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Aber drehen wir die Schraube wieder zurück und betrachten das Originalwerk: Entstehungsdatum? Zwischen 1845 und 1862. Stil? Epochentypisch ist er durch ausführlichste Beschreibungen und viele Akteure für heutige Leser eher ungewohnt. Zeit und Ort der Handlung? Das beginnende 19. Jahrhundert in Frankreich. Inhalt? Nach 20 Jahren Haft wegen Brotdiebstahls wird Jean Valjean entlassen, die Rückkehr ins normale Leben fällt ihm schwer. Unter neuer Identität wird er Bürgermeister und bewirkt viel Gutes in seiner Stadt. Doch der Polizeiinspektor Javert lässt ihn nicht in Frieden, er will Valjean unbedingt wieder in einer Zelle sehen.
Dies ist aber lediglich die Rahmenhandlung. Darin eingebettet prangert Hugo die sozialen Missstände in Frankreich an, das doch mit der Revolution von 1789 eben diese ausmerzen wollte. Hugos Werk handelt von Grundwerten wie Menschlichkeit, Moral, der Möglichkeit einer zweiten Chance. Letztlich ist nicht Valjean der Verbrecher, es sind vielmehr jene, die ihn am Wiedereintritt in ein geregeltes Leben hindern. Diese Thematik ist zeitlos und wird auch in Zukunft für weitere Verfilmungen sorgen. --Joachim Hohwieler
Ich habe selbst mehrere Anläufe dazu benötigt über die ersten Kapitel hinauszugelangen, es hat mir auch ein gutes Stück Disziplin abverlangt, aber selten hat es sich so sehr ausgezahlt.
Die Elenden beschreiben eigentlich den Lebensweg des Jean Valjean, durch die düstere und häufig trostlose Landschaft des frühen 19. Jahrhunderts.
Seine Läuterung und Genese vom hungrigen, armseligen Kleinstkriminellen hin zu einem der grössten Charaktere die die Weltliteratur hervorbrachte.
Jean Valjean ist die Güte, die Stärke, die Hoffnung einer Welt.
Das Buch knüpft an zahlreiche Nebenhandlungen und Charaktere an, die einerseits besagte Langatmigkeit verursachen, zum anderen eine ungemeine Dichte der Fiktion erzeugen und das Werk vielleicht zur authentischsten Milieustudie dieses bewegten Zeitalters machen.
Doch hinter der geballten Informationsmenge die dem Leser entgegengeworfen wird verbirgt sich eine Struktur die die Elenden weit über das Epische hinaus in den Rang einer vollendeten Komposition erhebt.
Und ähnlich wie bei Homer zeichnet sich das tragische Ende überdeutlich ab, und in der Vollendung des Unabwendlichen vollzieht sich ein höherer Wille.
Ein wirklich hervorragendes Werk, das die Mühen, die es zu lesen bereitet, reichlich entschädigt!
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