Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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166 von 177 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Wie gesprächig kann ein Igel sein?, 23. Juli 2008
Es ist oft eine Freude die wunderbar geformten Sätze zu lesen und ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum der Name der Übersetzerin Gabriela Zehnder, die es vermochte, die Melodie der Sprache so gekonnt zu übersetzen, nur einmal genannt wird und die es dem Verlag noch nicht einmal wert ist, dass man ihr ein paar Zeilen im Klappentext widmet. (Fast eine Parallele zur Concierge, deren Arbeit von allen geschätzt wird, die aber aufgrund ihrer Rolle immer im Hintergrund zu stehen hat.)
Trotz der Freude ist es aber auch häufig eines: etwas anstrengend und sogar manchmal etwas ermüdend, wenn allzu viel parliert wird, wenn der Grundgedanke der Überlegungen und Abschweifungen schon als Schatten seiner selbst 5 Seiten zuvor zu finden ist und über dem ganzen fast in Vergessenheit gerät.
Das ist einer der Punkte, die dazu führten, dass ich die allgemeine Begeisterung nicht so ganz teilen mag. Und noch etwas war für mich nicht stimmig. Ein zwölf Jahre altes Mädchen und eine 54 Jahre alte Frau müssen einfach unterschiedlicher in ihren Formulierungen sein. Natürlich sind beide Hyperintelligent und darauf werden wir als Leser dann auch mehr als einmal hingewiesen, als wenn wir das nicht aus der Sprache und den verwendeten Zitaten schon verstanden hätten, wird es immer wieder in die Geschichte eingestreut, doch die Autorin gibt den Beiden die selbe Art von Sprache, legt ihnen Sätze in den Mund, die von ihnen beiden stammen könnten und so besitzen Renèe und Paloma für mich keine eigene Identität und wirken darum seltsam homogen und nicht authentisch genug, als dass ich ihnen die von Frau Barbery zugedachte Rolle abnehmen mag.
Natürlich werde ich nichts über das Ende des Buches verraten, doch auch hier war ich nicht sehr begeistert von dem, was die Autorin für ihre Hauptperson vorgesehen hat und auch, wenn es kein unrealistisches Ende ist - unrealistisch ist eher die Existenz einer überintelligenten philosophierenden Concierge wie Renèe und eines Wesens wie Paloma, deren Sprache und Erfahrungen zu abgeklärt und zu Lebenserfahren für ein Mädchen ihres Alters klingt so hat es mir persönlich nicht gefallen.Insgesamt, mag ich mich der allgemeinen Begeisterung nicht anschließen, da es zwar sprachliche Schönheit aufweist und zum Teil interessante Ausflüge in die Philosophie bietet, mir aber zu viele Kritikpunkte bietet, um es uneingeschränkt zu empfehlen.
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Ich bin zu doof für dieses Buch, 27. August 2009
Madame Renee Michel ist Concierge in einem feudalen Appartementhaus in Paris. Nach außen spielt sie die dumme, in Pantoffeln schlurfende, Seifenopern schauende typische Pariser Hauswärterin. Keiner ihrer immens reichen Bewohner, die sie heimlich verachtet, soll herausfinden, dass sie sämtliche Klassiker der Weltliteratur kennt und sich mit allen namhaften Philosophen befasst. Sie ist die eine Erzählerin in diesem Buch. Die andere ist ein 13-jähriges Mädchen von ebenfalls unglaublicher Intelligenz, das sich vorgenommen hat, an ihrem 13. Geburtstag Selbstmord zu begehen, weil sie keinesfalls in dieses nichtige Erwachsenendasein verfallen möchte. Alles ändert sich im Haus, als eine Wohnung zum Verkauf angeboten wird. Das hat es seit Madame Michels Arbeit dort, immerhin 26 Jahre, noch nicht gegeben. Ein zieht ein berühmter japanischer Filmregisseur, der ihr ziemlich schnell auf die Schliche kommt.
Und wie es dann weiter und zu Ende geht, das habe ich mir erspart. Bei Seite 120 war ich schon nahe dran, aufzugeben. Viertelseitenlange Sätze über ihre Teezeremonie haben nicht unbedingt zu meinem Lesevergnügen beigetragen. Die philosophischen Gedankenschweife waren manchmal amüsant, aber meistens ermüdend. Nur durch Anfeuerung von Lesern, denen das Buch tatsächlich gefallen hat und mir versicherten, ab der Hälfte ginge so etwas wie eine Handlung los, habe ich dann noch bis Seite 257 durchgehalten. Davon abgesehen, dass zu diesem Zeitpunkt Herr Ozu auf das Parkett trat, das Buch aber nur 360 Seiten hat, habe ich mir den Rest dieser schwafeligen Philosophie mit Genuss verkniffen.
Alle, die sich vermutlich für literarisch höhergestellt halten, fallen in kritikloses Entzücken ob der schönen Sprache, der gelungenen Wendungen und blablabla. Und wenn nur ein Fünkchen Humor oder Ironie dabeigewesen wäre, hätte ich sogar durchgehalten bei dieser Geschichte ohne Handlung. Aber da bin ich doch lieber ein literarischer Ignorant und verzichte auf solche Lektüre.
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102 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
sympathisch - nicht mehr und nicht weniger , 13. Juni 2008
Ein heiterer, kurzweiliger und warmer Roman ist das. Nach meinem Empfinden kommt er erst im zweiten Viertel so richtig in Fahrt, so als hätten die Protagonisten ab da selbst das Ruder übernommen. Um so mehr wachsen sie einem dann ans Herz, und umso mehr habe ich mich gefreut, dass Renée und Paloma in ihren harten Ansichten und ihrer Strenge am Ende eines Besseren belehrt und in die Lage versetzt werden, mit gütigeren Augen auf sich und die Welt zu schauen. Das hat mich ehrlich gerührt.
Der Roman lebt von seinen Hauptfiguren und den Situationen, in die sie geraten, den genauen Beobachtungen, die sie machen, seinem situativem Witz wie vielleicht auch dem Wunsch, die Augen zu öffnen für die wahren Begegnungen im Leben, für die Kunst und die zeitlos schönen Momente.
Muriel Barbery schreibt unbestritten gut, verfehlt aber meiner Meinung nach immer dann das Ziel, wenn sie dem Leser in Exkursen, die die Handlung überhaupt nicht voranbringen, vermeintlich philosophische oder ästhetische Prinzipien (zur Grammatik, zu Innenarchitektur oder zu Funktion und Wirkung von Türen, sic!) erklären will und sich dabei auch noch besonders umständlich ausdrückt. Da, wo Barbery aber bei ihrer Geschichte und ihren Figuren bleibt, ist sie gut.
Der Roman kommt in seiner Sprache und in seinen Nebensträngen anspruchsvoller daher, als er ist. Ich kann daher verstehen, dass Leser enttäuscht sind, die mehr Tiefgang erwartet haben, weil der durch die Sprache suggeriert, das Versprechen aber nicht eingelöst wird.
Ich lege "Die Eleganz..." ab unter "sympathischer, teils herzerwärmender Schmöker mit spleenigen Charakteren, geschrieben von einer ambitionierten und zum Teil etwas zu selbstverliebten Autorin ".
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