Ein bisschen Scheu hatte ich anfangs vor diesem Film. Das lag aber nicht an dem Film sondern an mir, da ich so meine Probleme mit französischen Filmen habe. Zum Glück habe ich mich allerdings zu diesem Film "verlaufen", denn sonst hätte ich ein großes Highlight verpasst.
Dieser Film erzählt zwei Geschichten, die im Laufe dieses Films sehr intelligent miteinander verbunden und somit zu einer Geschichte, einem rundum gelungenem Ganzen werden.
Es handelt sich um die Geschichte eines Hauses in der Rue de Grenelle No. 7, man könnte auch sagen eines durchaus "ehrenwerten" Hauses. Die Bewohner dieses Hauses sind mitunter etwas arrogant, eingebildet, hochnäsig. Madame Michel, die Concierge, versteckt deshalb ihre Klugheit und Leidenschaft für Bücher vor den anderen Bewohnern. Sie kann einfach mit ihnen wenig anfangen. Die hochbegabte, aber oftmals nur verkannte, 11jährige Paloma lebt in ihrer eigenen Welt, fast schon einer Traumwelt. Sie spricht kaum mit jemandem, nimmt sich vor, an ihrem 12. Geburtstag Selbstmord zu begehen. Sie findet nichts dabei, nur gegen Ende des Films (mehr verrate ich nicht) sieht sie diese Dinge etwas anders. Das Schicksal der beiden Einzelgänger nimmt allerdings bereits vorher eine neue Wendung mit dem Einzug von Kakure Ozu.
Zum Cast: Die Darsteller wurden sensationell gut ausgewählt. In der Hauptrolle glänzt Josiane Balasko als mürrische, ruppige aber vor allen Dingen einsame, unglückliche Concierge Madame Michel. In den weiteren Rollen brillieren Garance Le Guillermic als Paloma. Paloma, die in ihrer eigenen Gedankenwelt lebt, nur mit sich und ihrer Kamera beschäftigt. Und Togo Igawa als Kakure Ozu, den sanftmütigen neuen Nachbarn, der in Madame Michel eine Freundin findet. Die Hauptcharaktere sind "zum gern haben" dargestellt, mit der Dauer des Films wurden mir diese immer sympathischer.
Die Handlung ist sehr sanft erzählt, oftmals mit einer Erzählstimme aus Sicht des Mädchens Paloma. Man kann sich genau in die Bewohner des Hauses hineinversetzen, was auch die ruhige Kameraführung verstärkt. Die Musik wurde äußerst gut ausgewählt. Von ruhigen Cello- und Violinklängen, über ruhiges, träumerisches bis etwas schneller werdendes Klavierspiel, bis hin zu kleineren Passagen fast schon von poppigerer Musik passen sich die Klänge perfekt der Szenerie an. Besonders gelungen finde ich den Wechsel der Szenen von den normalen Szenen zu den Szenen, bei denen Paloma ihre Umgebung filmt. Die Kameraszenen wurden etwas verpixelt dargestellt, so dass der Wechsel gut erkennbar und originell, angenehm anzuschauen ist.
Die DVD kommt um die normale DVD-Hülle in einem hochwertigen Pappumschlag daher, zudem ist ein Wendecover (bei der normalen DVD-Hülle) vorhanden. Außerdem liegt der DVD sehr interessantes Bonusmaterial bei, u. a. ein umfangreiches Making of, nicht verwendeten Szenen und einem Audiokommentar.
Diesem Film wurde im Kino mit knapp 200.000 Kinobesuchern leider nicht ganz so viel Beachtung geschenkt. Dies ist allerdings vollkommen unverdient. Dieser Film ist ein kleines, aber feines französisches Meisterwerk. Wohl eine der besten Tragikomödien des Jahres 2010. Unbedingt ansehen!