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Alan Sillitoes knapper Text „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" ist einer der großen Kulterzählungen der 1968er Generation. In Form eines während des Langstreckenlaufes gehaltenen Monologes lernen wir den Lebens- und Leidensweg des jungen Colin Smith gut kennen. Er wird uns rasch vertraut. Sympathisch sowieso. Schon die ersten Gedankengänge des flinken Läufers lassen uns schmunzeln: „Sobald ich ins Borstal kam, machten sie mich zum Langstreckengeländeläufer. Sie dachten vermutlich, ich sei dazu gerade richtig gebaut, denn ich war lang und hager für mein Alter (und bin immer noch so), und jedenfalls hatte ich nicht viel dagegen, wenn ich ehrlich sein soll, denn Laufen ist bei uns zu Hause immer groß geschrieben worden, besonders das Weglaufen vor der Polizei." Später wird's mitunter auch traurig. Colin bleibt dennoch Sieger. Er durchschaut den aufdiktierten Sieges- und Erziehungswahn des Jugendknasts und zahlt mit gleicher Münze, aber doch ‚ehrlich' zurück. Man gönnt ihm das von Herzen.
Zwei große parallele Erzählungsstränge ziehen sich dabei durch das Buch. Und markieren Kontraste: einerseits der Kontrast zwischen dem eingesperrten Leben in der Anstalt und der ungebundenen Freiheit des Langstreckenläufers in frischer Natur, andererseits auch der Konflikt zwischen der angeblichen Normalität (der Anstalt) und Individualität (Colin).
Die Erzählung funktionierte auch sehr gut als Film. Unter der Regie von Tony Richardson wurde das Sozialdrama 1962 in Großbritannien kongenial verfilmt. In den Hauptrollen Tom Courtenay, Topsy Jane und Michael Redgrave. Der Film gilt bis heute als einer der Meilensteine der englischen „Free-Cinema-Bewegung".
„Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" ist eine unbedingt empfehlenswerte Erzählung. Und eines jener ganz seltenen Bücher, nach deren Lektüre man reicher durch das Leben geht. Oder auch ‚läuft'. Der Weg kann mitunter eben doch das Ziel sein.
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