....der besonderen Art, schildert uns Barbara Vine in ihrem Roman "Die im Dunkeln sieht man doch". Es geht um den Fall Vera Hillyard, eine Frau, die wegen Mordes zum Tode verurteilt, kurz nach dem Krieg in England hingerichtet wird. Veras Nichte Faith, die Erzählerin des Romans, versucht Jahre später die ganze Geschichte noch einmal zu rekonstruieren und dabei die familiären Zusammenhänge, die Beweggründe und Motive der einzelnen Beteiligten aufzudecken. Die in das starre Moralkorsett der damaligen Zeit gepressten Familienbande entblättert Faith Stück um Stück und offenbart dabei, was sich unter dem Deckmantel der Familienidylle eines englischen Dorfes verbirgt.
Wie so oft bei Barbara Vine beginnt dabei alles ganz harmlos und unspektakulär. Erst nach und nach beginnt der Leser zu ahnen, was da noch auf ihn zukommt: Lug und Trug, Intrigen und tiefer Hass. Es sind die menschlichen Abgründe, die die Autorin stets so vortrefflich beschreiben kann, dass einem eine Gänsehaut über den Rücken streicht.
Ich persönlich würde das Buch dennoch nicht als Thriller bezeichnen, es ist sicherlich ein hervorragendes Zeitdokument, sehr authentisch und überzeugend geschildert. Barbara Vines wunderbarer Schreibstil und ihr Gespür für die leisesten zwischenmenschlichen Töne machen "Die im Dunkeln sieht man doch" zu einem spannenden und lesenswerten Roman.