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Die Elenden von Lódz
 
 
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Die Elenden von Lódz [Gebundene Ausgabe]

Steve Sem-Sandberg , Gisela Kosubek
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 651 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608938974
  • ISBN-13: 978-3608938975
  • Originaltitel: I fattiga i Lódz
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,2 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 89.011 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das Buchereignis des Jahres

Pragmatiker oder Monster? In seinem Roman über das jüdische Getto in Lodz stellt Steve Sem- Sandberg die Frage nach den Mechanismen der Unterdrückung, dem Moment, in dem die Anpassung unerträglich wird. Auch für einen Verräter wie den starken Mann des Gettos, den Judenältesten Mordechai Chaim Rumkowski.

Klappentext

»Die Elenden von Lodz« ist ein einzig artiger Roman mit vielen Stimmen. Er porträtiert neben der zentralen Figur Rumkowskis das Leben zahlreicher Gettobewohner und gibt ihnen so einen Namen und ein Schicksal.

»Wie ein Historiker beschwört Steve Sem-Sandberg die Vergangenheit herauf, wie ein Romancier erhöht er Geschichte ins Allgemeingültige - ein dokumentarischer Roman, der auf grandiose Weise die Stärken dieses Genres aufzeigt.« Ilija Trojanow

Steve Sem-Sandberg wurde für die »Die Elenden von Lodz« mit dem schwedischen »August-Priset« ausgezeichnet, der dem Deutschen Buchpreis entspricht.


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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Leben durch Unentbehrlichkeit 28. September 2011
Von Gospelsinger TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
'Gebt mir eure Kinder!'
Was ist das für ein Mann, der so etwas von seinen Mitmenschen verlangt? Der von Müttern verlangt, sich von ihren kleinen Kindern zu trennen, sie ganz allein in den sicheren Tod zu schicken? Ist dieser Mann ein Täter oder selbst ein Opfer?
Chaim Rumkowski war eine widersprüchliche Persönlichkeit. Fabrikant und gleichzeitig Direktor eines Kinderheims. Retter von Kindern, die er in als Arbeiter in seiner Fabrik unterbrachte und gleichzeitig verantwortlich für die Deportation aller kleineren Kinder des Gettos. Potentat im Getto, der sogar Münzen mit seinem Konterfei prägen ließ, und gleichzeitig unterwürfiger Handlanger der Deutschen. Er wollte Leben durch Unentbehrlichkeit retten und wurde am Ende trotzdem ermordet.
Das Getto von Lodz ist extrem gut dokumentiert. Die 5000 Seiten der Gettochronik listen selbst kleine Details des Alltagslebens auf und bilden daher das Rückgrat dieses Buches. Diese Berichte über den Alltag im Getto und die Handlungen der Funktionsträger werden durch fiktive Elemente und Charaktere ergänzt.
An dieser besonderen Art des Schreibens liegt es, dass ich so oft eine Pause beim Lesen habe machen müssen. Während es bei einem Sachbuch einfach ist, die emotionale Ebene auszublenden, und bei einem Roman zwar die emotionale Ebene berührt wird, aber die Tatsache, dass das Gelesene Fiktion ist, einen Abstand zu den Gefühlen schafft, ist es bei diesem Buch anders. Selten kann man sich sicher sein, ob die beschriebene Szene real oder fiktiv ist. Das macht es so schwer, den Schrecken und die Emotionen auf Abstand zu halten.
Schwer ist das auch deshalb, weil es so viele fürchterliche Szenen im Buch gibt, die besonders für eine Mutter schwer zu ertragen sind. Und beim Lesen regte sich mein Widerstand. Warum, zum Teufel, haben die Gettobewohner das mitgemacht? Warum haben sie ihre Kinder ausgeliefert? Warum haben sie sich gegenseitig verraten, statt zusammen gegen die Mörder ihrer Kinder zu handeln?
Der Autor versucht, nicht in die Fallgrube der Sentimentalität zu fallen, und überlässt mit einer Ausnahme die Introspektion den Lesern selbst. Nicht der Autor, sondern der Text selbst soll den Lesenden sagen, was sie fühlen sollen. So muss man auch allein entscheiden, wie man zu den beschriebenen Charakteren steht. Das ist kein leichtes Unterfangen, macht die Lektüre aber besonders intensiv.
'Dies ist kein Buch über das Überleben, und es ist nicht von Überlebenden geschrieben.'
Genau das wird dem Autor vorgeworfen. Er schreibt als Nicht-Jude und Nichtbetroffener ein Buch über das Leben und Sterben im Getto von Lodz. Darf er das? Und darf er Realität und Fiktion vermischen? Sem-Sandberg stellt fest, dass man auf sich selbst vertrauen müsse, weil man sonst überhaupt nicht schreiben könne. Recht hat er.
Ich bin jedenfalls froh, dass Sem-Sandberg den Mut hatte, dieses berührende und hervorragende Buch zu schreiben.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nie wieder! 15. Oktober 2011
Von Baroness
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch beschreibt den Alltag der Juden im damaligen Getto. Die Hauptperson dieser Geschichte ist der Judenälteste Chaim Rumkowski. In vielen Einzelschicksalen wird das Leben und Sterben verschiedener Charaktere in diesem Getto beschrieben und immer ist der Dreh- und Angelpunkt der Judenälteste. Kein Buch hat mir solche Gänsehaut verursacht, wie dieses. Es ist keine leichte Lektüre und der Autor hat mit diesem Buch verschiedene Emotionen geweckt. Angefangen über Verständnislosigkeit, Verzweiflung, Schrecken und Trauer. Die Szenen in der Geschichte sind gut dokumentiert und man merkt, dass alles gut recherchiert ist. Was ist das für ein Mensch gewesen, der seine eigenen Landsleute in den Tod schickte, der von seiner Macht und seinem Dünkel so überzeugt ist. Wohltäter oder Schlächter? Chaim steckt so voller Schuld und Überheblichkeit, dass einem wirklich schlecht wird. Jeder ist sich selbst der Nächste, auch das wurde überzeugend dargestellt. Verrat oder Selbstschutz? Das Buch wühlt auf und regt zum Nachdenken an.

Das Leid und die Hoffnung vieler Tausender Schicksale ist ein Thema, was auch heute noch zeitlos ist. Zwangsarbeit, Kollaboration und Deportation waren damals nicht nur in Polen und Deutschland an der Tagesordnung, sondern auch in allen anderen Kriegsgebieten.
Vergessen kann man nie, aber vergeben, denn keiner ist frei von Schuld. Auch, wer wegschaut, ist schuldig!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
'Sechsundsechzig Jahre lebe ich nun schon und bin des Glücks, mich Vater nennen zu können, noch immer nicht teilhaftig geworden, und jetzt verlangen die Behörden von mir, dass ich alle meine Kinder opfere.'

Innerlich vor Schmerzen scheint sich der Judenälteste des Ghettos, Rumkowski, zu krümmen, als ihm die deutschen Behörden mitteilen, dass er umgehend Listen abzuliefern hat. Die Alten und Kinder des Ghettos sind nun der nächste Schritt, nachdem die Kranken bereits abtransportiert wurden. Aber krümmt er sich wirklich vor Schmerzen? Es wird sich herausstellen, dass Rumkowski beileibe kein 'Widerstandkämpfer vor dem Herren' ist und in dieser Figur, ebenso wie in vielen anderen handelnden Personen des Romans, erweist sich umgehend, dass Steve Sem-Sandberg vor allem eines nicht ist. Oberflächlich.

In diesem Augenblick, mit diesem erneuten Opfer unter vielen Opfern, setzt der Roman ein und wendet sich der Geschichte des Ghettos von Lodz zu. Durchaus mit einbeziehend, aber weniger in den zentralen Fokus setzt Sem-Sandberg hierbei die äußere Geschichte des Ghettos. Sein eigentliches Interesse aber gilt dem 'Innenleben' des Ghettos, jener Atmosphäre von Not, Verzweiflung, aber auch Kollaboration und Hilfestellung für die Vernichtungsmaschinerie der Nazis, die auch Teil dieser immerwährend aktuellen Geschichte des Holocaust ist.

Nicht aber nur vordergründig auf den eigenen Vorteil bedacht ist jener Judenälteste. Auch das wäre zu einfach gedacht, nicht nur im Roman. Durchaus eine Form innerer Logik wohnt ihm inne, sozusagen ein Plan, sich durch Annäherung an die deutsche Herrschaft und Verinnerlichung derer Vorgaben einen Platz für sich und 'seine' Juden zu sichern. Wobei ihm das Individuum, der einzelne, nicht von Bedeutung erscheint und auch emotional Rumkowski das Geschehen kaum nahekommt. So differenziert schwankt auch der Leser in der Betrachtung dieses Judenältesten zwischen Abscheu und Anflügen von Verständnis und erhält auf diese Weise ein direktes Empfinden für die Widersprüchlichkeit jener bedrängten Situation und jener perfiden Logik, die über das Leben im Ghetto herrschte. Und erlebt die Hilflosigkeit und Ohnmacht der Ghettobewohner hautnah mit, die, egal auf welche Art und Weise auch immer, der geplanten Vernichtung nicht wirklich entgehen können.

Auch wenn Rumkowski in seiner inneren Irrung, seiner ihm eigenen Vorteilsnahme die zentrale Figur des Romans darstellt und Sem-Sandberg damit eine reale, geschichtliche Person zum Ankerpunkt seines Romans gestaltet, beileibe nicht nur um ihn drehen sich die Geschehnisse im Buch. Immer wieder setzt Sem-Sandberg andere Personen in das Scheinwerferlicht seiner Betrachtung, lässt dokumentarische Einschübe einfließen und erschafft so eine ungeheuere Nähe zum Leben im Ghetto und zum Erleben einzelner Schicksale.

Eine Nähe, der sich der Leser kaum entziehen kann und in der das Leiden, die Intrigen, die Komplizenschaft und, eben, die Grausamkeit jener 'Durchgangsstation' authentisch und teils schrecklich zu lesen in den Raum tritt. Der sich der Leser gerade aufgrund der Nüchternheit, der Dokumentationsartigkeit, kaum entziehen kann. Trotz der literarischen Verarbeitung überhöht Sem-Sandberg nichts, beschönigt nichts, übertreibt nicht, sondern legt seine Personen (allesamt mit realem Hintergrund) und die Allgegenwärtigkeit des Terrors und des Verlustes eher nüchtern berichtend im Buch vor.

'Die Elenden von Lodz' ist ein romanhaftes Zeitzeugnis der besonderen Art, dass so schnell den Leser nicht mehr loslassen wird. Hart, schmerzlich, das innere Erleben und die Motive der Figuren hell ausleuchtend hält es schmerzliche Fragen nicht nur an die Geschichte, sondern auch an die Gegenwart menschlicher Verblendung und Grausamkeit offen.
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