E.T.A. Hoffmanns Elixiere des Teufels gelten als ein großes Werk der deutschen Romantik. Die Geschichte des Mönches Medardus beinhaltet existenzielle Fragen des Lebens und Glaubens, wie die Frage nach Vergebung von Sünden und Erlösung, als auch die Frage nach dem Ziel des Lebens und der eigenen Herkunft. Es ist eine Geschichte von Versuchung, Begierde, von Flucht, von Angst und von innerer Zerissenheit.
---Achtung, evtl. Spoiler im naechsten Absatz----
Medardus, ein Kapuzinermönch findet in der Reliquienkammer seines deutschen Heimatklosters die Elixiere des Teufels, denen er nicht widerstehen kann. Nach dem Genuss erlangt er durch des Satans Kraft großes rhetorisches Talent und wird weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Doch Stolz keimt in ihm auf, der den Glaubensbrüdern nicht verborgen bleibt. Außerdem ist Medardus besessen von wahnsinniger Begierede nach dem Mädchen Aurelie, das er einst im Kloster sah. Er wird folglich auf eine Reise nach Rom geschickt, damit er wieder auf den Pfad der Frömmigkeit komme. Doch die Versuchung für Medardus ist enorm und er scheint zu allem bereit, um Aurelie die seinige zu machen. Auf der Reise nach Rom erlebt er allerlei phantastische und gefährliche Situationen und halsbrecherische Verwicklungen. Ein unheimlicher Doppelgänger folgt ihm überall hin. Das Doppelgängermotiv, sowie Medardus' innere Gespaltenheit (ein Konflikt vor allem zw. dem, was man später das freudsche "Ich" und das "Es" nannte) werden geschickt in einander verwoben und irrwitzige Verwandschaftsverhältnisse, die das Unheil in sich tragen, werden nach und nach offenbar.
---Spoilergefahr beendet---
Die Geschichte wird sozusagen durch die Memoiren des Medardus erzählt, denen Hoffmann ab und zu Kommentare eines "Herausgebers", sowie andere "Dokumente" zum Verständnis des Lesers entgegenstellt. Genau die Erzähltechnik ist es, die das Lesevergnügen so zu nichte macht, dass dafür zwei Sterne abzuziehen waren. Die Idee mit Medardus innerem Konflikt ist genial und auch die Stärke des Romans, doch nie kommt die Geschichte richtig in Fahrt. Noch nie habe ich persönlich ein so geniales Konzept für einen Roman so umgesetzt gesehen, dass es kaum noch Lesevergnügen bereitet.
Dies liegt weder an Hoffmanns Sprache, noch Syntax. Andere Romane des 18. oder 19. Jahrhunderts, wie z. B. Goethes Werther (wenn auch nicht Romantik), um ein Beispiel zu nennen, das die meisten Leser kennen dürften, lesen sich sehr viel flüssiger und auch die englische Variante des "Dracula" liest sich leichtgängiger, um ein Beispiel aus der "morbiden" Romantik zu nennen.
Das Problem ist, dass Hoffmann seinen Medardus in seinen "Aufzeichnungen" die Geschichte meist durch Rückblenden, in Form von wörtlicher Rede, meist belangloser Nebencharaktere, erzählen lässt. Oft sind in dieser wörtlichen Rede auch noch dritte Personen (die in der Geschichte selbst manchmal nie auftauchen) zittiert. Dies macht es sehr schwer zu folgen und der Lesefluss, den man von einem Roamn normalerweise gewohnt ist, kommt überhaupt nicht zu stande. Eine Zuspitzung durch Tempowechsel ist durch die behäbige Umsetzung nicht vorhanden, vielmehr plätschert die Story, trotz aller Konfliktlinien, und allem "Sprengstoff", den sie beinhaltet in seitenlanger wörtlicher Rede vor sich hin. Spannungsaufbau ist leider Fehlanzeige. Die verworrenen Verwandtschaftsverhältnisse, die am Ende kaum noch zu überblicken sind, helfen auch nicht, die Geschichte zugänglicher zu machen.
Letztlich scheiter Hoffmanns großartiges Romankonzept am behäbigen Erzähltempo und an der nicht vorhandenen Spannungskurve. Sehr bedauerlich, denn die Elixiere des Teufels hätten das Potential zu einem großen Meisterwerk gehabt.