Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Die Einsamkeit des Langstreckenläufers
OT The Loneliness of the Long-distance RunnerOA 1959 DE 1967 Form Erzählung Epoche Moderne
Die Einsamkeit des Langstreckenläufers ist die bekannteste Erzählung von Alan Sillitoe. Wie in seinem ersten Roman Samstagnacht und Sonntagmorgen (1958) gelang es ihm auch in der verknappten Form der Erzählung, die geistige Auflehnung eines in seiner Lebenssituation gefangenen gesellschaftlichen Außenseiters glaubwürdig und eindrucksvoll zu schildern.
Inhalt: Der 17-jährige Colin Smith, der wegen Diebstahls in einer Erziehungsanstalt in Essex einsitzt, bringt seine Geschichte zu Papier, die im Arbeitermilieu von Nottingham spielt.
Als Colins Vater an Kehlkopfkrebs stirbt, kommen Colin, seine Mutter und die fünf Geschwister durch eine Zahlung der Versicherung in den Genuss kurzzeitigen Reichtums. Nachdem sie sich ein Fernsehgerät angeschafft und das restliche Geld gemeinsam verjubelt haben, fällt es Colin schwer, sich mit der erneuten Armut zu arrangieren. Zusammen mit seinem verschlossenen, zum Jähzorn neigenden Freund Mike bricht er in das Büro einer Bäckerei ein und stiehlt eine Geldkassette.
Nur durch Zufall gelingt es einem von Vorurteilen geleiteten und äußerst hartnäckigen Kriminalbeamten, Colin und Mike zu überführen. Später wird Mike freigesprochen, Colin kommt als vermeintlicher Anstifter ins Besserungsheim. Wegen seiner Fähigkeiten als Langstreckenläufer gewinnt er bald die Sympathie und Unterstützung des Direktors, der in ihm einen aussichtsreichen Läufer für den alljährlichen Sportwettkampf der Erziehungsanstalten erkennt. Colin durchschaut, dass die Freundlichkeit des Direktors lediglich seinem ehrgeizigen Wunsch nach beruflicher Profilierung entspringt. Und so fasst er den Entschluss, bei der Meisterschaft als Erster bis kurz vors Ziel zu laufen und sich dann vom zweitbesten Läufer überholen zu lassen. Dass er mit diesem Akt der Rebellion gegen eine für ihn inakzeptable Autorität seine Chancen auf vorzeitige Entlassung verspielt, ist ihm vollkommen bewusst.
Doch sein Training, das er täglich am frühen Morgen beginnt, bedeutet ihm weit mehr als nur die Möglichkeit einer Auflehnung gegen die an ihn gestellten Erwartungen. Erst durch das Laufen erschließt er sich einen Zugang zu seiner eigenen Identität. In der Synchronisation von Laufen und Denken entdeckt er den einzigen Zustand in dem er sich wirklich frei fühlt und er erkennt, dass er sich dieser Freiheit ebenso sicher sein kann wie seiner Einsamkeit.
Form: Zu den formalen Stärken der Erzählung gehören insbesondere die gekonnte Verknüpfung der verschiedenen Zeitebenen sowie die Ungezwungenheit und Treffgenauigkeit der dialektgefärbten Sprache.
Wirkung: Die Einsamkeit des Langstreckenläufers gilt als eine der gelungensten Erzählungen aus dem weiteren Umfeld der »Angry Young Men«, einer in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre bekannt gewordenen Generation junger englischer Schriftsteller, die sich in ihren häufig resignativen Erzählungen und Theaterstücken dem Alltag des englischen Kleinbürgertums widmeten. B. S.
Pressestimmen
"Voller poetischer Perfektion." (New Statesman)
"Die Einsamkeit des Langstreckenläufers: eine brillante Titelgeschichte vom Triumph der Individualität über alle Anpassungszwänge." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
"Sillitoe hat die Erzählung als Monolog seines Helden angelegt, als einen Monolog während des Laufens. Wie da die Motorik des Denkens mit der des Langstreckenläufers synchronisiert ist, wie aus dem körperlichen Vorgang ein geistiger wird, wie da nicht bloß mit dem Gehirn, sondern mit der dampfenden Physis insgesamt gedacht wird - das ist von unmittelbar überzeugender Originalität. Der Kampf ohne Waffen, den Colin Smith führt, wird nicht beschrieben, wir nehmen an dem Prozeß des Entstehens teil, wir werden buchstäblich in ihn hineingerissen. Daß das so vollständig glückt, ist nicht zuletzt ein Triumph des vulgärphilosophischen Proletarierjargons ... Das ist ein Meisterstück, in der Durchführung ebenso wie im Entwurf. Ein Glücksfall in jedem Betracht." (Frankfurter Allgemein e Zeitung)
"Eines der größten Stücke kurzer Prosa, das die zeitgenössische Literatur wohl hervorgebracht hat." (Deutschlandfunk)