser mit Pynchons dicker Schwarte haben, dürfte die Tatsache sein, dass es auch nach 500 Seiten (von über 1200 Seiten, also knapp der Hälfte des Buches) noch keine klar erkennbare Struktur, geschweige denn eine Identifikationsfigur im herkömmlichen Sinne bereithält. Meines Erachtens sollte man GR nicht unter solch einem Aspekt lesen bzw. auffassen, das Buch funktioniert dann nämlich nicht. Beim stetigen (Weiter-)Lesen merkt man dann irgendwann, dass man hier nicht nur die so ziemlich allerschönste Prosa überhaupt erlebt (und zwar für jede Figur und Situation in einem sprachlich und erzähltechnisch individuell gestaltetem Rahmen. Die deutsche Übersetzung von Thomas Piltz & Elfriede Jelinek ist sehr gelungen) und den abgedrehtesten Situationen beiwohnt (die Sexorgie auf dem Schiff, Barney die Glühbirne, Frau Gnahb, Rocketman himself in allen Situationen und und und), wirklich ergreifende, unvergleichlich intensive Momente geschildert werden (die Szenen im KZ, das (Über-)Leben im zerstörten Nachkriegsberlin). Wie die parabelförmige Flugbahn der stets präsenten V2-Rakete verläuft die Erzählstruktur: am Boden startend, zünden, dann langsam abhebend, in der Mitte irgendwann auf dem Höhepunkt ankommend, Druck, dann wieder langsam fallend, bis zum unaufhaltsamen Aufprall auf der Erde (hier auf ein Kino in LA). So trifft man gegen Schluß alte Bekannte vom Anfang des Buches wieder (Roger Mexico etc.) und Rocketman ist der Held des ganzen.Man kann über GR viel spekulieren, seine physikalischen und mathematischen Genauigkeiten loben (wer's braucht), seine mystischen Qualitäten hervorheben (die *Hänsel+Gretel* Metapher, der Ofen, die Hexe...), letztenendes gilt nur eins: Take it or leave it!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bewußtseinserweiternde Literatur, 15. März 2004
Ein irrer Trip! Es beginnt und endet abrupt, man kann nicht absehen, was als nächstes passiert. Manches was geschieht ist langweilig, vieles hoch interessant und überraschend, einiges ist eklig. Und am Ende ergibt alles überhaupt keinen Sinn. So wie im richtigen Leben. Trotzdem wird es der Leser nicht bereuen, die fast 1200 Seiten zu lesen, denn hinterher fühlt man sich seltsam verändert. Der geistige Horizont ist auf einmal viel weiter geworden. Thematisch geht es hauptsächlich um das Aggregat 4, die so genannte V2, Hitlers Wunderwaffe. Man erfährt einiges über die Rakete und das Land in dem sie entwickelt wurde, also Deutschland. Die Hauptfigur des Romans, der Amerikaner Slothrop, sammelt Informationen über die Rakete. Immer wieder schweift Pynchon ab und berichtet von ganz anderen Dingen. Es geht viel um Sex und Drogen, Macht und Ohnmacht, Politik, Geschichte, Technik u.v.a. Immer wieder wird die Erzählung durch Gedichte, Liedtexte und kleine Geschichten unterbrochen. Obwohl Thomas Pynchon offensichtlich sehr gründlich für dieses Buch recherchiert hat und man erst mal von den vielen Informationen beeindruckt ist, fällt bei näherer Betrachtung auf, daß hier nur mit Wissen geprotzt wird. Alles bleibt oberflächlich und wird nur kurz angerissen, um gleich wieder vom nächsten Thema abgelöst zu werden. Der Leser, der eine herkömmliche Geschichte erwartet, wird verwirrt sein und den Roman vielleicht enttäuscht weglegen. Der klassische Aufbau einer Geschichte mit Einleitung, Höhepunkt und Schluß wird in „Die Enden der Parabel" nicht angewandt, statt dessen wirkt alles wie ein großer Flickenteppich, quasi ein Amerikanischer Quilt. Um es nicht ganz so kompliziert zu gestalten, hält sich Pynchon aber zumindest an die chronologische Reihenfolge. Auch wenn man am Ende nicht recht weiß, was Thomas Pynchon mit diesem Buch erreichen und aussagen wollte, ist jede einzelne Seite dieses Romans eine Bereicherung der Weltliteratur. „Die Enden der Parabel" liest man nicht wegen der (fehlenden) Auflösung am Ende, sondern der reinen Freude des Lesens wegen, der Weg ist das Ziel!
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein sprachgewaltiger Strudel, in dessen Mitte der Tod steht, 29. Januar 2001
Von Ein Kunde
Eines der bedeutendsten Sprachkunstwerke der zweiten Jahrhunderthälfte, ausnahmsweise auch einmal sensibel übersetzt (Danke, Elfriede Jelinek!). Die Handlung ist comicartig und eigentlich eher egal: Der Autor reiht Szenen und Bilder aus der (ziemlich phantasievoll und z.T. anachronistisch) ausgemalten Zeit von Winter 1944 bis Sommer 1945 aneinander, die sich alle um den Tod drehen: Alle hetzen den Todesmaschinen der Nazis hinterher, alle Erotik läuft nur noch aufs Töten hinaus (z.T. harte SM-Szenen), alle Figuren sind süchtig nach dem Tod. Damit wird in immer brillanter, anfangs höchst amüsanter, später immer bedrückenderen Weise die tödliche Verstrickung nicht nur der Weltkriegsepoche, sondern auch der gesamten Zeit danach illustriert: Die westliche Gesellschaft als ein System, das vom Tode lebt und zum Tode strebt, das nichts anderes produzieren kann als Tod. Der Roman endet mit dem Datum des Atombombenabwurfs. Bis man aber begriffen hat, worum es eigentlich geht, ist man aber schon von Pynchons Sprache und Erzählwut gefangen genommen. Nicht unbedingt eine spaßige, aber eine überwältigende Lektüre. Acht von fünf möglichen Sternen.
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