Zuerst muss festgestellt werden, dass "Die Eifelgräfin" flüssig und interessant geschrieben ist. Das war leider auch schon das Positive.
Wer, wie ich, eine spannende Geschichte mit Bezug auf die Kreuzzüge - vielleicht einen Perspektivenwechsel zwischen 1148 und 1348 erwartet, wird enttäuscht. Einzig im Prolog kommt das Jahr 1148/49 vor, hat aber keine Relevanz. Die Reliquie könnte auch in jeder anderen Zeit vorkommen.
Das Silberkreuz, die mysteriöse Reliquie, dem laut Klappentext eine wichtige Bedeutung zukommt, hat letztlich fast keine Bedeutung. Es kommt zwar oft vor, hat aber keinen Einfluss und sein Rätsel (was es genau macht) wird auch nicht endgültig gelöst - was aber nicht stört, da das Kreuz ohnehin unwichtig ist.
Die Eroberung der Burg, die im Klappentext erwähnt wird, kommt erst nach etwa 450 von 550 Seiten vor (!), vorher passiert fast nichts.
Die Pest, die auch wichtig sein soll kommt nur kurz ab Seite 400 vor und hat nur 1x vorher Konsequenzen.
Die Bruderschaft, welche ebenfalls im Klappentext erwähnt wird, gibt es nicht (!). Es gibt freundschaftliche Bande (der einzige wirkliche Zweck des Silberkreuzes), von denen aber nur zwei der Beteiligten überhaupt wissen. Die "Auflösung" findet erst im letzten Kapitel statt und hat auch keine Relevanz mehr.
Wenn der Klappentext schlicht nicht stimmt oder auf ganz späte Handlungen Bezug nimmt, worum geht es dann wirklich?
Hauptsächlich geht es im Roman um eine Liebesgeschichte, die für mich ab einem gewissen Zeitpunkt sehr vorhersehbar war.
Zu allem Überfluss entdeckte ich am Ende des Buches auch noch Zeichnungen der Burg, des Hauptspielplatzes des Buches, was an dieser Stelle natürlich auch nichts mehr bringt.
Sicherlich kann man sagen, dass das Buch besser wäre, wenn man tatsächlich eine Liebesgeschichte lesen wollen würde und dies auch so beworben würde. So habe ich ein interessant geschriebenes, aber langweiliges Buch mit einer Thematik, die ich in diesem Zusammenhang nicht lesen wollte.
Insofern fühle ich mich betrogen und kann nur jedem empfehlen sich vorher zu fragen, ob er hier eine Liebesgeschichte, die zufällig im Mittelalter spielt lesen möchte.