"Die", liebe Linguisten und Langusten, heißt im Englischen nicht nur "sterben", nein, es ist auch der Singular des Wortes "Würfel". Da man im Englischen aber meistens im Plural von Würfeln spricht, ergo "dice", dürfte den Meisten gar nicht bewusst sein, dass das Wort "die" ebenfalls diese so gar nicht tödliche Bedeutung hat. Was dem Filmtitel "Die! - Ein Spiel auf Leben und Tod" eine wunderbare Doppeldeutigkeit verleiht. So, genug gelernt für heute von Tante Vega, schauen wir doch lieber mal, wie die "dice" für "Die!" gefallen sind:
Auch hier haben wir mal wieder ein in Horrorfilmen mittlerweile gängiges Ausgangszenario von verschiedenen, einander fremden Menschen, die in einem Kellergewölbe erwachen, weder wissen, wo sie sind, noch warum sie da sind, wo sie sind und einem sinisteren Zeremonienmeister, der mit ihnen ein Spiel über Leben und Tod spielen will. "Saw", "House of 9" oder "Hunger" haben es vorgemacht, "Die!" macht es mehr oder weniger gekonnt nach. Es geht natürlich um Läuterung, für begangene Sünden soll gebüßt, das Leben an sich mehr wertgeschätzt werden und das natürlich auf möglichst brutale und für den Zuschauer eindringliche Weise. Dass dabei das Würfelspiel zu einer Art finsteren Religionslehre erhoben wird, die von einem durchgeknallten, in seiner Kindheit natürlich traumatisierten, aber überaus cleveren Fürsten der Finsternis praktiziert wird, ist natürlich hanebüchener Schwachsinn, aber sei's drum, damit muss man speziell in diesem Genre ja immer rechnen. Dennoch ist Die!" kein schlechter Film, obwohl Grundidee und auch Ende des Films viel Nachsicht vom Zuschauer fordern. Da es sich um das Erstlingswerk des Kanadiers Dominic James handelt, wollen wir mal nicht so sein und es mit Logik und der teilweise etwas schleppenden Umsetzung nicht ganz so genau nehmen.
Wie gesagt, sechs Menschen erwachen in einem unterirdischen, geräumigen Kellerverlies und gucken erstmal dumm aus der Wäsche. Um sie zumindest nicht dumm sterben zu lassen, taucht alsbald Würfelbecher Jacob (John Pyper-Ferguson, "Betty Ann Waters") auf und erklärt jigsawesk, er möchte ein Spiel spielen. Ein Spiel, das die sechs gescheiterten Selbstmörder daran erinnern soll, welch hohes Gut das Leben ist. Genau, denn alle sechs waren bereit, ihr Leben ob ihrer unterschiedlichen Problemchen einfach so wegzuwerfen. Jacob nun zeigt ihnen, wie es ausgesehen hätte, wenn sie tatsächlich gestorben wären. Jeweils zu zweit werden die Opfer aus dem Verlies geholt und am Spieltisch bzw. festgeschnallt auf einem Stuhl platziert. Das gefesselte Opfer soll nun den Tod sterben, den die am Tisch platzierte Person für sich gewählt hatte, die Anzahl der Augen auf dem Würfel gibt die Frequenz vor, in der derjenige die nun folgenden Qualen zu erleiden hat. Die Chance auf Überleben ist somit durchaus gegeben, wenn z. B. nur eine von sechs erwürfelten Patronen in der Waffe landet, mit der das unfreiwillige Opfer erschossen werden soll. Durch diese emotionale Grenzerfahrung soll den Sechsen der hohe Wert des Lebens eingewürfelt werden, denkt sich Jacob. Dass dabei dann aber doch nicht alles nach Plan läuft, war ja auch irgendwie klar, oder?
Neben dem Ton in deutsch und englisch in DD 5.1 finden sich außer dem 92minütigen Film leider nur vier Trailer auf der Scheibe, die restlichen Extras hat der Regisseur wahrscheinlich beim Würfeln verloren.
Wie gesagt, für ein Erstlingswerk ist Regisseur Dominic James ein gar nicht mal so schlechter Film gelungen. Warum er hier bestenfalls einen Dreierpasch und kein Full House gewürfelt hat, sag ich Euch: Man merkt dem Film an, dass er sich sehr an ähnlich gelagerte Werke anlehnt und sich somit einer mittlerweile schon recht ausgelutschten Idee bedient. Dass fremde Menschen in irgendwelchen abgeschlossenen Räumen aufeinander treffen und Mutproben bestehen oder Todesfallen überwinden müssen, damit wurde der geneigte Horrorfan seit dem ersten SAW-Teil anno 2004 immer wieder konfrontiert. Man hat, sofern man ein Fan solcher Filme ist, schon wesentlich kreativere Todesfallen bzw. -spiele gesehen und auch der Bodycount in "Die!" ist nicht allzu hoch. Darüber hinaus versteigt sich James dazu, in seinem Film noch einen Schritt weiterzugehen, und das Morden per Würfelspiel zu einer Art Religion zu erheben, die eine natürlich mehr als fragwürdige Botschaft vermittelt und dies nicht gerade glaubwürdig. Da kommt man gen Ende des Films ums Kopfschütteln nicht mehr herum.
Aber bis es soweit ist, ist James ein trotz allem recht spannender und fieser kleiner Film gelungen, der zwar nicht mit großartigen Stars auftrumpfen kann (EIias Koteas, "Shutter Island" dürfte hier zu den bekanntesten Mimen zählen), seine Geschichte aber kompromisslos und nur mit kleinen Längen versehen, erzählt. Die "Todesspiele" sind hübsch auf die agierenden Protagonisten zugeschnitten worden und sorgen durchaus für die ein oder andere kleine Gänsehaut. Auch die glaubhaft vermittelte geistige Gesundheit des natürlich total bekloppt im Kopp seienden Jacob ist irgendwie unheimlich, da dieser zu keinem Zeitpunkt die Contenance verliert und so felsenfest an seine Mission glaubt, dass man fast geneigt ist, ihm den Schwachsinn zu glauben, den er da vor sich hin fabuliert. Soweit kommt es dann zum Glück aber doch nicht, dafür sorgen die erlittenen Qualen seiner Opfer. Die eingestreuten Rückblenden, die James hier einsetzt, sollen dem Zuschauer Erklärungen dafür liefern, warum die sechs Kellerwürfel sich überhaupt umbringen wollten, sind aber an sich nicht wirklich relevant, da sie für den Handlungsverlauf keinerlei Bedeutung haben. Auch die von James parallel abgespulte Handlungsebene um Polizistin Sofia, die ihren vermissten Kollegen (einen der sechs Gefangenen) sucht und eine Verbindung zwischen den in aller Öffentlichkeit abgelegten toten Opfern des Spiels und ihrer Vergangenheit sieht, wirkt eher aufgesetzt denn glaubwürdig und ebenfalls überflüssig. Hier wird der an sich spannende und hintersinnige Kellerpart unnötig unterbrochen und der Film ein wenig in die Länge gezogen. Man merkt dem Regisseur hier die mangelnde Erfahrung an und dass er die Maxime "weniger ist manchmal mehr" noch nicht wirklich verinnerlicht hat.
Alles in allem aber ist "Die!" ein recht unterhaltsamer Thriller, dessen Gewaltexkursionen und Grausamkeiten meistens im Off stattfinden und der so nicht allzu blutig daherkommt. Es geht hier nicht um blutige Tötungsarten, es geht um die Idee, die dahintersteckt, auch wenn diese nicht immer glaubhaft transportiert und zum Ende hin etwas sehr wirr wird. Zumindest hat der Regisseur dieser altbekannten Ausgangssituation noch ein paar frische Impulse einhauchen können und seine Sache für sein "erstes Mal" ganz anständig gemacht. Hätte James darüber hinaus noch ein paar Grau- und Braunfilter von der Kameralinse genommen, hätte der Film in etwas satteren Farben geglänzt, was ihm ganz gut zu Gesicht gestanden hätte. Somit mal drei von fünf Würfeln, die einem das Gewinnen ordentlich verleiden können.